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KOLUMBA

Außen ein monolithischer fast abweisender Baukörper erschließen sich dem Besucher im Inneren klare Räume und Durchgänge von fast karger Eleganz.
Foto: Hélène Binet



Kunst & Kultur

KOLUMBA


Kolumbastraße 4
50667 Köln
Innenstadt

Peter Zumthor wird ein neues Diözesanmuseum bauen, in dem sich das Sammlungs- und Ausstellungskonzept, mittelalterliche und zeitgenössische Kunst in eine spannungsreiche Beziehung zu setzen, verwirklichen läßt. Kolumba, das "Museum der Nachdenklichkeit", soll Kunst und Architektur verbinden.

Kontinuierliches Wachstum durch gezielte Ankäufe und Schenkungen sakraler Plastik oder Malerei sprengen die räumlichen Möglichkeiten des Erzbischöflichen Diözesanmuseums am Roncalliplatz. Deshalb entschloss man sich 1974, neu zu bauen, und diskutierte als Standort seit Mitte der 1990er Jahre eins der letzten Trümmergelände Kölns, St. Kolumba.

Die ursprünglich romanische, spätgotisch erweiterte Kirche St.Kolumba, war die traditionsreichste und größte Pfarrgemeine der mittelalterlichen Stadt. 1945 von Bomben getroffen und bis auf die Umfassungsmauern zerstört, überstand lediglich eine Kalkstein-Madonna die Angriffe unbeschadet. Gottfried Böhm errichtete 1950 für das gerettete Marienbild die Sakramentskapelle "Madonna in den Trümmern". Unmittelbar dahinter liegt ein Ausgrabungsgelände, auf dem archäologische Spuren von 2.000 Jahren europäischer Baugeschichte zu finden sind: gotische, romanische, merowingische, römische.

Dialog der Kunst mit dem Ort
Diese Bestandteile und Fragmente vorhandener Architektur zu respektieren und einzubeziehen war eine der wesentlichen Aufgabenstellungen des seit 1993 vorbereiteten Wettbewerbs, als dessen erster Preisträger unter 167 Einsendungen im Juni 1997 der Schweizer Architekt Peter Zumthor hervorging. Die Jury unter Vorsitz von Max Bächer urteilte: "In besonderer Weise gelingt es der Arbeit, die integrative Absicht des Auslobers umzusetzen und sowohl die Kapelle als auch die Boden- und Baudenkmale der Kolumba-Kirche in einem Gebäude gleichwertig zu verbinden."

Das neue Erzbischöfliche Diözesanmuseum ist, auch wenn es von der katholischen Kirche finanziert wird, ein Kunstmuseum, das sich nicht nur christlicher Kunst widmet. Joachim M. Plotzek, seit 1990 Direktor des Museums, "will ein Museum der Nachdenklichkeit und des intensiven Dialogs zwischen Kunst und den Anliegen der Kirche".

Der Neubau birgt eine doppelte Chance: Neben dem Gewinn für das Museum und der Neupräsentation der Bestände wird auch das Stadtkarree zwischen der Konsummeile Hohestraße, Opernhaus und Nordsüdfahrt revitalisiert werden.

starke Akzente

Ab und zu bieten einzelne Räume kontrastreiche Akzente: Das Armarium (lat. Wandschrank zur Aufnahme liturgischer Geräte und Paramente ) zum Beispiel ist ganz in schwarzem Samt ausgekleidet und vereint unter anderem den erhaltenen Kirchenschatz von St. Kolumba. Oder aber das Lesezimmer, das durch seine stark gemaserte Holzvertäfelung einen ganz eigenen Charakter besitzt. „Der Besucher soll animiert werden, in den Räumen zu verweilen“, konnte man 1996 in der Ausschreibung zum Wettbewerb lesen. Heute beschäftigen sich die Besucher dort lesend mit der Ausstellung oder lassen einfach nur ihren Blick aus dem raumhohen Fenster schweifen.

leichtes Licht

Wie im Lesezimmer prägt Seiten- und Seitenoberlicht von verschiedenen Himmelsrichtungen die Stimmung der meisten Ausstellungsräume. Auf die klassische Museumsdecke, mit Tageslicht oder Lichtdecke, verzichtete Zumthor und wählte stattdessen eine lebendige Lichtsituation, die je nach Tages- oder Jahreszeit Kolumba in ein „Licht- und Schattenmuseum“ verwandelt. So besitzen die siebzehn Ausstellungsräume durch ihre Lichtsituationen, Größe und Proportionen unterschiedlichste Qualitäten – trotz der grauen Farbigkeit.

Passend zur Licht- und Schattenthematik hat Peter Zumthor bereits 2005 ein Buch verfasst: Wie viel Licht braucht ein Mensch, um leben zu können und wie viel Dunkelheit? Er erklärt: „Im Moment wird alles immer mehr beleuchtet und beleuchtet und beleuchtet. Mit einem Mal müssen wir wieder ein Gefühl bekommen für die Langsamkeit und die Ruhe und das ist das Gleiche beim Licht und der Dunkelheit.“ (Architecture Review, 002/2008/3)

schlichte Ruhezone

Es war ein Alleinstellungsmerkmal des Entwurfes von Peter Zumthor, den ehemaligen Kolumbakirchhof nicht zu bebauen. An der Stelle des verlorenen mittelalterlichen Friedhofes entstand ein Museumshof mit Blick auf die Nordwand der Ruine. Reduziert, wie das gesamte Museum, mit grauen Kieseln, elf Gleditschien (Christusdorn) und der „Großen Liegenden“ des Schweizer Bildhauers Hans Josephsohn, strahlt dieser Ort eine unglaubliche Kraft und Ruhe aus.

Ausgrabung und Kapelle

Der wohl schönste und – wenn man die Besucher beim Eintreten belauscht - beeindruckendste Raum ist die mit einer 900 Quadratmeter großen und 12 Meter hohe Halle überbaute Ausgrabung. Als Erinnerungslandschaft birgt diese römische, romanische und gotische Fundamente, die Ruine der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche St. Kolumba sowie die in ihrer Funktion selbstständige Kapelle „Madonna in den Trümmern“ von Gottfried Böhm, die er 1949/50 für eine vom Krieg nicht versehrte Marienfigur errichtet hat.

Um wie im Wettbewerb gewünscht, Frischluft in den Großraum zu lassen und dadurch die charakteristische archäologische Zone dem Außenklima auszusetzen kreierte Zumthor - in zahlreichen 1:1 Modellen erprobt – das so genannte Filtermauerwerk. Es bringt Luft in den Raum und bildet als Lichtmosaik das wohl schönste Kunstwerk im Museum.

Etwas seltsam und unpassend wirkt allerdings der rote, Zickzack-Holzsteg, auf dem der Besucher über die Ausgrabungen läuft. Man fragt sich, warum Peter Zumthor gerade diese Form und Farbe gewählt hat …

Kolumba: ein Ort der Stille, des Nachdenkens, der Langsamkeit.
Peter Zumthor: ein Architekt der Klarheit, der Bedächtigkeit, oft als „Architekt der Langsamkeit“ bezeichnet.
Zwei wie füreinander geschaffen?

vorbildhafter Wettbewerb

Wenn man jetzt im Nachhinein den Ausschreibungstext des Wettbwerbes liest, könnte man das fast meinen: "Wir wünschen uns ein lebendes Museum bezogen auf die Realität und die Würde des Vorhandenen, eine raumschaffende Architektur, zurückhaltende und langlebige Materialien, ein Minimum an Technik, Einfachheit und Funktionalität im Detail, eine sorgfältige und materialgerechte Ausführung, einen selbstverständlichen Ort für die Menschen und die Kunst."

Dieser Wettbewerb wurde nach mehrjähriger Vorbereitung, die Überlegungen für einen Neubau begleiteten das Erzbistum Köln schon seit 1972, Ende1996 ausgelobt, offen für Teilnehmer aus dem Gebiet Köln sowie sieben ausgewählte Architekten.

Museumskurator Stefan Kraus beschreibt in seinem Beitrag "Über (Um)Wege zum Wettbewerb", wie die Verantwortlichen sich eine Vorstellung von ihrem Museum gemacht haben. Ihnen sei bewusst gewesen, dass "der Museumsbau zum Paradestück der zeitgenössischen Architektur" geworden sei, und "Paradestücke" wurden im Vorfeld natürlich angesehen. Sie besuchten Architektur-Kolloquien, befragten namhafte Künstler, "welche Eigenschaften braucht eine Architektur, brauchen Räume für Kunst?".

Welch spezieller, vorbildhafter Bauherr, ohne den Kolumba sicherlich auch nicht so geworden wäre, wie man sie heute bewundern kann!



Natalie Bräuninger
Mai 2008

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 087
Baujahr2007
EigentümerErzbistum Köln
BauherrErzbistum Köln
ArchitektPeter Zumthor
Fotos vonHélène Binet; Thomas Hebler; Pläne: Büro Peter Zumthor
Besichtigungtäglich außer dienstags 12-17 Uhr
Projektpate(n)Csecure AG, Köln