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wohnwer[f]t

2005 wurde die "Wohnwer[f]t 18.20" von Oxen + Römer und Partner im Rheinauhafen mit großzügigen, offenen Wohnungen und mit direktem Blick auf den Rhein fertig gestellt.
Foto: Seiler



Wohnen

wohnwer[f]t


Agrippinawerft
50668 Köln
Bayenthal

Linkerhand der Severinsbrücke in Richtung Innenstadt schiebt sich die "wohnwer[f]t" in die Rheinansicht - eine 176 Meter lange Glaswand, eingerahmt durch weiß verputzte Wände, von einer kleinen Gasse in zwei Baukörper geteilt. Den Wohnungsbau, geplant von den Kölner Architekten Oxen und Römer, erreicht man über eine vierspurige Straße, die das Hafengelände von der Südstadt trennt – und von hier aus in die Tiefgarage fährt, das infrastrukturelle Rückgrat des neuen Stadtquartiers.

Gelände und Garage sind über verglaste Treppenhaus-Pavillons verbunden. Drei davon stehen vor der stadtseitigen Fassade der "wohnwer[f]t" und führen direkt zu deren verglasten Treppenhäusern, die das Gebäude in Querrichtung bildlich und räumlich zerschneiden. Die Eingangsfoyers sind schlicht und eng – ein Anklang an kühle Funktionalität, nicht so weit von den Standarmaßen des sozialen Wohnungsbaus entfernt, wäre da nicht der gläserne Fahrstuhl mit Blick zum Rhein.

Schon im Vorfeld waren fast alle der 72 Wohnungen verkauft, nicht zuletzt weil dem Entwurfsgedanken ein nahe liegendes Verkaufskonzept zugrunde liegt: Die Architekten orientierten alle zehn Wohnungstypen, darunter fünf verschiedene Maisonetten, zum Rhein.
Trotz der Verschachtelung von Volumen funktionieren die Grundrisse alle nach einem Schema: Man betritt die Wohnung und steht in einer offenen Wohnküche mit großzügiger Verglasung. Raumhohe Schiebeelemente leiten über in eine Loggia, die die Wohnung zum Wasser hin erweitert. Die Schlafzimmer und Bäder der eingeschossigen Wohnungen sind zur Straße orientiert.

Im Regelfall stehen beim frei finanzierten Wohnungsbau keine städtebaulichen Leitbilder, sondern Marktprognosen im Vordergrund. Das Bemerkenswerte dieses Projekts besteht darin, dass neben dem Kaufanreiz Rheinblick, die Westfassade zugleich ein Stück stadträumliche Qualität bietet: Von Innen fühlen sich die Bewohner unbeobachtet, von der anderen Rheinseite wirkt die Fassade wie ein gläserner Schaukasten. Durch die Versprünge der Rahmen und Verglasungen entsteht von Weitem der Eindruck, als ob die Wohnungen sich nach einem inneren Bewegungsprinzip ausrichten und wie eigenständige Baukörper positioniert werden könnten.

Anhand der weißen Module glaubt man, die unterschiedlichen Wohnungstypen erkennen zu können, was nach Intention der Architekten Individualität vermittelt. Der Blick auf die Grundrisse zeigt jedoch, dass die Fassadenmodule nicht immer genau eine Wohneinheit begrenzen – hier und dort korrigieren die Wände einfach nur die Fassadenproportionen. Es handelt sich also nur um ein Bild von Diversität – und dieses Bild ist vielleicht deshalb so unterhaltsam, weil es sich in seinem strukturellen Gegenteil präsentiert: Auch wenn die "wohnwer[f]t" aus zwei Gebäudeteilen besteht, erscheint sie als einheitlicher Block, in dem alle Wohnungen die gleiche Ausrichtung und ein ähnliches Grundrissprinzip haben.
Das Thema serielle Wiederholung und individuelle Positionierung taucht auch in dem von den Architekten geprägten Begriff "wohnwer[f]t" auf. Wörtlich genommen, werden auf einer Werft Schiffe aufs Trockene gehoben, um repariert zu werden. Mit diesem Bild interpretierten die Architekten die Wohnung als offenen "Container“ mit einer einfachen geschlossenen Badzelle.

Prinzip Container

Dieser Wohncontainer steht für die Vorstellung von temporärem Wohnen, das sich "im Vorbeigehen" in zufällig übereinander gestapelten Behältern organisiert. Hätten die Architekten das Containerprinzip in die Konstruktion übertragen, wäre ein Plattenbau entstanden; sie haben sich jedoch konzeptuell nicht eingeschränkt und wählen den Schottenbau mit einem durchgehenden Raster von sechs Metern. Dieses Raster ermöglicht einerseits das Ineinanderschachteln einzelner Wohnungen und lässt andererseits serielle Gleichförmigkeit in der Fassade anklingen. Deren Lebendigkeit entsteht also nicht nur durch ihre feinen Proportionen, sondern auch durch inhaltliche Suggestion. Trotz ihrer repetitiven Einheitlichkeit spiegelt sie individuelle Besitz- und Lebensverhältnisse wider – eine Qualität, die sich nicht zuletzt gut verkaufen lässt.

Anne Kockelkorn
September 2007


Kurzfassung einer längeren Kritik in Bauwelt 18/2006, „Dicht am Wasser“

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 083
Baujahr2006
EigentümerPrivat
Bauherrmoderne stadt
ArchitektOxen + Römer und Partner
Fotos vonSeiler; Stefan Schilling; Graphiken von Oxen + Römer
Projektpate(n)ArchiPedes
 

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