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Jüdisches Wohlfahrtszentrum

Elternheim, Grundschule, KITA, Mehrzweckhalle und Synagoge entstanden für die jüdische Gemeinde in Ehrenfeld.
Foto: U. Coersmeier



Kirchliche Bauten / Bauten für Kinder / Wohnen

Jüdisches Wohlfahrtszentrum


Ottostr. 85
50823 Köln
Ehrenfeld

Nach dreijähriger Bauzeit konnte im Sommer 2004 das Jüdische Wohlfahrtszentrum in Köln-Ehrenfeld bezogen werden. Die Geschichte des Orts ist wechselhaft: 1908 entstand dort das sogenannte „Israelitische Asyl“ mit einem Krankenhaus und einem Altenheim. Gestapo und SS räumten die Anlage 1942, die Kranken und Alten wurden deportiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstand in den Trümmern des Geländes die Neuanfänge der jüdischen Gemeinde. In den fünfziger Jahren gab die Bundesrepublik das Areal an die belgischen Streitkräfte weiter, die es als Militärkrankenhaus nutzten.

Die Architekten Prof. Ulrich Coersmeier, Köln, und Prof. Alfred Jacoby, Frankfurt am Main, standen vor der Aufgabe, die vorhandene Bausubstanz zu renovieren und den Gebäudekomplex für eine Nutzung als Wohlfahrtszentrum der jüdischen Gemeinde Köln zu erweitern. Ihr Entwurf, das Ergebnis eines 1999 gewonnenen Wettbewerbs, erhält die historische Bausubstanz von 1908 und aus den fünfziger Jahren und ergänzt diese durch Neubauten.

Das Zentrum beherbergt ein Elternheim, eine zweizügige Grundschule, drei Kindertagesstätten-Gruppen, die Verwaltung und Sozialdienste der Gemeinde, eine Mehrzweckhalle und eine Synagoge. Die Gemeinde investierte 23 Millionen Euro in den Um- und Neubau, Zuschüsse von Stadt, Land und Bund kamen hinzu.

Das Foyer organisiert die Verteilung in die verschiedenen Institutionen und dient gleichzeitig als Treffpunkt, Galerie und in Verbindung mit der Mehrzweckhalle als Veranstaltungsraum. Dem Gebot einer transparenten Gestaltung folgten die Architekten auch bei der Anlage der Synagoge. Sie wurde aus gelbtönigem Sandstein errichtet, der an die Stadt Jerusalem erinnert. In den Seitenflügel des Neubaus integrierten Coersmeier und Jacoby einen massiven Kubus, dessen Glasfront ebenfalls Teil der Hofgestaltung ist. Sie ermöglicht den Betenden den Blick nach außen, während Holzelemente Einblicke von außen verhindern. Der Kubus wurde nach Osten ausgerichtet, die Innengestaltung bestimmen die Anordnung der Sitzreihen an zwei Seiten und die Einbauten aus Zedernholz. Ebenso wie die Mehrzweckhalle begrenzt eine Faltwand die Synagoge zum Foyer, so dass beide Räume bei Bedarf vergrößert werden können.

Die Kindertagesstätte und die Grundschule wurden im sogenannten Goldschmidtbau, einem Teil des Altbaus aus den fünfziger Jahren untergebracht. Raumhöhe und -größe eigneten sich für die Umnutzung, die ursprünglich Funktion des Gebäudes ist in den typischen langen Fluren noch erkennbar. An die Kindertagesstätte im Erdgeschoss wurden Gruppenräume angebaut, die gleichzeitig die Gestaltung des Außengeländes vorgeben. So entstand für jede Gruppe ein eigener kleiner Innenhof, von dem aus der Zugang in das gemeinsame Außengelände erfolgt. Auch hier erhielten die Architekten die Struktur und Gestalt des Altbaus und ergänzten sie unter funktionalen Gesichtspunkten. Die Versorgung von Elternheim, Pflegestation, KITA und Schule erfolgt aus dem Untergeschoss, wo Küche, Anlieferung und Tiefgarage untergebracht wurden.

Ein besonderes Schmuckstück ist mit der Umnutzung des Altans an der Südseite des Altbaus gelungen. Aus der ursprünglichen Zufahrt für die Krankentransporte entstand ein heller Aufenthaltsraum, der von erhöhter Position einen Blick in den Garten ermöglicht. Die Zufahrten und der zentral gelegene Eingang sind von außen weiterhin erkennbar.
Zentrale Idee des Entwurfs von Coersmeier und Jacoby war eine Öffnung des Gebäudes zur Umgebung, die trotz aller sicherheitstechnischen Bedenken umgesetzt werden konnte. Besonders deutlich tritt dies in der Gestaltung des Eingangshofs hervor, der sich zur Straße mit einer „Geste des einladenden Tores“ öffnet. Der breite Zugang wird von Mauern begrenzt, die ebenfalls von großzügigen Sichtöffnungen durchbrochen sind. Einziges Problem: aus Sicherheitsgründen muss der Außenbereich der Kindertagesstätte durch eine hohe Mauer abgeschirmt werden, die derzeit von einer schwarzen Plane als Sichtschutz vorweggenommen wird.

In den H-förmigen Grundriss des Altbaus integrierten die Architekten eine zweite Schale, in der vor allem die Appartements des Elternheims untergebracht sind. Zum Eingangs-Innenhof öffnet sich der Neubau mit Glasfassaden, die Einblicke in das Foyer und die Veranstaltungshalle gewähren. Auch die Fenstergestaltung in den oberen Geschossen unterstützt den transparenten Charakter der Fassade und verleiht ihr Leichtigkeit im Gegensatz zum massiven Korpus der Ziegelsteinbauten. Die Farbigkeit des Gebäudes wird bestimmt durch den roten Ziegel der Altbauten und die roten Putzelemente der neuen Fassaden. Die Neubauelemente werden um die Stirnseiten der Flügel des Altbaus geführt, hier entstanden besonders lichte und helle Aufenthaltsräume für die Bewohner des Elternheims. Dezentrale, unterschiedlich gestaltete Aufenthaltsangebote wurden einem gemeinsamen Aufenthaltsraum vorgezogen.

Simone Mergen
September 2004

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 068
Baujahr1908
EigentümerSynagogen Gemeinde Köln
2. Bauphase 
Baujahr2001-2004
BauherrSynagogen Gemeinde Köln
ArchitektProf. Ulrich Coersmeier, Köln
Fotos vonUlrich Coersmeier
 

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