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Hochwasserpumpwerk Schönhauserstraße

Ein Zeichen am Rhein: Das Pumpwerk an der Schönhauser Straße bei Nacht. Ein sinnfälliges Beleuchtungskonzept wurde in die Fassade integriert. Der Einsatz von LEDs macht es möglich, die Farbe der Beleuchtung stufenlos zu variieren und unterschiedliche Pegelständen des Flusses verschiedenen Farben zugeordnet: von sanften Blau bis hin zu einem alarmierenden Rot.
Foto: Stefan Schilling



Technische Bauten

Hochwasserpumpwerk Schönhauserstraße


Schönhauserstraße
50968 Köln
Bayenthal

Wasser in einer Stadt ist ein Element, das für Attraktivität sorgen kann. Flüsse, Seen oder gar das Meer bilden Uferkanten, die der Stadt die Möglichkeit einer Schaufassade und einer Promenade an der Wasserkante einräumen. So entstehen oftmals hoch attraktive Wohn- und Geschäftslagen mit anspruchsvollen Architekturen. Wichtiger für eine Stadt ist aber der Freizeitwert dieser Zonen: Spaziergänge, Dauerläufe, Ausflüge mit Boote oder Picknicke am Ufer.

Mit dem Rhein fließt der zweitgrößte Strom Europas durch Köln. Das Stapelrecht hatte einst dazu beigetragen, das die Stadt zu erquicklichem Reichtum kam und es sich leisten konnte, diesem Wohlstand in entsprechend repräsentativen Bauten Ausdruck zu verleihen. In Mythen wird über eine Ableitung des für Köln elementaren „Alaaf“ aus der Aufforderung „all Aaflade“ – alles ab(laden) – und die entsprechende Handbewegung berichtet, der Schmuggel über den Landweg um die Stadt und das damit erzwungene Abladen herum gab dem nahen Opladen – aufladen – seinen Namen: Hier wurden die am Kölner Stapel vorbeigeschleusten Waren wieder auf Schiffe geladen.

Das Bild Kölns ist maßgeblich durch den Fluss und das Panorama der Stadtsilhouette vom Ufer aus gesehen geprägt. Seit dem Mittelalter finden sich Stiche, Gemälde und Fotografien, an denen sich die Entwicklung der Stadt außergewöhnlich gut nachvollziehen lässt. Nahezu immer vom gleichen Standpunkt aus zeigen sie die Uferbebauung und die sich dahinter erhebende Stadt.

Doch Wasser bedeutet auch stets Gefahr. Hochwasser, Überschwemmungen und Sturmfluten sind den Menschen am Wasser seit jeher Begleiter. Man schätzt das Wasser, aber man darf es nicht unterschätzen. So auch in Köln. Im letzten Jahrhundert stieg der Rhein 21-mal über die Neun-Meter-Marke. Gleich dreimal wurde dabei von einem „Jahrhunderthochwasser“ gesprochen: 1926, 1993 und 1995. Teile der Altstadt und der südlichen Stadtteile standen damals unter Wasser. Danach beschloss man, den Hochwasserschutz der Stadt zu verbessern. Schutzwälle wurden errichtet und der Neubau zu ersetzender Pumpwerke wurde anvisiert. Diese neuen Pumpwerke sollen mit einer höheren Leistungsfähigkeit dafür sorgen, dass Köln auch bei maximalem Wasserstand und starken Niederschlägen nicht überflutet wird.

Dabei spielen für weite Teile der Stadt vor allem das geklärte Abwasser und die Regefälle eine entscheidende Rolle. Steigt der Rheinpegel, drückt das Wasser des Flusses durch die Entwässerungskanäle unter den Straßen in die Stadt hinein. Das Abwasser kann in solchen Fällen nicht ablaufen, es kommt zu Rückstauungen und so zu Überschwemmungen. Damit das Wasser nun gar nicht erst bis in die Stadt hinein kommt werden die Entwässerungsleitungen mit Schotten verriegelt, was jedoch dazu führt, dass Abwässer und Niederschläge ebenso wenig aus der Stadt abfließen können. Die Pumpwerke sind nun dafür zuständige, diese Wassermengen aus der Stadt hinaus, über die Hochwasserschutzanlagen hinweg in den Fluss zu pumpen. Dabei sind in einem Szenario des schlimmsten anzunehmenden Falls immense Pumpleistungen nötig. Diese Leistungen konnten von den bisherigen Pumpwerken jedoch nicht erbracht werden, was den Neubau von vier Pumpstationen entlang des Rheins nötig machte.

Die Stadtentwässerungsbetriebe (STEB) haben in diesem erzwungenen Wandel die Chancen richtig erkannt und für die Neubauten Architektenwettbewerbe ausgelobt. Das erste Verfahren für das südlichste Pumpwerk konnten Kasper Kraemer Architekten für sich entscheiden. Als südlichster Punkt des Rheinauhafens sollte das neue Pumpwerk einen architektonisch ansprechenden Auftakt für das städtebauliche Prestigeobjekt zwischen Süd- und Severinsbrücke bilden. Dabei ist es den Architekten souverän gelungen, die nötigen Anforderungen dieser technoiden Typologie in ein elegantes Bauwerk zu übersetzen. Von Seiten der STEB gab es ein klares Anforderungsprofil für den benötigten Raum. So galt es sechs Pumpen entsprechend baulich zu fassen. Abstandsflächen zwischen den einzelnen Pumpen und Raumhöhen waren dabei genauestens festgelegt – die Kubatur des künftigen Baus scheinbar ebenso festgezurrt.

Ein Volumen von 29,15 Metern Länge, 17,50 Meter Breite und 13,90 Meter Höhe war unumgänglicher Ausgangspunkt der Planungen. Das Team um Kasper Kraemer hat diesen Baukörper in einer Erdwelle vergraben, die sich nun sanft parallel zum Flusslauf erhebt. Begrünt bildet dieser Geländeschwung den Startpunkt für einen Grünstreifen von der Stadtbahnhaltestelle Schönhauser Straße unter der Südbrücke hinweg bis zum Kinderspielspielplatz südlich der anderen Neubauprojekte des Rheinauhafens. Zum Rhein und zur Stadtbahnhaltestelle ist die Erdwelle mit Basaltstein abgefangen. Damit greifen die Planer das typische Material der Kölner Uferbefestigungen auf. Mit diesen beiden Schachzügen ist es den Architekten gelungen, das Gebäudevolumen von rund 7.000 Kubikmetern Rauminhalt sehr selbstverständlich am Ort zu verwurzeln.

Offensichtlichstes Indiz für ein Bauwerk ist einzig die schwarzgraue Box, die elegant aus der Mitte gerückt wurde und über die rheinseitige Basaltböschung des Sockels hinausragt. Mit Abmessungen von 15,80 Meter Breite, 18,20 Meter Länge und 6,00 Meter Höhe nimmt sich dieser oberirdische Bauteil des Pumpwerks im Gegensatz des Tiefbaus deutlich kleiner aus. Zwei Drittel der Baumasse liegen damit unter der Erde. Doch auch für diesen Teil des Projektes galten explizite Auflagen für die Architekten. Ein Rechnerraum, von dem aus die Pumpen gesteuert werden, ein Raum für ein Notstromaggregat, das die Stromversorgung und damit die Arbeitserfüllung des Baus zu jeder Zeit sicherstellt sowie eine Nasszelle für das Personal waren hier unterzubringen.

Die Summe der technischen Einrichtungen sorgt in der Fassadenabwicklung für ein wahres Wirrwarr an unterschiedlich großen und in jeder denkbaren Höhe durch die Fassade stoßenden Wandöffnungen – Abluft, Zuluft, mehrere Türen und Fenster. Um diese Heterogenität zu homogenisieren wurde der Betonkubus rundum mit einer zweiten Hülle aus Stahlgittern versehen – auch das Dach, die sogenannte „fünfte Fassade“. Diese, im Abstand von 90 Zentimetern aufgebrachte zweite Bekleidung gibt dem Bau tagsüber ein einheitliches Äußeres, dass sich in seiner Gesamtheit unprätentiös zurücknimmt.

Neben der beruhigenden Wirkung für das Äußere des Baus dient die zweite Haut aus Stahlgittern auch als passiver Schutz gegen Vandalismus. Zudem sind in dieser Hülle Leuchtdioden eingelassen, die dem Gebäude mit Einbruch der Dämmerung einen besonderen Reiz verleihen. Sie strahlen den Betonbaukörper an, so dass der gesamte Bau zu leuchten scheint. Diese indirekte Beleuchtung wird mittels Sensoren aktiviert, die zu jeder Jahreszeit dafür sorgen, dass das Gebäude stets mit Beginn der Dämmerung sein Inneres in abstrahierter Form Preis gibt.

Typus und Topos

Der Einsatz der LEDs macht es möglich, die Farbe der Beleuchtung stufenlos zu variieren. Und so haben Kasper Kraemer Architekten den unterschiedlichen Pegelständen des Flusses verschiedenen Farben zugeordnet: Bei Normalpegel erstrahlt der Bau in einem sanften Blau. Über grün und gelb verändert sich die Farbe der kleinen Architektur bis hin zu einem alarmierenden Rot, das für die Bedrohung durch Hochwasser steht. Zu besonderen Anlässen ist es zudem möglich, den Bau entsprechend anders zu illuminieren. Durch diese nächtliche Farbgebung mittels indirekter Beleuchtung durch LEDs ist es gelungen, die rein geometrische Box auf dem Erdwall zu beleben. Der Bau vermittelt seine Funktion in einer adäquat transformierten Art und Weise. Der Pegelstand des Flusses, der das Pumpwerk ab einer bestimmten Höhe notwendig für die Stadt macht, ist für das Erscheinungsbild des Bauwerks grundsätzlich mitverantwortlich. So verquicken sich hier Form und Funktion zu einem reizvollen und stimmigen Ganzen.

In diesem Zusammenspiel aus innerer Aufgabe und äußerer Wirkung sowie dem Zurücktreten des Typus Pumpwerk vor Topos Rhein liegen die Stärken des Entwurfs. In einer Zeit, in der der Stadtraum von einer unsäglichen Vielzahl von Infrastrukturen, Stadtmobiliar, Werbetafeln und vielen anderen optischen Reizen überfrachtet ist, haben die Architekten mit diesem Bau die technischen Anforderungen mit gestalterischen Idealen übereingebracht. Wer sich seine Umwelt bewusst ansieht wird merken, dass dies viel zu selten der Fall ist – vor allem bei Bauten, die rein technischer Natur sind. Und so ist es den Planern hoch anzurechnen, dass sie auch die Kölner Verkehrsbetriebe überzeugen konnten, die unmittelbar an das Pumpwerk angrenzende Stadtbahnhaltestelle neu zu gestalten. Im Zusammenspiel ist dies ein echter Gewinn für den südlichen Abschluss des Rheinauhafens.

David Kasparek
Mai 2009


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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 089
Baujahr2005 - 2008
EigentümerStadtentwässerungsbetriebe Köln, AöR
BauherrStadtentwässerungsbetriebe AöR, Köln
ArchitektKaspar Kraemer Architekten BDA, Köln
Fotos vonStefan Schilling; Graphiken: Kaspar Kraemer Architekten BDA
Projektpate(n)Stadtentwässerungsbetriebe Köln, AöR