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Weltstadthaus

Mit konventioneller Handelsarchitektur hat Renzo Pianos Weltstadthaus an der Schildergasse wenig gemein.
Foto: Erika Koch



Industrie & Handel

Weltstadthaus


Schildergasse 65-67
50667 Köln
Innenstadt

Der Anspruch wird in der Benennung deutlich: Wenn Peek&Cloppenburg baut, dann entsteht weltstädtische Architektur. Bereits die Häuser von Richard Meier in Düsseldorf (Hauptsitz), Gottfried Böhm in Berlin, Rhode Kellermann Wawrowsky & Partner in Frankfurt am Main und Josef P. Kleihues in Stuttgart belegen den architektonischen Ehrgeiz des Bauherren.

Mit konventioneller Handelsarchitektur hat auch Renzo Pianos Weltstadthaus an der Schildergasse wenig gemein. Die Bauaufgabe bestand nicht allein darin, ein Modehaus zu errichten, das innovativ und großzügig, edel und durchflutet von Tageslicht ist, sondern das zudem der besonderen städtebaulichen Situation gerecht wird.

Das Gebäude steht zwischen den nüchternen Zweckbauten der Antonsgasse und der Antoniterkirche und überbaut zudem die vielbefahrene vierspurige Nord-Süd-Fahrt. Dazu war ein Betondeckel nötig, der sich über die Fahrbahnen spannt sowie eine veränderte Rampenführung am Tunnelmund.

Von der Pissecke zum neuen Wahrzeichen

Wer die vorherige Situation mit dem Pavillon der Firma Douglas und dem Geschäftshaus Möbel-Franz noch kennt, erinnert sich vielleicht auch an den typischen Geruch des Standorts, handelte es sich doch um eine „Pissecke“ gleich neben dem spätgotischen Kirchbau. Der erbärmliche Zustand blieb den Kölnern länger erhalten als ihnen lieb war.

Seit den Abrissarbeiten 1999 verunzierte ein Bauzaun den Ort, der erst 2005 entfernt wurde. Eigentlich hätte das neue Kaufhaus bereits zum 100-jährigen Firmenjubiläum von P&C im Jahr 2001 fertig sein sollen. Doch Auseinandersetzungen um statische Mängel und Baukosten hatten die Hochtief AG bewogen, den Generalübernehmervertrag zu kündigen. Ein zweijähriger Baustillstand und war die Folge. Erst nach der gerichtlichen Beilegung des Konflikts im Frühjahr 2003 wurden die Arbeiten wiederaufgenommen.

Das Kaufhaus ist zweiteilig angelegt. Der klassischen Blockarchitektur an der Antonsgasse antwortet eine Natursteinfassade, die monumental wirkt und in einen kantigen Abschluss an der Fußgängerzone mündet. Zum Neumarkt ausgerichtet leuchtet an seiner Spitze leider als Transparent das Firmenschild von P&C. Eine Leuchtreklame aus offenen Neonröhren wäre dem baulichen Niveau gerechter geworden.

An der Schildergasse wird die Dominanz des rechten Winkels konterkariert durch einen doppelt gewölbten verglasten Trakt, der sich - wie hingegossen – an der Antoniterkirche vorbei bis zur Cäcilienstraße hinzieht. Nicht nur sein Grundriss beschreibt einen Bogen, auch die Höhe ist gewölbt und als filigrane Glashülle über den Kernbau gelegt. Den markanten Abschluss bildet ein transparenten Kopfbau über der Nord-Süd-Fahrt.

Obwohl es sich um einen markanten Solitair handelt, wird die benachbarte Kirche in ihrer Wirkung betont und keinesfalls durch das Weltstadthaus erdrückt. In einem großzügigem Bogen nimmt sich das Kaufhaus zurück. Diese Referenz vor der Antoniterkirche schafft einen Platz an der Schildergasse, der diese einerseits ins Blickfeld rückt und zugleich, da er der Raum für die Passanten erweitert, als neuer Treffpunkt dient.
Die Besonderheit des fünfgeschossigen Stahlbetonbaus liegt in der gläsernen Haut, die sich wie ein Schirm über das Gebäude spannt. Sie ist aufgehängt an einem Stahlbock und wird von 66 seilverspannten Holzleimbindern getragen, die ein fächerartiges Rippensystem bilden.

Tatsächlich ist die Außenhaut vom Gebäude abgerückt. Im Eingangsbereich beträgt die Distanz über fünf Meter; im rückwärtigen Teil sind es 1,30 Meter. Windnadeln fungieren als Abstandhalter, die das Einknicken der Glashülle, die aus 6.800 unterschiedlichen Glasscheiben gefertigt wurde, verhindern.

Insgesamt herrscht Außen wie Innen eine luftige Atmosphäre, die Raumhöhe bzw. Tiefe erlebbar werden lässt. Was für den einen die Attraktivität erhöht, erschwert dem anderen die Nutzung. Ist man nicht schwindelfrei, verheißt ausschließlich das Erdgeschoss das Gefühl von sicherem Grund.

Auf vier Verkaufsetagen wurden 4.600 Leuchten verwendet, die das Gebäude auch bei Dunkelheit taghell erleuchten. So hat das Spiel mit Ein- und Ausblicken – unabhängig von der Tages- oder Jahreszeit seinen Reiz. Das fünfte Obergeschoss dient als Kantine. Die daraufsitzende gläserne Kanzel mit dem Kuppelblick ist Special Events vorbehalten und nicht offen zugänglich.

"Man muss die Dinge wagen" sagt Renzo Piano. Gewagt ist sein Bau aber auch gelungen und dient hoffentlich als Anstoß zur Verbesserung der baulichen Qualität der Kölner Innenstadt.


Petra Metzger
Februar 2006

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Objekt-Daten

ObjektnrProjejt # 078
Baujahr1999-2005
EigentümerPeek & Cloppenburg KG Düsseldorf
BauherrTimaru
ArchitektRenzo Piano/Building Workshop/Atelier de Paris
Fotos vonAndreas Fechner; Stephan Worring; Steffen Hauser; Erika Koch; Volker Dennebier; Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf
Projektpate(n)Meurer Verlag