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OGTS Kapitelstraße

Durch den Erweiterungsbau findet das Schulgelände seinen klar formulierten Abschluss. Unter formalem Bezug auf die denkmalgeschützten Altbauten wurde einen zweigeschossigen giebelständigen Neubau im Süden des Schulgeländes, platziert.


Forschung & Bildung

OGTS Kapitelstraße


Kapitelstraße 24-26
51103 Köln
Kalk

Unweit der Kalker Post, in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich die ehemals von der Chemischen Fabrik Kalk bestandene Konversionsfläche als neues kommerzielles Zentrum des Stadtteils geriert, findet sich das „eigentliche“, das „typische“ Kalk: Geschlossene Blöcke – die meisten von ihnen sind in der Nachkriegszeit entstanden – rahmen Quartiersstraßen, die zu kleinen, baumbestandenen Plätzen leiten. Nur selten findet sich ein Solitärbau, wie etwa die Kirche St. Joseph, die sich – wenn auch freigestellt – dennoch angenehm dicht umbaut in das Gefüge der Stadt einfügt. Auf das Portal der in ungewöhnlicher Nord-Süd-Ausrichtung errichteten Kirche führt die Josephskirchstraße, die im Süden auf die Kapitelstraße trifft.

Auch hier, in der Kapitelstraße, bestätigt die Ausnahme der aufgelockerten Bebauung des Schulgeländes die Regel der geschlossenen Blöcke. In den Jahren 1956 bis 1958 errichtete der Architekt Walter Ruoff ein Schulensemble aus einer Sporthalle und Zeilenbauten, die den nordwestlichen Rand eines Blocks besetzen und diesen somit zur Straße hin auflockern. Ein gedeckter, teils zu den Schulhöfen offener Verbindungsgang verbindet die Bauten des Ensembles miteinander, das durch spätere Erweiterungen verunklärt wurde.

Im Süden schließt nun an die Bauten aus den fünfziger Jahren ein Neubau des Büros römer partner an, der die Schule um Betreuungsräume und die Küche einer Offenen Ganztagsschule (OGTS) erweitert. Aus der Situierung als dritter Baustein in der Abfolge einer Taktung parallel gestellter Zeilenbauten und in dem äußeren Zuschnitt des Baukörpers, der wie die Altbauten mit einem Satteldach gedeckt ist, spricht die Anlehnung an die Bauten Ruoffs. Allerdings sind diese mit drei Geschossen höher als die Erweiterung, das leicht abfallende Gelände betont die Höhendifferenz zusätzlich. Und auch in der Materialität spricht der Neubau eine eigene Sprache. Dessen grauer Klinker setzt das Gebäude bewusst gegen die Häuser seiner Umgebung ab, wenngleich die liegenden Fenstereinschnitte gestalterisch auf die Bandfenster der Altbauten verweisen.

Das Schulgelände ist zu den angrenzenden Straßen und zu einem kleinen Park im Süden mit Zäunen umfriedet. Von der Kapitelstraße aus eröffnet sich ein Zugang durch den Altbau, der in den gedeckten Gang und von dort aus zu den internen Höfen führt. An dessen südlichem Ende zweigt der Weg zum Erweiterungsbau ab. Da zum Betreten dieses Weges eine bauliche Schranke, nämlich eine Tür in der verglasten Westseite des Gangs, überwunden werden muss, ist der Neubau dem Ensemble leicht entrückt. Die sinnvolle Erweiterung der Schulbauten, die im Lageplan lesbar ist, büßt durch dieses Detail an Stärke ein. Darüber hinaus verstärkt eine durch den Niveauunterschied notwendige Treppen- beziehungsweise Rampenanlage den „Absatz“ zusätzlich.

Die Außenfassade ist von grauem Klinker dominiert, die einfache Form des Baukörpers wird durch ein metallgedecktes Satteldach betont. Größere und kleinere, mal hohe, mal niedrige Fenstereinschnitte gliedern die Fassade. Die hinsichtlich eines nach außen hin als Ziegelbau auftretenden Hauses wenig materialgerecht wirkenden Fensterbänder rufen eine Dissonanz zwischen Materialität und formaler Behandlung hervor, die sich erst im Inneren klärt: Dort nämlich ist der Stahlbeton, aus dem der Rohbau errichtet wurde, an mehreren Stellen sichtbar belassen worden.

Auf dem Niveau des Eingangs ist durch Pflasterung ein kleiner Vorplatz definiert, südlich schließt – von dem Platz durch eine Wandscheibe getrennt – eine Tartanbahn an, die von den Kindern zum Spielen genutzt werden kann. Der daran angrenzende Park und die Wiesenfläche zwischen Alt- und Neubau der Schule betten letzteren am Übergang vom Schulbezirk zur außerhalb liegenden Quartiersbebauung in ausgedehntes Grün ein. Durch den Erweiterungsbau findet das Schulgelände seinen klar formulierten Abschluss im Süden, während es im Westen durch die Giebelstellung seiner Gebäude zur Josephskirchstraße eine Öffnung andeutet, die vom umfriedenden Zaun konterkariert wird.
Im Inneren der Schule finden sich drei Betreuungsräume, eine Küche und zwei Büros. Eines der Büros und die Küche sind im Erdgeschoss an der nördlichen Gebäudelängsseite untergebracht, westlich schließt zur Giebelseite hin einer der Betreuungsraum an. Die beiden weiteren Betreuungsräume und das zweite Büro finden sich im Obergeschoss. Alle Räume des Erd- und Obergeschosses werden jeweils über einen Flur entlang der südlichen Gebäudeseite erschlossen. Eine zweiläufige Treppe in unmittelbarer Nähe des Eingangs verbindet die Etagen miteinander.

Der Materialkanon, der sich im Äußeren hauptsächlich auf den Klinker der Fassadenflächen und das Metall von Dach und Fensterprofilen beschränkt, erweitert sich im Inneren. So sind die Böden der Erschließungsbereiche mit dunklen Werksteinplatten belegt. Die Wände zeigen dort den sichtbar belassenen Beton des Rohbaus, der eine farbige Lasur erhalten hat, oder aber sie sind mit Klinker verkleidet und wiederholen damit das Motiv der äußeren Fassaden. In den Obergeschossen zeichnen die Gipskartonplatten der Abhangdecken die Schräge des Daches nach. Im Verbund mit der Farbe des Buchenholzes, das bei den Türen und den Rahmen der tiefen Fensterlaibungen Anwendung gefunden hat, reicht die Farbpalette von dunklen Tönen bis zu lichtem Orange und Weiß.

In den Betreuungsräumen dominieren helle Farben. Gegen das Weiß der Wände hebt sich dort das orangefarbene Linoleum des Bodens ab. Die niedrigen Brüstungshöhen, die im Äußeren durch das hohe Format der Fenster die Lage der Betreuungsräume markieren, während die Flure durch niedrige, langgestreckte Fensterstreifen ihr Licht erhalten, stellen hier eine ausreichende Belichtung sicher.

Rainer Schützeichel
September 2009

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 093
Baujahr2006-2007
EigentümerGemeinschaftsgrundschule und Katholische Grundschule Kapitelstraße
BauherrGebäudewirtschaft der Stadt Köln
Architektrömer partner architektur, Köln (bis 30.07.2007 Oxen + Römer und Partner)
Fotos vonrömer partner architektur
ProjektpateGIMA Girnghuber GmbH, Marklkofen Fassaden-Klinker