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SPICHERN HÖFE

Die seit der Gründerzeit erfolgreiche Mischung aus Handel, Handwerk und großbürgerlichem Wohnen sollte als Vorbild für die zukünftige Nutzung dienen.
Foto: Uwe Spöring



Wohnen / Verwaltung & Büro / Kunst & Kultur

SPICHERN HÖFE


Spichernstraße 6-10
50672 Köln
Innenstadt

Zunächst sah alles nach einer ganz normalen Bauaufgabe aus: Sanierung eines gründerzeitlichen Hauses mit Seitenflügel im Belgischen Viertel und Umwandlung in Gewerbelofts und Wohnungen.

Der Kölner Immobilienkaufmann Armin Wolfgang Müller und das Büro LK Architekten hatten mit Projekten dieser Art und Lage bereits gute gemeinsame Erfahrungen gemacht; das neue Projekt würde mehr oder weniger eine Variation des bekannten Themas sein.

So erwarb Müller im Jahr 2001 die aufgegebenen Verkaufs-, Lager- und Wohnräume der Firma Elektro-Wagner in der Spichernstraße Nr. 6. Die Architekten begannen mit der Planung und man erwartete die Zustimmung zu den Umbaumaßnahmen durch den Nachbarn linkerhand.

Der aber hatte ganz eigene Pläne: nämlich sowohl den Verkauf des Hauses Nummer 8 und der dazugehörigen, denkmalgeschützten Fabrikhalle, als auch des gerade erst von der Denkmalliste gestrichenen Produktonsgebäudes im Hinterhof der Kamekestraße 21. Ganz neue Möglichkeiten boten sich plötzlich - dies umso mehr, als kurz darauf auch der Eigentümer von Haus Nummer 10 einer Veräußerung seiner Immobilie an den Investor zustimmte.

Ein innerstädtisches Gebäudeensemble mit etwa 10.000 qm Nutzfläche war nun entstanden - was man damit alles machen konnte !?

Investor und Architekten besannen sich auf bereits bestehende Qualitäten des Viertels: die seit Erweiterung der mittelalterlichen Stadt im 19. Jahrhundert erfolgreiche Mischung aus Handel, Handwerk und großbürgerlichem Wohnen sollte als Vorbild für die zukünftige Nutzung des Ensembles dienen.

Auf heutige Wirtschafts- und Lebensverhältnisse übertragen, war das ein Mix aus Handel, Büro, Gastronomie und Wohnen - nicht zuletzt auch aus der Erkenntnis heraus, das finanzielle Risiko im unsteten Immobiliengewerbe mit einem Mischkonzept besser kontrollieren zu können.

Die durch den Abriss von Grenzmauern wieder erstandenen, gründerzeitlichen Innenhöfe stehen nunmehr im Mittelpunkt des Nutzungskonzepts: die angestrebte Klientel aus dem Kunst- und Kulturbereich betritt das Blockinnere durch große Öffnungen in den Fassaden von Spichern- und Kamekestraße und gelangt allein von hier aus, die Höfe durchquerend, zu allen Läden und Büros sowie zu den öffentlichen Design-, Architektur- und Fotografie-Veranstaltungen.

Auch die Tiefgarage wird nicht, wie etwa im MediaPark, über die vorhandenen Treppenhäuser zu begehen sein, sondern nur über den über ihr liegenden Hof. So werden von der Sanierung und den gezielten baulichen Eingriffen nicht nur die straßenseitigen Ladenlokale, sondern umso mehr die Bereiche im Blockinneren profitieren.
Für den Investor steht „weniger die aktuelle Marktlage, sondern vielmehr die Lage und das Potenzial“ der Immobilie im Vordergrund. Da sämtliche Einheiten zunächst einmal vermietet werden, sieht er seine Verpflichtung in der Schaffung eines Image bildenden, attraktiven Aussenbereiches. Bei zunächst nicht unerheblichen Mehrkosten soll dieser die gewünschte „emotionale Architektur“ entstehen lassen und langfristig zu besseren Vermietungserfolgen führen.

Die Innenhöfe werden zur Piazza umgestaltet, zum „Ort, an dem kommuniziert wird“. Neben der Begrünung und dem „Atmosphäre schaffenden“ Lichtkonzept des Büros Ahrens Faulhaber, entstehen zwei Brunnenanlagen und wird die ehemalige Fabrikhalle in ihrem Zentrum aufwändig saniert.

Dieses „Juwel“ wird dabei, erweitert durch ein Galeriegeschoß, zu einer Markthalle mit Blumen, Medien und ausgesuchten Lebensmitteln, ergänzt durch ein Restaurant mit Außenbereich, das als Treffpunkt für Mieter und Passanten dienen soll. Insbesondere das im Sommer zu zwei Dritteln elektrisch zu öffnende Glasdach sorgt dabei für emotionalen Mehrwert.

Zugleich steht die Halle für eines der Entwurfs-Prinzipien der Architekten: die behutsame Freilegung, sorgfältige Restaurierung und modernste Aufrüstung der historischen Bausubstanz. Denn schließlich "entscheidet sich an der Schnittstelle von Alt und Neu die Qualität der Architektur.“


Ulrich Grützner
April 2005

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 72
Baujahr2005
EigentümerGrundbesitz GbR Armin Wolfgang Müller und Ulrich Kikillus
BauherrArmin Wolfgang Müller
ArchitektLK Architekten
Fotos vonUwe Spöring; LK Architekten
Projektpate(n)Armin Müller
 

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