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Johannes-Theodor-Baargeld-Weg

Am Johannes-Theodor-Baargeld-Weg im neuen Stadtwaldviertel Junkersdorf entstanden 13 Stadthäuser. Für diese Häuserzeile erhielt Architekt Bernd Hellriegel den Kölner Architekturpreis 2003.
Foto: Lukas Roth



Wohnen

Johannes-Theodor-Baargeld-Weg


Johannes-Theodor- Baargeld-Weg
50858 Köln
Junkersdorf

Am nördlichen Rand des neuen Stadtwaldviertels liegt Baufeld 23, der Johannes-Theodor-Baargeld-Weg mit seinen 13 Stadthäusern. Architekt Bernd Hellriegel, der für das Viertel auch gesamtplanerisch tätig war, erhielt für sie den Kölner Architekturpreis 2003.

Linie und Viereck, bzw. Kubus sind die prägenden Formen, leuchtende weiße und rubinrote Putzflächen die bestimmenden Farben dieser Häuserzeile. Holz markiert den oberen und den unteren Abschluss der Gartenseite und bringt das Rippenmotiv als Oberflächenstruktur ein. Es findet auf der Nordseite in Tor und Seitenwand der Garage sein Pendant. Metallstreben überdachen den Eingang und auf der südlichen Seite einen Teil des Dachgartens. Die Fenster sind durch Aluminiumprofile untergliedert.

Auf der Gartenseite lässt ein tief eingeschnittener Kubus die untere Fensterzone beinahe wie einen Erker hervortreten, ohne dass sie die Bauflucht überragt. Die großzügigen Flächen mit Wärmeschutzverglasung ermöglichen die maximale Nutzung der Sonnenenergie und tragen zur Einhaltung der Niedrigenergiestandards bei.

Im darüber liegenden rot verputzten Geschoss verbindet eine Loggia – wieder ein ausgesparter Kubus - Innen und Außen. Dachterrassen von knapp 18 Quadratmetern Größe bilden den krönenden Abschluss. Ein Teil ist überdacht. Als Trenner zwischen den Dachgärten fungiert ein Außenschrank, eine Idee, die der Architekt auch für die holzgefassten Terrasse gewählt hat. Diese praktische Lösung macht zudem den Eigentümern eine geschmackvolle Vorgabe in punkto Gartenmöblierung. Der Garten ist auf den geplanten Wasserlauf hin ausgerichtet.

Die beiden Flanken der Zeile zeigen verschiedene Lösungen. Auf beiden Seiten taucht wieder eine rubinrote viereckige Putzfläche auf, die eine Anordnung von Fenstern zusammenbindet. Doch der westlichste Dachgarten ist durch einen schmalen, balkonartigen Vorsprung akzentuiert, der das Gebäude kühn überragt und dem Betrachter den Blick auf den Stadtwald ermöglicht. Gegenüberliegend öffnet sich die seitliche Begrenzung des Dachgartens nach Osten.

Die Bebauung des Baargeld-Wegs trägt der Hanglage Rechnung. Der Unterschied zwischen Garten und Eingang beträgt ein Geschoss. Rechts und links neben dem Block führen Treppen bzw. eine Rampe hinauf zur Straße. Jedem Haus ist eine Garage vorgelagert, die den roten Farbton und die Lamellenstruktur der Gartenseite wieder aufgreift. Zwischen den Vorbauten überdachen Stahl-Glas-Konstruktionen im Stil einer Pergola den Zugang zur Haustür. Das Licht von oben durchbricht die tunnelartige Wirkung und wendet sie in eine mediterrane Anmutung, die durch die Bepflanzung unterstützt wird.

Alle Häuser haben ein Achsmaß von rund 5,50 Meter. Ihre Wohnfläche beträgt knapp 200 Quadratmeter, die sich über vier Geschosse verteilen. Angeboten wurden zunächst zwei Grundrisstypen, nämlich "Gent", in dem der Luftraum zum Garten und Typ "Brügge", der den Luftraum innenliegend hat. Einige der Treppenhäuser, die seitlich angelegt sind, erhalten durch ein Oberlicht im Flachdach Tageslicht. Die beiden Kopfbauten bilden ebenfalls einen eigenen Typus.

In der Praxis entstanden weitere Varianten als Umsetzung spezieller Käuferwünsche. Offener oder geschlossener Grundriss, das Raumangebot wurde individuell organisiert. So gibt es verschiedene Lösungen der Aufteilung in Wohnbereich und Essraum, wobei die Küche entsprechend im oberen Erd- oder dem unteren Gartengeschoss untergebracht ist. Flexibel lässt sich auch das Dachgeschoss nutzen. Es kann als separater Arbeitsraum dienen oder bietet den Komfort eines weiteren Schlafbereichs mit eigenem Duschbad und Dachgarten.

Die Nordseite zeigt, dass die Fenstereinteilung der Lochfassade nicht bei allen 13 Häusern identisch ist. Auch dies ist eine Folge unterschiedlicher Käuferwünsche. Letztlich musste sich der Architekt auch von der zweitbesten Lösung - der rhythmisierten Verteilung der zusätzlichen Fenster - verabschieden. Was im Süden die Außenschränke leisten, übernimmt hier das schmale Kiesbeet mit dem Bäumchen, das zu jedem Haus dazugehört. Es grenzt die Wohneinheiten optisch voneinander ab und ist durch die Reihung gleichzeitig gemeinsames und damit identitätsstiftendes Merkmal.
Die Junkersdorfer Kaserne entstand ab 1936 und wurde nach dem Hunnenkönig Attila Etzelkaserne genannt. Das zuvor landwirtschaftlich genutzte Gelände an der Kreuzung der Dürener Straße und des Militärrings wurde aus strategischen Gründen ausgewählt, denn der Schnittpunkt von Ost-West-Verbindung und Nord-Süd-Tangente bot jegliche Möglichkeiten der Truppenbewegung. Bei Kriegsende bezogen belgische Streitkräfte die Anlage und nannten sie "Haelen".

Der jetzige Name für das rund 14 Hektar umfassende Gelände, das 1996 von den Belgiern aufgegeben wurde, lautet Stadtwaldviertel Junkersdorf. Die zum Teil denkmalgeschützte Bebauung wurde 1999 aus dem Eigentum der Bundesrepublik vom Bundesvermögensamt an die Campus Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH veräußert, die das Projekt "Konversion Kasene Haelen" über ortsansässige Bauträger realisiert.

Die neue Wohnsiedlung soll sich neben den historischen Bauten behaupten können und mit diesen zu einem neuen Stadtviertel zusammenwachsen, so das städtebauliche Leitziel. Insgesamt entsteht Wohnraum für 1.600 Menschen. Naturnah durch die Nachbarschaft zu Adenauer Weiher und Stadtwald und kinderfreundlich mit Kindertagesstätte, einer Spielstraße und mehreren Spielplätzen. In einem denkmal-geschützten Mannschaftshaus unterhält der Verein Vitales Wohnen (ViWo) ein integratives Wohnprojekt mit 84 behindertengerechten Einheiten und Betreuung. "Damit aus dem neuen Stadtteil kein "Getto für Reiche und Schöne" werde", äußerte die Vorsitzende des Vereins, Katrin Barion, gegenüber der taz.

Neben Einfamilienhäusern und Reihenhäusern bietet der Geschosswohnungsbau außerdem Raum für Praxen und Freiberuflerbüros, Geschäfte und Gastronomie. Nach Abschluss der Bautätigkeit soll das Viertel durchgängig begrünt werden und durch Plätze und eine Wasserpromenade an Stadtteilqualität gewinnen. Mit dem Bühnenbetrieb "Limelight" im original erhaltenen 60er Jahre Kino hat das neue Viertel bereits heute einen kulturellen Mittelpunkt.


Petra Metzger
September 2004

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 71
BaujahrFertiggestellt 2002
Eigentümerprivat
BauherrHMJ Grundbesitz GmbH u. CoKG
ArchitektBernd Hellriegel Architekten, Köln
Auszeichnungen* 2003 - Kölner Architekturpreis
* 2005 - Auszeichnung Vorbildlicher Bauten NRW
* 2006 - Deutscher Bauherrenpreis
Fotos vonLukas Roth