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Stadtentwässerungsbetriebe

3.000 Quadratmeter Fläche wurden in einer vier geschossigen L-Form auf dem bestehenden Parkplatz und dem Betriebshof platziert. Das Gebäude ist sozusagen Überleitung, Verknüpfung und Nahtstelle.
Foto: Jens Willebrand



Verwaltung & Büro

Stadtentwässerungsbetriebe


Ostmerheimer Str. 555
51109 Köln
Holweide

Verwaltungsgebäude für die Kölner Stadtentwässerungsbetriebe

Der Auftraggeber ein städtischer Betrieb und die Mitarbeiter gewohnt an starre Strukturen – keine gute Ausgangssituation für anspruchsvolle Architektur. Zudem ein schwieriges Grundstück, ein Budget von 3 Millionen Euro und nur ein Jahr Bauzeit – völlig ausgeschlossen?
Die Architekten um Johannes Schilling beweisen das Gegenteil!

Eigentlich sollte Schilling bei dem geladenen Wettbewerb für die Stadtentwässerungsbetriebe Köln in der Jury sitzen, aber lieber wollte er selbst einen Entwurf einreichen … und es hat sich gelohnt. 2004 ging er als Sieger daraus hervor.

Einer der Gründe war vielleicht die Tatsache, dass Schilling als Einziger das schwierige Grundstück nicht vollflächig bebaute. Er schlug vor, die ca. 3.000 Quadratmeter Fläche in einer vier geschossigen L-Form auf den länglichen Freiraum zwischen dem bestehenden Parkplatz und dem Betriebshof zu platzieren. Das Gebäude ist sozusagen Überleitung, Verknüpfung oder auch Nahtstelle, so dass der Besucher nicht das Gefühl hat, von einem repräsentativen Vorplatz in den Hinterhof zu gelangen, sondern eher von einem Stadtraum in den anderen zu wechseln.

Durch die L-Form und eine klar definierte Ecksituation kann der Neubau aber auch gegenüber dem Hauptgebäude als ebenbürtiges Gegenüber bestehen und muss sich nicht verstecken: Seine „Kopfseite“ ragt in den Raum und wirkt dadurch präsent.

Ein großes Problem war von Anfang an eine fünf Meter hohe Garagenwand im Rücken des Grundstückes, welche eine angrenzende Bebauung fast unmöglich zu machen schien. Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbsteilnehmern löste Schilling dies nicht durch eine einfache Lücke, um die Belichtung sicher zu stellen, sondern durch eine intelligente Wege- und Raumfolge: Über einen ebenerdigen Innenhof, der wunderschön mit Bambus gestaltet wurde, gelangt man über eine breite Außentreppe auf einen ebenfalls mit Bambus bepflanzten Dachgarten. Hinter den nicht belichteten Bereichen liegen heute Archiv- und Lagerflächen; die Außenbereiche dienen den Mitarbeitern als Pausenbereiche. Eine einfache, aber effektive Lösung.

Die Winkelform des Gebäudes hat aber noch zwei weitere Vorteile: Aufgrund der kompakten, 4-geschossigen Bauweise und damit einhergehender kurzer Wege, war es möglich, mit einem Fluchttreppenhaus auszukommen. Sehr platz- aber auch Budget schonend.

Und auch die Erschließung profitierte von der Winkelform: Wo in einem Stock der Flur wie ein „L“ aussieht, ähnelt er im nächsten einem „T“. Die Folge: Durch farbiges Glas hervorgehoben entsteht eine sehr spannende Fassade. Von außen erkennt der Betrachter nicht, auf welcher Seite die Erschließung und wo ein normales Büro geplant war - das Gebäude erscheint in allen Richtungen als gleichwertig. Schilling zeigt, wie man aus einer Not eine Tugend macht.

Im Inneren ist das Gebäude ebenso attraktiv wie seine Fassade: Die in wechselnder Ausrichtung angeordneten Flure bieten unterschiedliche Raumaufweitungen und Sichtbeziehungen in die Umgebung. Teeküchen mitten in den Fluren dienen den Mitarbeitern als offene Kommunikationsbereiche, eine Dachterrasse als Mittagspausenraum.

Durch die orangefarbigen und grünen Fenster fällt das Licht warm und lebendig in die Flure und schafft Wohlfühlatmosphäre – fasst wie im Urlaub, wenn man durch eine Sonnenbrille schaut … Wieder einmal ein einfaches, aber sehr effektives Mittel.

Die 110 Arbeitsplätze konnten vor allem auch mit Hilfe eines kooperativen Bauherrn in einer flexiblen Bürostruktur mit unterschiedlichen Bürogrößen errichtet werden. Denn dieser bestand nicht auf das unbedingte Einhalten eines 1,35 m Rasters, das eine – in der Regel später nie genutzte – Flexibilität der Raumaufteilung ermöglicht. Erst dadurch wurde eine großzügig und lebendig wirkende Fassade möglich gemacht.

Mit außen liegenden Sonnensegeln – ein internes Kühl- und Lüftungssystem war im Budget nicht vorgesehen – greift Johannes Schilling erneut den Urlaubsgedanken auf. Einziges Problem: Bei starkem Wind fahren sich die Sonnensegel automatisch ein. Die erforderliche Blendfreiheit für Bildsschirmarbeitsplätze konnte aber durch einen zusätzlichen innenliegenden Blendschutz gelöst werden.
Sparen, sparen, sparen – ein großes Motto dieses Projektes. Aber auch das wirkte sich nicht negativ auf den Neubau aus. Natürlich wurde an Gewerken gespart: Technische Details? Schickschnack. Abgehängte Decken? Fehlanzeige. Oberlichter oder Türblenden? 2,90 m hohe Türen sind doch viel kostengünstiger! Deckenleuchten? Warum nicht Stehleuchten? Die sind zwar zunächst etwas teurer, sparen aber durch intelligente Technologie (präsenz- und tageslichtabhängige Steuerung) langfristig Geld und Ressourcen! Entwässerungskerne? Diese kann doch einfach in die Stützen gelegt werden!

Nichts ist hier unter der Decke oder an den Wänden. Der Rohbau ist gleichzeitig der Innenausbau, nichts wird verkleidet oder verhüllt.

Eine Schwierigkeit bestand allerdings darin, dass die Stadt alle Ausschreibungen öffentlich abgewickelte und immer der preiswerteste Anbieter beauftragt wurde. Manchmal hatte man Glück und manchmal etwas weniger … Die Stahlbetonfertigteile in Sichtbetonqualität zählen absolut zu den positiven Beispielen. Und hierdurch war die kurze Bauzeit von einem Jahr überhaupt erst möglich.

„Eigentlich ist das Gebäude ein einfacher Legobaukasten“, sagt Norbert Meis, Projektleiter bei Schilling Architekten. Ein Legobaukasten mit Loft- und Wohlfühlcharakter – bei einem Standardbürogebäude fast einzigartig.
Das Rennen gegen starre Strukturen hat sich gelohnt: „Lange hat es gedauert, bis die Mitarbeiter Dinge wie die offenen Teeküchen oder die Sofas im Foyer angenommen und verwendet haben; aber heute tun sie es, und das ist schöner als jeder Preis.“

Den haben sie aber trotzdem gewonnen: Beim Kölner Architekturpreises (KAP) erhielten Schilling Architekten eine Auszeichnung!


Natalie Bräuninger
September 2007


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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 081
Baujahr2006
EigentümerStadtentwässerungsbetriebe Köln AöR
BauherrStadtentwässerungsbetriebe Köln AöR
ArchitektSchilling Architekten, Köln
Auszeichnungen* 2006 - Kölner Architekturpreis
* 2007 - Architekturpreis NRW
* 2009 - Office Application Award, best workspace, Auszeichnung
* 2010 Nike für Preis und Leistung
Fotos vonJens Willebrand
ProjektpateArchiTaxi
 

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