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Vulkan.Köln

Auf einer 25.000 qm großen Brache eines ehemaligen Industriestandortes entstand ein "Dienstleistungszentrum für expansive Unternehmen".
Foto: Ulrich Grützner



Verwaltung & Büro / Wohnen

Vulkan.Köln


Lichtstraße 43
50825 Köln
Ehrenfeld

Namen wie "Lichtstraße" oder "Heliosstraße" sind Zeugnisse der Geschichte des Ehrenfelder Lichtviertels. Die Firma Helios etwa produzierte hier Leuchttürme für die ganze Welt. Und in den benachbarten Vulkanwerken entstanden anläßlich der Werkbund-Ausstellung von 1914 die Kandelaber für die Beleuchtung des Deutzer Rheinufers. 1928 wurde hier die Beleuchtung der Kölner Stadtskyline im Rahmen der legendären Pressa geplant.

1909 hervorgegangen aus der "Actien- Gesellschaft für Gas und Electrizität" und der "Rheinischen Vulkan-Chamotte- und Dinaswerke mbH", beschäftigte die Aktiengesellschaft Vulkan in ihren besten Tagen 500 Menschen. In den diversen Produktionshallen und Verwaltungsgebäuden entstanden komplette Gießeinrichtungen für Eisen und Stahl, Zerkleinerungsmaschinen für Kohle und Koks, sowie Armaturen und Apparaten für Gaswerke.

Nach der bis in die 1990er Jahre hinein anhaltenden schrittweisen Verlagerung der Produktion ins Ausland und an andere deutsche Standorte, verfielen die denkmalgeschützten und für Industriebauten der vorletzten Jahrhundertwende typischen Backsteingebäude aufgrund geringer oder falscher Nutzung zunehmend.

Bestand zur Rettung des wertvollen Gebäudebestandes zunächst die Idee der Ansiedlung einer Medienhochschule NRW, übernahm schließlich im November 2001 die Vulkan Grundstücksgesellschaft die 25.000 qm große Brache mit der Absicht, den ehemaligen Industriestandort in ein "Dienstleistungszentrum für expansive Unternehmen" zu verwandeln.

Die Vermarktungsstrategie der vier Gesellschafter folgte der Einsicht, "daß langfristig nur Konzepte Bestand haben, deren Mietermix branchenspezifisch verknüpft und synergieorientiert ausgewählt wird". Die räumliche Nähe von klassischen Dienstleistungsbranchen, wie etwa Rechtsanwälten, und zeitgenössischem Gewerbe, wie Eventmanagement oder Catering, sollten dabei dem "Bedürfnis der potenziellen Mieter nach vernetzten Wertschöpfungsketten" entgegenkommen.

Auf Grundlage der Umnutzungsplanungen des Architekturbüros b&k+ begann man ganz konkret mit dem Abriß einzelner, nicht schützenswerter Gebäude. So wurde eine bessere Sicht auf denkmalgeschützte Gebäude ermöglicht und zugleich mehr Großzügigkeit geschaffen. Ein Großteil des Geländes besteht heute aus autofreien Straßen und Plätzen, einem Bouleplatz sowie einem denkmalgeschützten Park.

Dabei wurde an dem Ort, wo "Schweiß und Blut flossen", bewußt auf Grün verzichtet. Der zentrale Platz etwa besteht komplett aus Beton, der teils erhaltene Baumbestand wurde um nur wenige heimische Gehölze und Pflanzen ergänzt.
Mit dem gezielten Hinzufügen von Neubauten beabsichtigten die Investoren einerseits, dem Ensemble eine Unverwechselbarkeit zu verleihen. Andererseits wurde das Areal so in die heutige Zeit transportiert. Denn die insgesamt 17.000 qm Mietfläche können in 200 bis 2.000 qm große, flexible Einheiten unterteilt werden und verfügen über die unterschiedlichsten räumlichen Qualitäten.

Das beginnt bei der gewöhnlichen Altbau-Büroetage für ein Handelsunternehmen, geht über acht Meter hohe Maisonette-Lofts für ein Film- und Fotoatelier, bis hin zum Studio für einen Maßschneider, der sein Nordlicht über ein Sheddach erhält.

Selbst vor der unüblichen Umnutzung eines aus den 1970er Jahren stammenden Bürohauses, der sogenannten "Waschbetonbude", schreckten die Investoren nicht zurück. Mit Hilfe des Büros Busse & Geitner wurde dieses Gebäude mittels 350 Tonnen Beton statisch fit gemacht für eine Glas-Stahlbeton-Aufstockung.

Komplettiert werden soll das Gesamtensemble in Kürze mit dem Bau des "Terrassenhauses". Obschon auf dem Gelände von Seiten der Behörden ursprünglich nur Gewerbemieter zugelassen waren, erteilte die Stadt die Genehmigung zum Bau eines Hauses, in dem Wohnen und Arbeiten sehr eng verknüpft sein sollen. Für zukünftige Mieter soll hier das Büro zur Wohnung, die Wohnung zum Büro werden.


Mai 2004
Ulrich Grützner

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Objekt-Daten

ObjektnrProjekt # 065
Baujahrseit 2001
EigentümerVulkan Grundstücksgesellschaft mbH & Co. KG
BauherrVulkan Grundstücksgesellschaft mbH & Co. KG
ArchitektBusse & Geitner, Düsseldorf
Fotos vonUlrich Grützner; Thomas Walten; Graphik von Josek Designc