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Bürogebäude an St. Kunibert

Eine Stadtkirche wie St. Kunibert fürchtet keine Nähe - solange der Blick vom Rhein auf den Chor frei bleibt.
Fotograf: Rainer Mader



Verwaltung & Büro

Bürogebäude an St. Kunibert


Konrad-Adenauer-Ufer 21 + 23
50668 Köln
Innenstadt

Sankt Kunibert ist eine typische immer schon eng umbaute Stadtkirche. Bauliche Nähe ist also weitgehend unbedenklich. Alle weiteren Gestaltungsmerkmale wie Proportion, Materialauswahl, Farbigkeit sind mit großer Sensibilität zu behandeln, wenn Neubau und kulturelles Erbe harmonieren sollen. Das Bürogebäude an St. Kunibert von van den Valentyn Architektur wird diesem Anspruch durchaus gerecht und fügt sich mit nobler Hülle und gravitätischer Kubatur souverän in die Bebauung am Konrad-Adenauer-Ufer ein. Dies dürfte auch ganz im Sinne der UNESCO sein, die ein wachsames Auge auf das Rheinufer hält, damit der Dom weiterhin das Leitmotiv im Stadtbild bleibt und nicht von potentiellen neuen Nachbarn in den Schatten gestellt wird.

Nach dem Abriss von zwei Bürogebäuden aus den 60er und 80er Jahren wurde entschieden, das 80 m mal 50 m große Grundstück mit einem einzigen homogen gestalteten sechsgeschossigen Baukörper zu besetzen. Dieser nimmt in Höhe und Proportion die Maßgaben seiner südlichen Nachbarn auf, die unter dem Namen Rheintriadem eine bislang etwas unausgewogene Reihe darstellten. Das neue Bürogebäude von van den Valentyn bildet den nördlichen Abschluss dieser unmittelbar an die Rheinuferstraße grenzenden Bebauung. Daran anschließend steht St. Kunibert mit dem Chor zum Rhein gewandt zurückversetzt hinter einer öffentlichen Grünfläche, so dass der Neubau zwei Schauseiten präsentieren kann.

Die Fassade erzeugt durch die dichte Staffelung der mit Römischem Travertin Classico verkleideten Lisenen im Wechsel mit niedrigen Brüstungselementen aus Dorfer Grün (Chlorid-Schiefer) ein strenges Bild und kommuniziert nach Außen vorrangig Souveränität und traditionelle Werte. Wäre da nicht dieser leichte Schwung in den langen Gebäudekanten, der die Uferkante aufnimmt, die gerundeten Ecken der Lisenen und des Baukörpers, man könnte denken, das Gebäude stamme aus einer anderen Zeit. So aber zitiert van den Valentyn die klassische Eleganz der Banken- und Versicherungsbauten aus den 20er- und 50er Jahren mit einem ganz leichten Augenzwinkern und bekennt sich mit dieser dezent amorphen Form zum Baujahr 2009. Technische Aufbauten und konstruktive Details sind jedoch so sorgfältig verborgen, dass man beinahe schon wieder zweifeln könnte.

Die Betonung der vorgezogenen Lisenen lässt die Lochfassade in der Schrägansicht beinahe geschlossen wirken, ein Eindruck, der - sieht man von Innen nach Außen - nicht bestätigt wird. Die schmal-hohen Kastenfester haben eine außen liegende Prallscheibe als Schallschutz. Auch wenn dies nur auf der dem stark befahrenen Konrad-Adenauer-Ufer zugewandten Seite notwendig gewesen wäre, wurde die Fassade umlaufend einheitlich gestaltet. Zwischen dem öffenbaren Innenflügel und der Prallscheibe ließ sich zudem noch dezent der Blend- und Sonnenschutz integrieren. Die 50 cm hohen Brüstungselemente der Lochfassade erlauben auch vom Schreibtisch aus den Blick aus dem Fenster.

Das große Volumen des Baukörpers wird durch zwei Atrien im Inneren geöffnet. Die hier verwandte raumhohe Pfosten-Riegel-Fassade lässt im Gebäudeinneren eine überraschende Transparenz zu. Durchblicke und Einsichten, sogar der Anblick des außen liegenden textilen Sonnenschutzes und der Beleuchtungselemente sind durchaus erwünscht.

Jeweils ein markant in den strengen Fassadenrhythmus eingeschnittener verglaster Eingang öffnet das Gebäude auf der dem Rhein und auf der St. Kunibert zugewandten Seite, so dass, wie es jetzt der Fall ist, zwei Mieter das Gebäude nach außen hin unabhängig von einander mit eigener Adresse nutzen können.
Die Außentreppen aus Dorfer Grün gleichen den Niveauunterschied des zum Rhein etwas abfallenden Grundstücks aus und führen in die dadurch leicht erhöht liegenden zweigeschossigen Eingangshallen. Auch hier wird Dorfer Grün in großformatigen Platten als Bodenbelag eingesetzt. An den Wänden findet sich der ebenfalls aus der Fassade bereits bekannte Travertin Classico wieder, im Wechsel dazu werden Paneele aus Schweizer Birnbaumholz eingesetzt. Weiter als in diese hochwertig ausgestatteten Foyers werden externe Besucher aus Sicherheitsgründen nicht kommen. Doch in dem vom Konrad-Adenauer-Ufer aus erschlossenen Ost-Foyer wird mit der überraschenden Transparenz des Gebäudeinneren gespielt und der Blick in das südliche Atrium möglich. Das Foyer auf der Sankt Kunibert zugewandten Seite grenzt an den großen Konferenzraum, der sich im Erdgeschoss unter dem nördlichen Innenhof befindet.

Beide Atrien sind begrünt, dienen aber vorrangig der Erschließung und nicht dem Aufenthalt. Ein dritter wesentlich bescheidenerer Eingang befindet sich in der Kunibertsgasse, hierüber erfolgt die Erschließung der Gastronomie im Erdgeschoss und die Anlieferung des Gebäudes. Im gesamten Gebäude befinden sich auf rund 15.000 qm Bürofläche ca. 500 Arbeitsplätze, die durch die Konstruktion und Lage der Fenster weitgehend natürlich belichtet und belüftet werden können. Die Etagen eins bis vier können von den Nutzern individuell organisiert werden, da es keine notwendigen Flure oder zwingenden Raumgrößen gibt, die die Grundrisse vorbestimmen würden. So könnte auch alternativ zur derzeitigen Situation jede Etage von bis zu fünf von einander unabhängigen Mietern genutzt werden. Die Treppenhäuser und Doppelaufzuganlage, sowie die Teeküchen und Sanitärräume befinden sich im Gebäudeinneren. Die Treppenhäuser liegen an der Fassade der Atrien, sind dort jedoch nicht besonders gekennzeichnet. Durchgängiges Merkmal der Nebenräume ist der Naturstein-Bodenbelag in Jura Gelb.

Das fünfte Obergeschoss ist als Staffelgeschoss ausgebildet. Der strenge vertikale Fassadenrhythmus wird auch hier übernommen, man verzichtete jedoch auf die Brüstungselemente zugunsten raumhoher Fensterelemente. An der Nord- und Ostseite wird die Fassade wie im Erdgeschoss geöffnet und großflächig verglast. Die dahinter liegenden Konferenzräume – auch Sky-Lounges genannt – profitieren von den eindruckvoll inszenierten Ausblicken auf den Rhein bzw. auf St. Kunibert. Vor den Sky-Lounges befindet sich eine gläserne Brüstung, so dass der Rücksprung des Staffelgeschosses als Dachterrasse genutzt werden kann.
Die beiden Untergeschosse nehmen eine Tiefgarage mit 130 Plätzen, die von der Machabäerstraße aus angefahren wird, sowie hochwertig ausgestattete Fitnessräume auf.

Als „oszillierend zwischen sprechender Architektur und strengem Schweigen“ beschreiben die Architekten die Wirkung der sehr beherrschten und prägnanten Fassadengestaltung. Deren „souveräne Zurückhaltung und klassische Eleganz“ erscheint bekannt, am Hohenzollernring sieht man ähnliches, das jedoch mehr als ein halbes Jahrhundert älter ist, und auch in van den Valentyns Werk wiederholt sich das Fassadenmotiv bei der T-Home Zentrale in Bonn. Kein Zufall, denn „man muss die Architektur nicht immer wieder neu erfinden“ sagt Thomas van den Valentyn - eine diesem Bauherrn und diesem Standort durchaus angemessene Haltung.

Beim Deutschen Natursteinpreis 2009 bekamen Van den Valentyn Architektur für das Gebäude eine Lobende Erwähnung.


[i]Uta Winterhager
Juni 2009[/i]

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 090
Baujahr2006-2009
EigentümerAXA Investment Managers Deutschland GmbH
BauherrAXA Investment Managers Deutschland GmbH
Architektvan den Valentyn Architektur
Fotos vonRainer Mader; Pläne: van den Valentyn Architektur
ProjektpateAXA Investment Managers Deutschland GmbH
 

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