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RheinEnergieStadion

Der Neubau zur Fußballweltmeisterschaft 2006: Das RheinEnergieStadion befindet sich im Sportpark Köln inmitten des äußeren Grüngürtels der Stadt, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadtwald sowie wichtigen Freizeit- und Sporteinrichtungen.
Foto: von Gerkan, Marg and Partners



Sonstige

RheinEnergieStadion


Aachener Straße 999
50933 Köln
Müngersdorf

Prestigegewinn, zusätzliche Einnahmen und nicht zuletzt die Schaffung von 15.000 Arbeitsplätzen waren für die Stadt Köln die Hauptgründe zur Errichtung eines Stadions auf dem weitläufigen Gelände des äußeren Kölner Festungsrings. Denn dieses Gebiet stand nun, nach Abschluß des Versailler Friedensvertrags, für eine friedliche Nutzung zu Verfügung.

So entstand ab 1923 auf dem 55 Hektar großen Gelände für fast 50 Mio. Mark die größte Sportanlage Europas, mit einer Hauptkampfbahn und diversen andere Einrichtungen zur Leibesertüchtigung. Und das quasi umsonst, denn mit der Währungsreform im November 1923 verschwand ein Großteil der städtischen Schulden – Köln wurde zum Inflationsgewinnler.

Die herausragende Ausstattung des Geländes inspirierte sogar zu Überlegungen, sich um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1936 zu bewerben. Und verschonte die Anlage vor der Zerstörung im und nach dem 2. Weltkrieg, denn nach der Besetzung des Stadions durch amerikanische Truppen übernahmen zunächst britische und belgische Soldaten den ausgedehnten Sportkomplex zur Eigennutzung.

Den aufgrund der gewachsenen Ansprüche 1972 ausgeschriebenen Wettbewerb zur Errichtung eines zeitgemäßeren Stadions gewannen die Architekten Franz Riepl, Gerd Lohmer und Kurt Schönbohm. Ihr Entwurf einer neuartigen Arena mit frei schwebendem und alle Plätze schützenden Dach wurde innerhalb von drei Jahren realisiert – zu langsam, um noch Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 austragen zu können.

Die heran nahende Weltmeisterschaft 2006 veranlaßte den Rat der Stadt Köln im Jahre 2000 dazu, das Müngersdorfer Stadion in eine moderne Fußballarena zu verwandeln.

Der europaweit ausgeschriebene Wettbewerb forderte Architekten auf, Ideen zu einer Realisierung bei laufendem Spielbetrieb, zur Unverwechselbarkeit für Köln sowie zu Funktionalität und Komfort zu erarbeiten. Mit knappem Ergebnis siegte der Entwurf des Büros von Gerkan, Marg und Partner, zugleich verantwortlich für den Umbau des Berliner Olympiastadions.

Innerhalb von nur zwei Jahren verwandelte sich das alte Müngersdorfer Stadion Stück für Stück in eine multifunktionale Veranstaltungsstätte. Beginnend mit der Südtribüne, erfolgten Abriß und Neubau der vier, insgesamt 52.000 Zuschauer fassenden Tribünen im Uhrzeigersinn. Unterhalb der Zuschauerränge entstanden ca. 17.000qm Nutzfläche, darunter wiederum eine Tiefgarage mit Stellplätzen für Spieler-, Funktionärs- und Zuschauer-PKWs sowie ausreichend Platz für Lieferwagen und Reisebusse.

Die vom ehemaligen Stadtdirektor Alfred Abel errichteten, denkmalgeschützten aber kernsanierten Backsteinkolonnaden am ehemaligen Marathontor bleiben auch weiterhin ein wichtiger Bestandtteil des Komplexes. Gemeinsam mit den axial aufgestellten Leuchtstelen begleiten sie den Zuschauer von der Straßenbahn-Haltestelle zum Stadion und inszenieren den ersten Einblick des Besuchers durch das "Stadion-Fenster" ins Innere.
Die angestrebte Unverwechselbarkeit erhält das nunmehr rechteckige Sport-Bauwerk durch seine vier, jeweils 60m hohen Ecktürme. Zum einen heben diese nachts das Stadion durch ihr Leuchten aus der städtischen Silhouette heraus, zum anderen sind sie integraler Teil der Dachkonstruktion. "Das Aufhängesystem funktioniert wie eine klassische Hängebrücke: zwei parallele Hängeseile tragen die vertikalen Dachlasten zu den Masten am Dachende, diese werden nach außen abgespannt. Um stützenfreie Tribünen ohne jede Sichtbehinderung für die Zuschauer zu erhalten, sind die Einzeldächer entlang ihrer Mittellinie [an den Hängeseilen] aufgehängt."

Zur Gewährleistung eines ungehemmten Rasenwachstums ist die dem Stadioninneren zugewandte Dachfläche verglast, die abgewandte Seite dagegen bleibt geschlossen. Unterhalb der schwebenden Hängekonstruktion ruhen die Fertigteiltribünen auf einem Betongerüst, das durch seine offene Bauweise, seine klare Linie sowie die Materialwahl die rechtwinklige Grund- und Aufriß-Geometrie des Baus unterstreichen soll.

In dieses Gerüst sind sämtliche infrastrukturelle Einrichtungen integriert. Das sind neben etwa der Stadionregie, den Räumen für Fanprojekte und der Verwaltung des 1.FC Köln insbesondere die VIP-Lounge und die sogenannten Logen. Hier kann der Kunde für eine Saisonmiete von bis zu 95.000 € jedes Heimspiel gut sehen und gesehen werden – die Ausstattung der Räumlichkeiten wird im Vergleich zum Spieler- und Pressebereich auch gehobenen Ansprüchen gerecht.

Die Namensrechte am insgesamt fast 120 Mio. € teuren Komplex, sicherte sich bis 2009 die GEW RheinEnergie. Während der WM 2006 wird die neue Arena aus rechtlichen Gründen allerdings wohl ganz banal auf den Namen "Stadion Köln" hören.

Ulrich Grützner
August 2004

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 066
Baujahr1923
EigentümerKölner Sportstätten GmbH
2. Bauphase 
Baujahr2002-2004
Architektvon Gerkan, Marg und Partner, Aachen, Statik: Schlaich Bergermann und Partner, Stuttgart
Auszeichnungen* 2001 - 1. Preis Wettbewerb RheinEnergieStadion, Köln
* 2005 - IOC/IAKS Preis für Sportanlagen, Bronze-Medaille
Fotos vonvon Gerkan, Marg and Partners