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Haus Murges

Wohnhausneubau an exponierter Stelle in der Formensprache der klassischen Moderne.
Foto: Jan Kraege



Wohnen

Haus Murges


Ginsterweg 15
50858 Köln
Junkersdorf

Das Haus Murges steht so selbstverständlich an seinem Platz, als würde es dort schon vor Jahrzehnten erbaut worden sein. Die Formensprache der klassischen Moderne ist allseits in den Sehgewohnheiten verankert, so dass der Betrachter im ersten Augenblick einen Vertreter dieser Epoche vor sich zu haben scheint.

Gleichzeitig fremd aber doch der Umgebung zugehörig erscheint das Haus - in gewachsener Struktur und bildet gemeinsam mit einer südlich angrenzenden öffentlichen Grünfläche den Kopf einer kleinen Wohnstrasse.

Flucht und Höhe des Nachbarhauses werden übernommen; die Bauform ist bekannt und die verwendeten Materialien finden sich einen Steinwurf entfernt an der einen oder anderen Fassade - weiß verputzte Wände und Ziegelverblendungen orientieren sich an der gebauten Umgebung, bilden Sockel und Volumen des in seiner Form so heterogen erscheinenden Hauses.
Natürlich schafft die umgebende Bebauung u.a. aus den zwanziger und dreißiger Jahren den vermutlich historischen Kontext; gleichzeitig scheinen sich die Architekten nicht davor gescheut zu haben, eine solche Interpretation zuzulassen.
Diese Vermutung findet sich im Detail der straßenseitigen Fensterteilung bestätigt: Vertikale gegliederte Fensterbänder, die eine Kleinteiligkeit in die Fassade setzen, die man bei einer Bauform aus der Gegenwart nicht vermuten würde.

Auffällig ist der Einsatz der Ziegelflächen, die erkennbar als Sockelmotiv fungieren, in ihrer Höhe variieren und so die Eingänge von Haus, Garage und Einliegerwohnung zusammenfassen. Ziegel markieren auch den einsehbaren, zum grünen Vorplatz gewandten Innenhof als Lochfassade und bilden folgerichtig auch das Material für die Bodenfläche.

Aus den Klinkerflächen entwickelt sich zudem eine Mauer, die sich auf der Grenze über die gesamte Grundstückstiefe erstreckt und so das öffentliche Grün als Vorgarten integriert.

Auch im Inneren des Hauses findet sich ein Detailrepertoire, das an die Klassische Moderne erinnert. Halbhohe mit Eichenholzpaneelen verkleidete Wandflächen rahmen den Blick nach draußen, oder fassen Einbaumöbel und den Treppenlauf. Auffällig die präzise handwerkliche Detailqualität, die den Innenausbau entscheidend mitprägt.

Die schmale Eingangstür bildet mit der folgenden Garderobe eine schmale Passage, hinter der sich die Diele zum nach oben hin öffnet. Quer zur Diele liegt das Wohnzimmer in der Hauptachse des Raumes mit Küche und Hof an seinen Kopfenden. Alle weiteren Ebenen im Haus Murges sind versetzt angeordnet und bieten ein differenziertes Raumangebot.

Zentrales Element, der Kern des Hauses, ist die Treppe. Sie führt als raumgreifende Figur von der Diele zu den versetzt angeordneten Ebenen nach oben, vermittelt Weite und leitet Licht und Blicke durchs Haus. Von der ersten Ebene gehen die Kinderzimmer als separater Trakt ab, die folgende Ebene erschließt den Bereich der Eltern. Am Ende des Treppenweges führt der letzte Treppenabschnitt zu einer Empore, über die man die Dachterrasse betritt.

Die Reduktion auf wenige Materialien im Inneren, unterstreicht das spannende Raumgefüge, belässt die Konzentration bei den Wegeführungen und Lichtwechseln, die klar inszeniert, aber niemals als Effekt gedacht den Wechsel in Richtung, Höhe, Verengung und wieder Weite unterstreichen.


Gregor Steiniger
September 2004

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 067
Baujahr2002-2003
EigentümerFamilie Murges
Bauherrprivat
ArchitektJohannes Götz und Guido Lohmann, Köln
Auszeichnungen* 2005 - Reiners Architekturpreis
* 2005 - Vorbildliches Bauen NRW, Auszeichnung
Fotos vonJan Kraege