BAUWATCH Impressum Kontakt Sitemap koelnarchitektur.de

Sankt Peter

Boden, Decke und Wände wurden als raumbildenden Elemente in ihrer Farbigkeit dem vorhandenen Naturstein der Stützen, Bögen, Gewölbe und Emporenbrüstungen angepasst.
Foto: Lukas Roth



Kirchliche Bauten / Kunst & Kultur

Sankt Peter


Jabachstr. 1
50676 Köln
Innenstadt

Nach vierjähriger Sanierung unter Leitung von Ulrich Wiegmann wurde im Jahr 2000 der Kirchenraum der Jesuitenkirche Sankt Peter wiedereröffnet. Hier begegnen sich Religion, zeitgenössische Kunst und Musik in einem schlichten architektonischen Raum, dessen Klarheit durch die Materialauswahl und die Korrespondenz der einzelnen raumbildenden Elemente bestimmt wird.

Die zwischen Neumarkt und Heumarkt gelegene katholische Pfarrkirche Sankt Peter bildet mit der benachbarten romanischen Cäcilienkirche die letzte erhaltene Doppelkirchenanlage in Köln. Auf den Fundamenten einer römischen Thermenanlage gegründet, ist der Anfang des 16. Jahrhunderts nach einigen Vorgängerbauten errichtete Sakralbau baugeschichtlich als spätgotische dreischiffige Emporenbasilika einzustufen. Romanische Bauteile finden sich als Mauerreste im Turm und in der nördlichen Erdgeschosswand.

Den Anfang der 60er Jahre abgeschlossenen Wiederaufbau der Kirche nach dem zweiten Weltkrieg übernahm der damalige Regierungsbaumeister Karl Band. Auch die Gebäude, die den sich südlich anschließenden Innenhof einrahmen, wie das Pfarrhaus und die Caritas-Verwaltung, sind Entwürfe von Band.

Nach der Übernahme der Jesuitenpfarrei durch Friedhelm Mennekes S.J. wurde Ende der Achtziger Jahre die „Kunst-Station Sankt Peter – Zentrum für zeitgenössische Kunst und Musik“ gegründet. Die von Mennekes organisierten Ausstellungen und Konzerte finden international Anerkennung und Beachtung.

Die fortschreitende Verschlechterung der Bausubstanz und die aus statischen Gründen nur noch eingeschränkte Nutzbarkeit der Empore machten in den späten neunziger Jahren eine Sanierung unumgänglich.

Das Konzept der Architekten sah vor, den vorhandenen Bestand so mit der Qualität des Neuen zu verknüpfen, dass eine harmonische, klare Raumwirkung entsteht. Ein wesentliches Stilmittel hierbei war es, Boden, Decke und Wände als raumbildende Elemente in ihrer Farbigkeit dem vorhandenen Naturstein der Stützen, Bögen, Gewölbe und Emporenbrüstungen anzupassen.

Am deutlichsten wird dies bei der Wahl des hellgrauen Farbtons für den Wandputz, dessen grobe Oberflächenstruktur durch den fehlenden Anstrich erfahrbar bleibt. Um die Einheitlichkeit zu erhalten, wurden ebenfalls Elemente wie Türen und hölzernes Mobiliar der Farbigkeit des Wandputzes durch eine entsprechende Lackierung angepasst. Dies gilt nicht zuletzt für die im Herbst 2004 eingeweihten Orgeln, deren Orgelkörper- und Prospektgestaltung ebenfalls von Ulrich Wiegmann übernommen wurde.

Die ehemals dunkelbraune Kassettendecke wurde durch eine hell gestrichene Holzbalkendecke ersetzt; hierdurch gewinnt der Raum optisch an Höhe und bildet im Verbund mit den Wänden einen ruhigen Gesamteindruck. Zwischen der Balkenlage montierte und gelochte Gipskartonplatten gewährleisten eine gute Akustik.

Der graue fugenlos eingebrachte Vakuum-Betonboden rundet die einheitliche Gestaltung des Raumes ab. Betonzuschläge und die Veredelung der Oberfläche sorgen für eine ausgewogene Lebendigkeit.
Um das Konzept der Leere des Raumes uneingeschränkt erfahrbar zu machen, wurde eine variable Bestuhlung anstelle von unflexiblen Kirchenbänken gewählt.

Im Verlauf der letzten beiden Jahre sind die rekonstruierten Renaissance-Fenster wieder in Teile des Chorpolygons und der Seitenschiffe zurückgekehrt. Einer äußeren Schutzverglasung vorgehängt werden sie nicht mehr von den Fenstern der 60er Jahre umrahmt, sondern von speziell bearbeiteten Scheiben. Diese mit einem Raster bedruckte und einer Airbrush-Technik überlagerte innere Verglasung korrespondiert mit der aufgelockerten Struktur des Wandputzes und hebt gleichzeitig durch ihre leicht verdunkelnde Wirkung die Brillanz der historischen Fenster hervor.

Die Pfeiler flankierende eigens entworfene kubische Leuchtkörper erhellen den Kirchenraum ebenso wie in die Gewölbekappen der Seitenschiffe eingelassene Downlights.

Der festinstallierte dreiteilige Kreuzaltar des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida wurde 2004 aus dem Chorpolygon entfernt und im nördlichen Seitenschiff aufgestellt. Der Vatikan hat seine Benutzung mit der Begründung untersagt, dass ein Altar Christus als Einheit repräsentieren müsse.

Ein aus Beton gegossener, nach dem Entwurf der Architekten gefertigter neuer Altar-Tisch ist nun an die Stelle des Kreuzaltares getreten.

Insgesamt bringt die Umgestaltung ein Erscheinungsbild hervor, welches nicht Tradition und Moderne als Kontrast gegenüberstellt, sondern aus beiden Aspekten eine gelungene Synthese bildet. Für die Sanierung und Neukonzeption des Innenraumes von Sankt Peter wurde das Büro mit dem Kölner Architekturpreis 2003 und dem Architekturpreis Nordrhein-Westfalen 2004 ausgezeichnet.

Corinna Franken
Mai 2005

Zurück

Objekt-Daten

Objektnrprojekt #076
Baujahr1997-2000
EigentümerKatholische Kirchengemeinde Sankt Peter, Köln
BauherrKatholische Kirchengemeinde Sankt Peter, Köln
ArchitektWiegmann & Trübenbach, Architekten BDA, Köln,
Auszeichnungen* 2003-2004 - Kölner ArchitekturPreis
* 2004 - Architekturpreis NRW für die Sanierung und Neukonzeption des Innenraums
* 2007 - Nominierung für die "Große Nike", BDA
Fotos vonLukas Roth; Graphik von Wiegmann Architekten
Projektpate(n)KAP Forum