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Elefantenpark

In enger Verzahnung zwischen Architektur und Landschaft ist das neue Elefantenhaus unmittelbar in die Landschaft des Elefantenpark integriert.
Foto: Stefan Schilling



Freizeit

Elefantenpark


Riehler Straße 173
50735 Köln
Riehl

Fünf alteingesessene Bewohner der Stadt werden von der Eröffnung des neuen Elefantenparks im Kölner Zoo nicht profitieren: Die im bisherigen Elefantenhaus untergebrachten Tiere sind zu alt für einen Umzug und verbleiben bis zu ihrem Tode in ihrer 140 Jahre alten, im maurischen Stil errichteten Behausung.

Die bis zu zwanzig Bewohner des neuen Geheges werden dann nicht mehr nur zum Anschauen da sein; ihre Hauptaufgabe besteht vielmehr darin, sich zu mehren und die männlichen Nachkommen zur Rettung des asiatischen Elefanten in alle Welt zu schicken.

Für die im Wettbewerb von 1999 siegreichen Architekten des Büros Oxen + Römer "steht diese Planungsaufgabe am Ende einer Reihe von Absurditäten zwischen Ausrottung von Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum und Investition in den Arterhalt. Sie ist schlüssig als letzte Stufe wieder gewonnener Verantwortung im Miteinander zwischen Tier und Mensch."

Ein Gehege von fast 20.000 qm Größe, also immerhin 10 % der Fläche des Kölner Zoos, galt es elefantengerecht zu gestalten. "Konventionelle Denkansätze mit dem menschlichen Maß als Grundnorm konnten dabei zu keinem befriedigenden Ergebnis führen." Schließlich wiegt so ein Elefant bis zu 6 Tonnen, hat eine mittlere Rückenhöhe von 3,50 m und verfügt über eine Stoßkraft von bis zu 15 Tonnen. Sein Rüssel erreicht Geschwindigkeiten von maximal 200 km/h.

Um den in Gefangenschaft gehaltenen Tieren möglichst ursprüngliche Lebensbedingungen zu bieten, gaben die Architekten "die Formulierung architektonischer Räume zugunsten naturnah gestalteter Innen- und Außenbereiche" auf und verzahnten im neuen Elefantenpark Architektur und Landschaft sehr eng miteinander.

Der bereits vorhandene Trümmerberg etwa wurde dazu genutzt, die Ausmaße des immerhin 5.000 qm großen Innengeheges durch ein Hineindrücken in den Berg optisch zu reduzieren. Zugleich steigt so das Gelände im Gebäudeinneren um drei Meter an – das begrünte Dach folgt diesem Bodenrelief und erzeugt dadurch im Inneren und Äußeren eine bewegte Dachlandschaft. Schließlich lassen großzügige Decken- und Wandöffnungen reichlich natürliches Licht in das Innengehege. Das Gebäude wird zum schützenden Unterstand.

Die verwendeten Materialien und Farben sollen den Eindruck eines natürlichen Lebensraumes der Elefanten verstärken. Bodenbelag und Holzdach sind sandfarben gehalten, die Wasserbecken folgen der türkisgrünen Farbgebung der Pflanzen, Betonunterbauten und -stützen passen sich den grauen Bewohnern an. "Die Reduzierung erscheint dem Besucher auf den dafür vorgesehenen drei Besucherkanzeln im Innern des Hauses als ein beruhigtes und selbstverständliches Bild im Einklang mit den Tieren."
Der Versuch, einen möglichst naturgetreuen Park zu schaffen, setzt sich im Außengehege fort. Hier gibt es keine Absperrgitter und Trockengräben, vielmehr sorgen Wasserbecken und Felsblöcke für eine Trennung von Besuchern und Tieren. Landschafts-Elemente trennen auch das Gehege der Elefantenkühe von dem der Bullen. Das dazwischen liegendem Paargehege dient zur Sicherstellung der Fortpflanzung. Für Wohlgefühl und eine gelenkschonende Fortbewegung sorgen zudem echter Sahara-Sand und kleine Vorsprünge zum Scheuern an den aus Spritzbeton gefertigten Kunstfelsen.

Die Tierpfleger werden diese hohlen Körper eher in ihrer Funktion als Notausgang schätzen. Ihre Arbeit wird zudem von anderen technischen Raffinessen erleichtert: Eine spezielle Betonmischung sorgt für eine zwangsläufige Pflege der Elefantenfüße, beim Verlassen des Innengeheges werden die Tiere automatisch gewogen und können sofort medizinisch versorgt werden. Die ca. 50 Video-Kameras des Geheges zeichnen jede ungewöhnliche Regung der Elefanten auf und bietet so eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung und schließlich soll ein 300 qm großes Solarium endgültig dafür sorgen, dass sich die neuen Bewohner in ihrem 12,5 Mio. € teuren neuen Heim gänzlich wie zu Hause fühlen.


Ulrich Grützner
September 2004

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 070
Baujahr2004
EigentümerAG Zoologischer Garten Köln
ArchitektOxen + Römer und Partner
Fotos vonStefan Schilling; Graphiken von Oxen + Römer
Besichtigungwährend der Zoo-Öffnungszeiten
 

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