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DKV-Plus/H2

Auf einem langrechteckigen Grundstück nordwestlich des Altbaus gruppieren sich drei heterogene Baukörper um eine zentrale Achse.
Foto: Stefan Schilling



Verwaltung & Büro

DKV-Plus/H2


Scheidtweilerstraße/ Melatengürtel
50933 Köln
Ehrenfeld

Ein strukturalistisches Zeugnis der späten sechziger Jahre markiert in differenzierter Höhenentwicklung die Kreuzung von Aachener Straße und Melatengürtel: Die von 1967 bis 1970 von Prof. Kraemer-Pfennig-Sieverts Architekten, dem späteren Büro KSP errichtete Hauptverwaltung der Deutschen Krankenversicherung AG (DKV), noch heute Sitz des Unternehmens. Das als Großraumbüro konzipierte, aus sieben polygonalen Turmelementen bestehende Gebäudeensemble beherbergt insgesamt 2.600 Arbeitsplätze auf bis zu 7.000 Quadratmeter (BGF) großen Büroetagen. Im Laufe der Jahre wurden – trotz des umfangreichen Platzangebots – Erweiterungen nötig, so dass beispielsweise der höchste Turm zwischen 1998 und 2001 um eine Konferenzebene im 18. OG aufgestockt wurde.

Zur Zentralisierung mehrerer über das Stadtgebiet verteilter Firmenbereiche am Ort der Hauptverwaltung mussten weitere 1.600 Arbeitsplätze in einem Neubau zur Verfügung gestellt werden. Ein von den Architekten Jan Störmer Partner entworfenes Ensemble dreier Baukörper namens „DKV-Plus/H2“ ergänzt nun seit 2005 die DKV-Zentrale an der Scheidtweilerstraße.

Auf einem langrechteckigen Grundstück nordwestlich des Altbaus gruppieren sich drei heterogene Baukörper um eine zentrale Achse. Im Osten und Westen folgen Riegel auf 190 Metern dem Grundstücksverlauf, deren Höhen sich in einem Dreischritt von fünf auf sieben Geschosse staffeln. Während der Ostriegel im Bereich der Scheidtweilerstraße siebengeschossig ist und in der Tiefe des Grundstücks niedriger wird, vollzieht der Westriegel eine entgegen gesetzte Höhenstaffelung und flacht zur Straße hin auf fünf Geschosse ab. Die Riegel sind untereinander mit niedrigen Querbauteilen verbunden, in denen sich Empfang, Casino respektive Cafeteria sowie Besprechungsräume befinden. Den nordwestlichen Abschluss findet die Baugruppe in einem 14-geschossigen Turm, den die Architekten als Pendant zur Höhendominante des Altbaus verstehen.

Im Zuge der Neubauten für die Versicherung wurde der Anschluss der Scheidtweilerstraße an den Melatengürtel im Osten durch das ebenfalls von Jan Störmer entworfene Hotel Regent neu gefasst. Neben 178 Zimmern bietet dieses in einem angrenzenden Schulungsgebäude Seminar- und Ausbildungsräume für Mitarbeiter der DKV, so dass das Gebäude wohl auch gestalterisch, vor allem aber organisatorisch in die Struktur der Hauptverwaltung eingebunden ist.

Besonders die Heterogenität der Neubauten bezüglich Höhenentwicklung und Materialität wird dem Betrachter bei seiner Annäherung an die Neubauten auffallen – vor allem, wenn er daneben das homogene Fassadenbild des Altbaus zum Vergleich heranzieht. Dort die aufgeregte Komposition, hier die Einheit der Form und des Materials.

Doch diese Vielfalt sei bewusst eingesetzt, um auf die heterogene Struktur des Stadtteils Braunsfeld reagieren zu können. Das Grundstück findet sich am Schnittpunkt von Hauptverkehrsstraßen, gewerblicher Bebauung mit angrenzendem Straßenbahndepot und Wohngebäuden. Die Antwort der Architekten auf diesen Kontext fiel zweiteilig aus: Zum einen reagiere die Höhenstaffelung auf das wenig verbindliche Umfeld, zum anderen spiegele die Materialvielfalt den Charakter der Nachbarschaft.

Die Fassaden der Riegel und des Turms sind zweischalig ausgebildet. Den raumhohen Fenstern des Ostriegels ist eine Glasfassade mit horizontalen Lüftungsschlitzen vorgelagert. Der Turm weist ebenfalls eine Glasfassade auf, die Lüftungsschlitze verlaufen hier jedoch – rot eingefärbt – vertikal entlang der äußeren Glaselemente und geben dem Baukörper durch deren schuppenartige Montage je nach Blickwinkel ein changierendes Fassadenbild. Im Westen schließlich sind „ausgeklappte“ Kastenfenster an der mit Juraplatten bekleideten Fassade angebracht.

Der Besucher betritt den Gebäudekomplex „DKV-Plus/H2“ jenseits des Vorplatzes zwischen Alt- und Neubau über den Empfang im ersten der insgesamt vier Querbauten. Die vom Vorplatz über die Querriegel und Höfe bis zum Turm laufenden Natursteinplatten „Verde Serpentino“ des Bodenbelags leiten ihn zum spitzwinkligen Empfangsmöbel im Foyer. Den Sicherheitsansprüchen der Versicherung ist es jedoch geschuldet, dass er ohne Begleitung nicht über diesen Punkt hinauskommen wird. Das Erdgeschoss mit Casino und Konferenzräumen ist demnach halböffentlicher Bereich, die Büroetagen bleiben den Mitarbeitern vorbehalten.

Die Wandflächen der Erschließungswege im Erdgeschoss sind durchgehend mit Kirschholzpaneelen bekleidet, die der Raumwand des halböffentlichen Bereichs eine einheitliche Prägung geben – was sich im Äußeren aufgeregt gibt, beruhigt sich also im Inneren.
Der Neubau des DKV-Verwaltungsgebäudes diente der räumlichen Konzentration des Unternehmens. Der Altbau mit seinen Großraumbüros stellt weiterhin das signifikante Hauptgebäude dar, in dem die „klassischen“ Versicherungsabteilungen untergebracht sind. Unterstützende Firmenbereiche, wie zum Beispiel Personal- oder Rechtsabteilung, finden in den Neubauten ihren Platz. Ein Fußgängertunnel unterhalb der Scheidtweilerstraße, in der Lichtkunst von Brigitte Kowanz für die nötige Wegeleitung sorgt, gewährt eine direkte Verbindung aller Abteilungen in Alt- und Neubau.

Sieben zentral angeordnete Kerne fassen die Wege- und Infrastrukturen, beispielsweise Bürotechnik und Toiletten, zusammen. Fassadenseitig sind entlang der Kerne Ein- und Zweipersonenbüros sowie Besprechungsräume angeordnet, zwischen ihnen spannen sich Gruppenbüros über die gesamte Gebäudebreite. Diese offenen Bereiche sind aus Schallschutzgründen lediglich mit niedrigen, mobilen Wänden abgetrennt. Die Dachflächen des Ost- und Westriegels erweitern die überdachten Büros um Freiflächen im Äußeren. Sie sind, ebenso wie die Höfe im Erdgeschoss, begrünt und nutzbar.

Das Farbkonzept von „DKV-Plus/H2“ beschränkt sich auf die Farben Rot, Gelb und Blau. Entlang der Wege und Kerne finden sich rote Wandbekleidungen, gelbe Glasscheiben gewähren Einblick in Einzel- oder Gruppenbüros, und blaue Möbel und Bodenbeläge markieren die Teeküchen. Auf ein farblich differenziertes Leitsystem, das beispielsweise den sieben Kernen der Gebäude hätte zugeordnet werden können, wurde verzichtet – ein solches findet sich bereits im Hauptgebäude und weist dort den nicht ganz unkomplizierten Weg innerhalb der Großstruktur.

Das Gebäudekonzept ist auf eine regulierte Schrumpfung ausgelegt: So wäre es möglich, einzelne, durch die Kerne definierte Gebäudeteile separat zu vermieten. Momentan wird diese Option jedoch kaum eingelöst werden, denn 95 Prozent der insgesamt 55.885 Quadratmeter Nutzfläche werden derzeit von der DKV benötigt. Die Reservefläche bleibt vorerst möglichem Wachstum vorbehalten.

Rainer Schützeichel
März 2008

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Objekt-Daten

ObjektnrProjekt# 086
Baujahr2002-2005
EigentümerDKV Deutsche Krankenversicherung AG
BauherrDKV Deutsche Krankenversicherung AG
ArchitektJan Störmer Architekten (seit 2005 Jan Störmer Partner)
Auszeichnungen* 2006 - Kölner Architekturpreis
* 2006 - AIT Plattform Office Architektur: Kategorie „Best Workplace“
Fotos vonStefan Schilling; Heinrich Heidersberger/artur; Grafiken von Jan Störmer Partner