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doenges

Mal etwas Anderes als die übliche Tristesse von Gewerbegebieten
Foto: Michael Reisch


Industrie & Handel

doenges


Pasteurstraße 1 a
50735 Köln
Niehl

Die Pasteurstraße unweit des Niehler Hafens bindet Bauten unterschiedlicher Funktionen, Entstehungszeiten und Stile zusammen. Das markanteste Objekt der Gegend ist der nahegelegene Glasbau des DuMont Medienzentrums. Seit 2003 hat dieser in Puncto lichtdurchflutete Arbeitsplätze Konkurrenz bekommen. Der neue Nachbar ist der Fabrikations- und Verwaltungsbau der Firma Dönges. Mit ihm ist es Arno Brandlhuber gelungen, die Tristesse typischer Gewerbegebietes buchstäblich wegzufiltern.

Sie kennen vielleicht die Geschichte von dem Bildhauer, der gefragt wird, ob es nicht schwierig sei, den Körper eines Menschen aus Stein zu hauen. Der weise Künstler entgegnet daraufhin, es sei im Gegenteil sehr leicht, denn man müsse vom Marmorblock einfach nur das wegnehmen, was nicht nach menschlicher Gestalt aussieht.

Ein Verfahren ähnlicher Art praktiziert das Team von Arno Brandlhuber, b&k+: Die Randbedingungen dienen als Ausgangspunkt des Entwurfs. Baunormen, Abstandsflächen, Nutzungsbedingungen, statische Notwendigkeiten sowie die zur Verfügung stehenden Finanzmittel bilden hierbei die Grenzen des Machbaren. Wenn auch der Vergleich nicht ganz stichhaltig ist, - schließlich bleibt ja nicht einfach ein Gebäude übrig, sondern muss daraufhin erst geschaffen werden, erklärt er dennoch die grundlegende Idee, nach der bei Brandlhuber & Co gearbeitet wird.

Es geht um den Ausschluss des Unmöglichen, um das Mögliche zu entwickeln. Wo keine Sachzwänge bestimmend sind, gibt es Nischen für einen spielerischen Umgang. Ob dieses Verfahren zu gelungener Architektur führt, muss im Einzelfall überprüft werden. Hier entstand nach dieser Methode ein Gewerbeobjekt, das von einem Unternehmen zur Glasbe- und -verarbeitung in Auftrag gegeben wurde und in den das Architekturbüro selbst als Mieter eingezogen ist.



Weiter Projekte des Büros
b&k+ Brandlhuber GmbH & Co. KG:
-> Wohn- und Atelierhaus Am Kölner Brett
-> Stavenhof 20

Die Menge des verwendeten Glases dient dem Bauherrn als Werbeträger, ihre Vielfalt verschafft dem Architekturbüros Aufmerksamkeit. Es wurden über zwanzig verschiedene Glasarten verbaut. Diese unterscheiden sich nicht nur in ihrer Farbigkeit, sondern sie differieren auch nach Energiedurchlassgrad, Belastungsfähigkeit und Preis.
Zur Belüftung dienen intransparente Zonen mit Metallklappen, die so schmal gehalten sind, dass sie keine Sicherheitsbrüstung erforderlich machen. Die Außenhaut ist daher absolut plan.

Die Verteilung der getönten Scheiben, wie auch die Zuordnung der isolierenden bzw. wärmedurchlässigen Glassorten, folgt den Berechnungen eines Computerprogramms.
Der Parameter für „unliebsamer Nachbar“ wurde für die Westseite der Fassade eingegeben. Dort befindet sich die Rampe zu Tiefgarage und auf dem Nachbargrundstück schließt sich Firmen- und Wohnhaus an. Hier fand Milchglas Verwendung, um den Sichtkontakt zu unterbinden.

Für 25 % der Fassadenfläche wurde gefärbtes Glas verwendet. Psychologische bzw, Arbeitsphysiologische Gesichtspunkte sprachen für die Farbe Grün, denn sie verschafft dem Auge notwendige Erholungsmomente. Die grünen Scheiben ersetzen im Inneren Pflanzen und kompensieren im Außenbereich den fehlenden Blick in die Natur.

An den Stellen, an denen mehrere gleichwertige Lösungen möglich waren, oblag die Wahl einem Zufallsgenerator. Letztlich wurden mit Hilfe des Simulationsprogramms nicht allein Lichteinfall, Wärmedämmung und Sichtschutz des Gebäudes sondern auch die Materialkosten optimiert.
Auf L-förmigem Grundriss wurde die Mischung aus Fabrikationshalle, Lager und Verwaltung errichtet. Die dreigeschossige Halle, die von LKW befahrbar ist, ist das Herzstück des Stahlskelettbaus. Sie dient der Lagerhaltung und Zurichtung von Gläsern und erhält von allen Seiten Licht. Denn das Thema Glas bestimmt nicht nur die Nutzung sondern auch die Fassade, die aus Scheiben unterschiedlicher Größe, Qualität und Farbe zusammengesetzt und dem Tragwerk vorgehängt ist. Die Innenwirkung gleicht damit eher einem Gewächshaus, denn einer Fertigungshalle und besitzt eine ebenso lichte wie einladende Atmosphäre.

Es gibt sechs Mietbüros. Jedes umfasst ein Geschoss. Sie sind als großzügige Arbeitsräume angelegt, lassen sich durch Zwischenwände jedoch auch kleinräumiger nutzen. Die Büroetagen werden über zwei Erschließungskerne zugänglich gemacht, die sie auch mit der geräumige Tiefgarage verbinden.

Im Untergeschoss korrespondieren schräggestellte Betonpfeiler mit dem Verlauf der Stahlstützen der oberen Geschosse. Den Brandschutzauflagen wird die Konstruktion durch eine eingebaute Sprinkleranlage gerecht. Wie die rechteckigen Glasflächen die Fassade prägen, bilden im Inneren die Stützen ein durchgängiges Gestaltungselement.

Auch die östliche Außenwand ist nicht rechtwinklig angelegt sondern lässt im oberen Teil mehr Abstand zur benachbarten Bebauung. Gestalterische Gründe spielten hierbei nicht die ausschlaggebende Rolle, vielmehr ist der Neigungswinkel ist ein Ergebnis der Entwurfsmethode, der den vorgeschriebenen Abstandsflächen Rechnung trägt.


Petra Metzger
Februar 2004

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 63
Baujahr2003
EigentümerJ. und H.G. Dönges
BauherrJ. und H.G. Dönges
Architektb&k+ Brandlhuber GmbH & Co. KG
Fotos vonMichael Reisch; Graphiken von b&k+ Brandlhuber