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Seiler Höfe

 


Verwaltung & Büro

Seiler Höfe


Schanzenstraße 7-41 173
51063 Köln
Mülheim

"Es ist kaum zu beschreiben, wie schwer die Aufgabe eigentlich war. Heute sieht alles so einfach aus." Uwe Märtirer, verantwortlich für die Bauprojektierung des gesamten Geländes Schanzenstraße, bringt es auf den Punkt. Die Seiler Höfe bestechen vom ersten Augenblick. Und begeistern sowohl Betrachter als auch Mieter durch ihr Konzept, ihre Architektur und ihre Einfachheit.

Wo früher Seile und Kabel gelagert wurden, entstand eine Nutzfläche von 17.800 qm für Büros, Studios, Werkstatt- oder Lagerflächen. Die ehemaligen Hallen, errichtet zwischen 1912/13 und den 60er Jahren, dienten der Seilerei von Felten&Guilleaume zur Rohstoffbevorratung und Zwischenlagerung, bevor die Seile und Kabel für Berg- und Brückenbau per Eisenbahn verschickt wurden. Heute sind die Hallen der letzte große Baustein bei der Revitalisierung des Schanzenstraßen-Areals.

Kaum wieder zu erkennen

Schwer vorstellbar, wie die jetzt kleinteilig genutzten Flächen vor dem Umbau ausgesehen haben: Stahldächer aus den 60ern mit Trapezblechen gedeckt, unmittelbar verzahnt mit historischen, genieteten Stahlfachwerkbindern, ein durchgängiger Beton-Industrieboden sowie Fassadenabschnitte aus einschaligem Beton als Fertigteile. Und das Ganze auf 70 m Tiefe und bis zu 8,50 m Höhe. Licht gab es nur durch Plexiglas-Dachkuppeln. Da die Hallenflächen nicht unter Denkmalschutz standen, konnten die Architekten aber in die Bausubstanz eingreifen und lösten das Volumen erst einmal vom angrenzenden Gebäude der "alten Seilerei".

Heute erinnert noch die belassene Dachkonstruktion an diese einstige Verbindung. "Wir wollten die Stahl-Tragstruktur beibehalten und durch das Ablösen Licht in die tiefen Gebäudevolumina holen", erläutert Katja Hennig, Projektleiterin bei Trint + Kreuder. Weiterer Grundgedanke der Architekten war es, sämtliche brauchbaren Bauteile – auch die weniger "vornehmen" wie Gasbeton und standardisierten Fertigteile – in die Umnutzung einzubeziehen und diese sogar als Vorbild weiter zu benutzen. So blieben sowohl der profane Stahlbetonsockel als auch die Attika aus Porenbeton erhalten und wurden als Thema aufgenommen.

Eloxiertes Aluminium C31

Ein weiteres selbst auferlegtes Ziel der Architekten war der einheitliche Material- und Farbkanon für das gesamte äußere Erscheinungsbild. So bildet die Farbe Grau des Betons die Basis für sämtliche weitere Materialien: Das Eloxal der Aluminiumfassaden C31 sowie die mineralischen Anstriche der Gasbetonplatten und die Metallicfarben für die sichtbaren Stahlkonstruktionen. Die gestanzten Bleche dienen übrigens sowohl als Absturzsicherung als auch der Verschattung der dahinterliegenden Büro-„Beletage“ in den Gebäudeteilen A+B der 60er Jahre. Aber auch im historischen Trakt C+D von 1912/13 prägt das stanzmetallverschalte Fensterband die Fassade.

Individuelle Wohnbüros und grüne Innenhöfe


Da der Bauherr ausgesprochenen Wert auf eine werthaltige Architektur legte, wurden die Grundrisse so konzipiert, dass sich die Mieteinheiten von 230 bis 3000 qm unterteilen und dass sie sich sowohl als Großraumstruktur als auch in kleinteiliger, intimer Zellenstruktur ausbauen lassen. So entstand ein Mix aus ein- und zweigeschossigen Einheiten, die je nach Belieben vergrößert oder verkleinert werden können. Das Raster wurde von der vorhandenen Tragstruktur vorgegeben und ist in allen Einheiten weiterhin ablesbar.

Um die sonst für Büros unnutzbaren Hallentiefen mit Licht zu versorgen, durchsetzten die Architekten die 17.800 qm große Nutzfläche mit 14 Innenhöfen verschiedenster Größe. Die begrünten Oasen sorgen dafür, dass der „Wohlfühlfaktor“ für die Mitarbeiter in den Büros enorm gesteigert wird. „Zudem erhält jede Parzelle einen ganz eigenen Charakter“, so Katja Hennig. Nicht zu vergessen der Austausch der Mieter untereinander. Denn dort wo mehrere Mieteinheiten an ein und denselben Innenhof grenzen, treffen sich IT-Mitarbeiter in der Pause mit Fernsehproduzenten oder Teppichdesignern. Interessante Gespräche sind vorprogrammiert.

Für den Innenausbau entwickelten die Architekten ein einfaches System: Grundgedanke war, dass der Boden erhalten werden sollte. So wurde ein Gestaltungskanon in Form von farblich homogenen Materialien (Sichtbeton, Industrieparkett aus heller Eiche, hell-bronze-eloxierte Fensterrahmen und Türen) entwickelt und einfache, aber durchgängige konstruktive Motive für die verglasten Bürotrennwände im Sinne eines „Baukastensystems“ zur Verfügung gestellt. Natürlich waren Änderungen auf Mieterwunsch immer möglich. So legte z.B. die IT-Firma LIOS Technology Wert auf einen speziellen ESD-Boden oder aber eine Extra-Klimatisierung für ihre Technik.
Den Mietern gefällt’s

Die Mieter profitieren von der klaren, strukturierten Aufteilung der Seiler Höfe. So lassen sich Mietflächen nach Bedarf vergrößern oder verkleinern. Oder aber Mieter ziehen im Gebäudekomplex intern in eine andere Fläche um. Alles ist möglich. Der wohl spannendste Punkt aber ist der Mietermix. Aufgrund der enormen Flexibilität spricht die Architektur sowohl Rechtsanwaltskanzleien als auch die Agentur uniplan oder aber die TV-Produktionsfirma tvision an. Das Logistikzentrum der Kliniken der Stadt Kön und der belgische Leuchtenhersteller Wever & Ducré sind ebenfalls hier zu finden. Die Büroflächen liegen im Preis übrigens bei 11,50 Euro.
„Die Vermietung gelang sicherlich auch, weil wir Mieterwünsche und Anfragen nach Mietflächen schnell und flexibel zu realisieren verstanden“, so Uwe Märtirer. „Und ein weiterer Pluspunkt sind natürlich die kostenlosen Parkplätze!“

Die Architekten Trint+Kreuder erhielten für die Seiler Höfe den Preis der „best architects 2009“ sowie den Kölner Architekturpreis 2010!

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 098
Baujahr2007-2008
BauherrGottfried Eggerbauer
ArchitektTrint + Kreuder d.n.a.
Auszeichnungenbest architects 2009
Kölner Architekturpreis 2010
Fotos vonTobias Kern, Atelier für Mediengestaltung Köln; Trint + Kreuder
Projektpate(n)Gottfried Eggerbauer
 

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