BAUWATCH Impressum Kontakt Sitemap koelnarchitektur.de

Haus der Bilder

Ein Bild von einem Haus in Köln Junkersdorf
Foto: Martin Schneider



Wohnen

Haus der Bilder


Ginsterweg 2
50858 Köln
Junkersdorf

Der Außenseiter

Eine typische Wohnsiedlung in Köln-Junkersdorf: Satteldächer, Vorgärten, Gartenzäune, so wie es sich eben gehört. So langsam wird aber auch der sich vollziehende Generationswechsel sichtbar und man entdeckt zwischen den alten Häuschen ab und zu einen An- oder Neubau. Diese geben der Siedlung einen ganz neuen Charakter - so wie auch das „Haus der Bilder“ von Martin Schneider, das wohl spektakulärste in der gesamten Siedlung. Spaziergänger bleiben davor stehen, schauen, fragen …“sieht aus wie Corbusier …“

Eigentlich hatte der Bauherr überlegt, das alte Gebäude einfach nur aufzustocken, aber nach und nach fand er an einem Neubau Gefallen. Zur Freude zahlreicher Architekturliebhaber, denn dieses Haus ist eine Bereicherung für die Wohnarchitektur unserer Zeit.

Am besten lassen sich die Räume vierdimensional erleben. Aber da es sich um ein privates Wohnhaus handelt, ist dieses Vergnügen nur wenigen Personen möglich. Auf Plänen vermag niemand die Schönheit und Besonderheit des Gebäudes erkennen. So ging es auch dem Preisgericht des Kölner Architekturpreises 2006. Fast schon waren die Jurymitglieder an den Plänen vorbei gegangen ohne auch nur länger darauf zu schauen. Erst als sie sich entschlossen, nach Junkersdorf zu fahren, um sich vor Ort ein Bild zu machen, erkannten sie das Kleinod.

Kölner Architekturpreis 2006

Aus dem Preisgerichtsurteil: „Aus kubischen Körpern gefügt, zeigt sich das Haus in seinen Außenansichten vielgestaltig und zugleich von großer Klarheit: Seinen weißen Wänden geben die bündig eingesetzten Fenster präzise Definition; sie machen die Dimensionen des Hauses in seinen Konturen und in den sorgfältig und spannungsreich proportionierten Flächen erfahrbar. Jede der Ansichten erscheint als graphische Komposition von überzeugender Entschiedenheit.“

Die Farb- und Materialwahl unterstützt die beabsichtigt abstrakte Erscheinung des Bauwerkes, gleich Intarsien liegen die Fenster flächenbündig eingesetzt in der weißen Wand und verwandeln so die Fassaden in Bildwände. Die nicht sichtbare Attika verstärkt den Außeneindruck: Wand und Öffnung – mehr nicht.

Ungewöhnlich ist vielleicht die fast 2 Meter hohe Mauer, die sich um das Grundstück zieht. So bleibt dem Betrachter der Blick in den Vorgarten oder auch den wunderschönen Garten von außen verborgen. So erscheint es verständlich, dass diese Mauer für viele der Anwohner, welche nur Vorgärten und Gartenzäune gewohnt sind, etwas eigenartig war.


In direkter Nachbarschaft:
--> Haus Murges

Haus der Bilder

Der Wunsch des Bauherrn war es, viel Kunst in seinem Wohnhaus auszustellen. Und auch das Gebäude für Vernissagen oder Konzerte zu nutzen. Eine Kombination aus privatem Wohnhaus aber auch öffentlichem Gebäude musste geschaffen werden. Eine Art öffentlicher Raum, der aber trotzdem die Intimität der Familie wahrt, der Lebendigkeit und Ruhe verbindet.

Diese schwierige Aufgabe gelang dem Architekten durch wohl überlegte, subtile Details, durch Raumfolgen- und abgrenzungen, durch Materialien und Farben. Teilweise wurden die Kunstwerke und Skulpturen fast schon in die Räume eingebaut und haben ihren festen Platz, bestimmen den gesamten Raum. An anderen Stellen ist natürlich auch ein Wechsel der Werke möglich.

Ruhige Architektur

Martin Schneider setzt das Konzept des „unsichtbaren Details“ um. Dieses verstärkt die Raumwahrnehmung, das Gebäude wirkt nicht überladen, sondern schlicht, einfach und auf den Punkt gebracht. Es erklärt nicht seinen Ursprung und nicht seine Funktion, es ist einfach da, lässt die einzelnen Bauteile miteinander über Bündigkeit und Proportion in Beziehung treten, und fokussiert die Wahrnehmung ungestört auf den Raum als solches. Somit bildet das Haus den ruhigen Hintergrund für die Lebendigkeit der Nutzer.

Durch- und Ausblicke

Jedes Detail ist überlegt, jede Ecke gestaltet – nicht übertrieben, sondern sehr zurückhaltend. Vorbei an der fast nicht einsehbaren Küche gelangt man in den den Essbereich. Dieser ist offen gestaltet, freundlich, hell, mit Blick in den Garten. Drei Stufen nach unten führen in das Kaminzimmer. Und schon allein durch diese Stufen hat der Raum – obwohl er nicht durch Türen getrennt ist – einen privateren Charakter.

Innenwände werden nach außen weiter geführt, geradlinig, ohne Schrägen. Blicke werden geleitet. Die sorgfältige Position des Ausblickes bestimmt hierbei das Motiv. Überall im Haus verbinden Durch- und Ausblicke die Innenräume mit dem Garten und den Bäumen. So konnte das umfangreiche Raumprogramm mit einer angestrebten Großzügigkeit in Einklang gebracht werden. Verstärkt wird dieses Ziel durch die Anordnung der nach außen öffnenden Holz-Aluminium-Fenster: Von innen ist kein Rahmen sichtbar, nur das Fensterglas (und der Griff). Auf diese Weise erscheint jedes Fenster wie ein Landschaftsbild - ein Dia - an der Wand.

Fließende Räume

Ein grüner Kubus – ist es ein Möbel oder ist es eine tragende Wand? – dient als Raumteiler, Garderobe, Küchenschrank in einem. Zudem zoniert er den fließenden Raum von Essbereich, Küche und Flur, ohne zu verschließen.

In das Obergeschoss gelangt man über eine Treppe aus geräucherter Eiche. Der Material- und Farbsprung (im Erdgeschoss wurde Eichenparkett verwendet) sowie auch der Schritt eine Stufe nach oben, wirkt fast wie eine optische Schwelle. Man traut sich kaum, diesen zu machen. Das Ziel des Architekten wurde erreicht: Im Obergeschoss beginnt die Privatsphäre.
Himmelsbilder

Im Inneren entsteht dort, wo sich die beiden Kuben des Baukörpers überlagern, ein Fenster in der Decke – die Idee wird sichtbar. Und spürbar. Das rahmenlose Oberlicht setzt die Idee der Landschaftsbilder auch im Dach fort: Je nach Jahreszeit und Witterung wechselt sogar das Bildmotiv!

Im Bad wird das Wechselspiel von Raum und Bild besonders deutlich: Das hinterleuchtete Werk „Alpen“ von Hiroyuki Masuyama führt die Linien des Fensterbandes fort und bestimmt sogar die Breite des Raumes. Alles andere wurde daran ausgerichtet. Der entstandene Raumeindruck ist absolut beeindruckend.

Und auch hier gibt es das „unsichtbare“ Detail: Der Spiegel lässt sich schieben, dahinter verbirgt sich das Badregal. Alles ist kompakt, wirkt aber sehr großzügig. Jeder Platz wird ausgenützt.

Die Bibliothek wird bestimmt durch raumhohe Regale voll mit Kunstbüchern und Bildbänden. Und neben den aufgehängten Bilder gibt es hier noch die natürlichen. Vom Schreibtisch aus hat der Arbeitende sein ganz privates Bild hinaus in die Natur. Zudem bietet eine rahmenlose Eckverglasung den Blick in die umgebenden Bäume.

Beim Duschen im Regen stehen? Das geht – nicht nur in der freien Natur. Im „Haus der Bilder“ gibt es über der Dusche im Kinderbad ein Glasfenster, und wenn es regnet, wird man beim Duschen, zumindest optisch, gleich zweimal nass!

Individuell und funktional

Wunsch des Bauherren war es, ein Gebäude für das „Jetzt“ zu haben, das heißt, nicht zu planen, wie man vielleicht in zehn, zwanzig Jahren darin lebt. Ein Beispiel: Die Fensterbank im Kinderzimmer ist niedriger und wurde an Kindergröße angepasst.

Sehr auffällig im „Haus der Bilder“ ist die absolute Funktionalität: Jeder Raum, jeder Platz wird benutzt. „Jedes Element in diesem Haus muss etwas können. Das Gebäude ist ein echter Maßanzug“, sagt der Architekt Martin Schneider. So gibt es überall Einbauschränke oder verschiebbare Elemente und der Platz von 216 qm Wohnfläche erscheint großzügig.

Das Ergebnis ist ein sehr lebendiges, aber doch auch ruhiges Haus mit beschützendem Charakter. Architektur macht’s möglich. Und Corbusier hätte es gefreut.

Zurück

Objekt-Daten

ObjektnrProjekt # 085
Baujahr2004
EigentümerPrivat
ArchitektMartin Schneider Architektur
AuszeichnungenKölner Architekturpreises 2006
Fotos vonMartin Schneider; Maurice Cox