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Quartier 21

Architektin Ute Piroeth entwarf auf einer Kölner Innenstadtbrache das ‚Quartier 21’. Für die 14 Eigentümer mischt sich hier urbane Dichte mit einfamilienhausähnlicher Wohnqualität und privaten Außenbereichen – ein positives Beispiel innerstädtischer Nachverdichtung.



Wohnen

Quartier 21


Brüsseler Str. 21
50674 Köln
Innenstadt

Wer „in“ sein will in Köln und nah dran am Stadtgeschehen, zieht ins Belgische Viertel. Aber da das jeder möchte, sind gute und bezahlbare Angebote utopisch. Doch für 14 Eigentümer erfüllte sich im Jahre 2006 der Traum vom Wohnen. Architektin Ute Piroeth und Planer Michael Heck entwarfen dort, wo einst ein Fitness-Studio und Parkplätze das Bild bestimmten, ein neues Wohnensemble – das „Quartier 21“. 2009 wurde das Konzept mit dem 2. Preis des „Häuser Awards“ ausgezeichnet.

Dass urbanes Wohnen im Trend liegt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Wie schön, dass immer mehr Architekten und Projektentwickler diesen Trend sehen und das Potenzial vernachlässigter Areale, die auf den ersten Blick unnütz erscheinen, erkennen. In diesem Fall war es der Düsseldorfer Projektentwickler Hans-Joachim Grunsch, der sich in einem Wettbewerb für den Entwurf von Piroeth entschied. Ihre Idee: Urbanität und Dichte, optimale Wohnqualität und Freiräume, perfekt eingefügt und wohltuend eigenständig!

Wo früher Altbauten einen düsteren Hof umkreisten, dehnt sich heute eine U-förmige Wohnanlage aus gestaffelten Bauteilen aus. Es entstanden 1500 Quadratmeter Wohnfläche mit 39 Parkplätzen in einer Tiefgarage. In einem dreiteiligen Gebäudeensemble aus zwei zweigeschossigen Häusern und einem Wohnturm mit vier Etagen, jeweils mit zurückgesetzten Dachstudios, findet sich die ganze Vielfalt urbaner Wohnformen: Stadthäuser, Maisonette-Wohnungen oder klassische Etagenwohnungen sind hier miteinander verflochten – für alle Bedürfnisse gibt es die passende Wohnform. Und auch die Größe der Einheiten variiert: Zwischen 80 und 160 Quadratmetern wurden die einzelnen Wohnungen verkauft.

„Oase der Ruhe“ in Anthrazit

Der Zugang durch die Hofeinfahrt der straßenbegleitenden Gründerzeithäuser bietet dem Besucher einen Überraschungseffekt: Hier mischt sich familiäre Wohnqualität mit urbaner Dichte. Unvermittelt fällt jenseits der tiefen Toreinfahrt von der Brüsseler Straße aus der Blick auf eine in die Höhe gestaffelte Stadtlandschaft. Doch trotz der unterschiedlichen Höhen, ist die Einheit des „Quartiers 21“ klar zu erkennen. Denn durch den anthrazitfarbenen Putz der Häuser heben sie sich von der übrigen Bebauung ab und beruhigen die lebhaften vor- und zurückspringenden Baumassen. Türen, Fassadenelemente und Dachaufbauten in leuchtendem Orange setzen Akzente und machen die einzelnen Wohnungen zu einem unverwechselbaren Zuhause. "Zu Anfang gab es wegen der Farbgebung einigen Widerstand" sagt die Architektin, "wir wollten dem Gebäude allerdings ein skulpturales Aussehen verschaffen".

Die städtebauliche Struktur dieser Nachverdichtung wird bestimmt durch eine dreiseitige Grenzbebauung, innerhalb der die Abstandsflächen die Gebäudekubatur definieren und durch sie geformt ist. Dennoch wurde die mögliche GFZ nicht vollständig ausgeschöpft, so erhält der begrünte umschlossene Innenhof eine ausreichende Größe.

Grün, grün, grün

Die strenge Farbgebung lockert Piroeth mit einer "verzauberten Innenwelt aus Rosenhecken" auf. Nicht nur der Hof, sondern auch die zahlreichen Dach- und Zwischenterrassen holen die Natur zurück in die Innenstadt. Der zentrale Hof ist begrünt und bietet mit einem Kinderspielplatz den Bewohnern einen Treffpunkt für Jung und Alt. Jede Wohnung profitiert außerdem von Freiflächen, geschützten Höfen im Erdgeschoss bis hin zu Terrassen auf den Flachdächern. Und gerade diese „grünen Zimmer“ unterscheiden die Wohneinheiten von normalen Geschosswohnungen. Denn zusammen mit Maisonette-Grundrissen und einem eigenen Eingang sorgen sie in den meisten Einheiten für ein Wohngefühl fast wie in einem Einfamilienhaus.

Bis zu 3000 Euro hatten die Eigentümer pro Quadratmeter für ihre neuen Wohnungen bezahlt, dafür lieferte Ute Piroeth ihnen eine hochwertige Ausstattung. Highlight sind die umlaufenden Dachterrassen der Penthouse-Wohnungen. Denn von hier aus bietet sich ein wundervoller Blick auf das gesamte Quartier. Aber auch die anderen Wohnungen profitieren von geschickt gesetzten Oberlichtern und die privaten Höfe von der Sonne. Alle Wohnungen werden teilweise mit Lichtbändern beleuchtet, durch Lichtschächte, die sich von der obersten Etage bis zum Erdgeschoss hinunter ziehen.

Mitspracherecht

Da fast alle Einheiten bereits vor Baubeginn verkauft waren, ließen sich die Grundrisse auf die jeweiligen persönlichen Bedürfnisse der Bewohner zuschneiden. So variieren die Grundrisse alle ein wenig voneinander und es entstanden zum Beispiel Bäder mit vorgelagerten Außenbereichen oder aber besondere Treppenräume.

Das Q 21 besticht durch seine Balance zwischen konzeptioneller Raumentwicklung und optimaler Wohnqualität - das Resultat ist gelungen: Das dichte, urbane Nebeneinander von Singles, Paaren und Familien funktioniert.



September 2010

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 096
Baujahr2007
EigentümerPrivat
BauherrHans-Joachim Grunsch (Grunsch Immobilien Consulting GmbH), Düsseldorf
ArchitektUte Piroeth Architektur, Köln und Partner; Planungsbüro Michael Heck, Düsseldorf
Auszeichnungen* Häuser Award 2009, 2. Preis
* Europahouse Award 2009
* Deutscher Bauherrenpreis Neubau 2010
* Deutscher Stadtebaupreis 2010
* Vorbildlicher Bauten in Nordrhein-Westfalen 2010
Fotos vonLioba Schneider; Caroline Sieg
Projektpate(n)Grunsch