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Hofbebauung Krieler Strasse

Die geschickte Mischung aus gemeinschaftlichen und privaten Flächen erzeugt eine Balance zwischen Zurückgezogenheit und Gemeinschaft.
Foto: Carola Kohler


Wohnen

Hofbebauung Krieler Strasse


Krieler Strasse 109
50935 Köln
Lindenthal

Auf einem ehemaligen Gewerbeareal im Kölner Stadtteil Lindenthal bilden zwei renovierte Altbauten und zwei neue Doppelhäuser, gruppiert um einen Innenhof, ein vielschichtiges Ensemble auf der Suche nach einer neuen Wohnform. Denn wo normale Straßenzüge als soziale Räume immer mehr an Bedeutung verlieren, war es für die Architekten wichtig über innovative Möglichkeiten des Zusammenlebens und neue Formen sozialer Gemeinschaften nachzudenken.

Ein altes Blockrandgebäude wurde renoviert, in seinem großen Garten entstand aus der Kombination von fünf Gebäuden mit vier verschiedenen Wohnungstypen, trotz dichter Bebauung, ein Wohnanlage mit verblüffenden Qualitäten. Der entstandene Hof, mit einer heiteren, fast mediterranen Atmosphäre, ist von der Straße nahezu abgeschlossen und bietet neben einigen Parkplätzen genügend Raum für Spiel und Kommunikation der Bewohner. Die geschickte Mischung aus gemeinschaftlichen und privaten Flächen erzeugt eine Balance zwischen Zurückgezogenheit und Gemeinschaft, die einerseits die Individualität wahrt und andererseits die Bildung von Zugehörigkeitskreisen ermöglicht.

Auf dem Grundstück entstanden vier verschiedene Wohnungstypen: Ein straßenbegleitende Altbau, mit vier Wohneinheiten. An der östlichen Grundstücksgrenze ein bestehendes Backsteingebäude, früher als Büro genutztes, das in eine Einfamilienwohnung umgewandelt wurde. Zwei identische "Loftgebäude“ in Holzbauweise und zwei "Atriumhäuser", von denen jedes über eine Wohnfläche von 300 qm, inklusive einer Einliegerwohnung verfügt.

Die Bauweise der Neubauten ist eine Massivholzkonstruktion. In mitten der Stadt erfüllen die verschiedenen Außenmaterialien den Wunsch nach Individualität auf engstem Raum und machen den Reiz des ehemaligen Gewerbeareal aus.

Die Klassifizierung der Neubauten im Hof der Krieler Strasse 109 entzieht sich der herkömmlichen Typologie. Folgt man der Beschreibung der Architekten handelt es sich "um Atrium- und Lofthäuser". Entstanden sind zweimal zwei Bauten als Reihenhäuser bzw. Doppelhaushälften gleicher Bauart.

An der Nordwestseite der Hofanlage wurden zwei nebeneinander geschaltete identische Einfamilienhäuser, mit horizontaler Lärchenholzverschalung entwickelt. Die sogenannten Lofthäuser, offiziell eingeschossig, verfügen im Inneren über fünf Ebenen, einschließlich des Dachgartens, die von außen nicht ohne weiteres ablesbar sind. Die räumliche Qualität und Vielfalt besteht aus multifunktionalen Innenräumen, die einfach zu variieren sind, und kleinen, intensiv zu nutzende Außenflächen. Um die Nasszellen gruppieren sich als Prinzip Splitlevel, Wohn und Individualräume. Klarglasplatten im Fußboden sorgen für viel Licht und Transparenz.

Augenscheinlichster Kunstgriff der Ebenendifferenzierung ist ein Graben entlang der äußeren Längsseite, der das Souterrain belichtet. Vom Hof zu den Gebäudeeingängen spannen kleine Stege den Weg. Nur hier gibt das Lofthaus ein wenig von seinem Innenleben zur Hofseite preis und lässt Einblicke in die Erschließungsebene zu. Ansonsten schirmt sich die Nordfassade weitgehend ab; die Südfassade hingegen öffnet sich zu einem kleinen intimen Garten und lässt Sonne ins Haus.
Ein kompakter mit glatten Aluminiumpanelen beplankter Baukörper bildet die Westkante des Blockinneren und schließt die Hofanlage an der straßenabgewandten Seite ab. Zum Blockinneren zeigen sich die Fassaden der beiden Atriumhäuser verschlossen. Nur extrem schmale Fensterschlitze erinnern daran, ein Wohnhaus zu sein. Geometrisch klar definierte Dachaufbauten, Glaskuben im Staffelgeschoss, ermöglicht seinen Bewohnern jederzeit den Blick in den gemeinschaftlichen Außenraum und über die benachbarten Dächer.

Gleichzeitig begründen die Glaskuben die Bezeichnung der "Atriumhäuser": das einfallende Licht reicht bis ins Parterre hinunter und sorgt für angenehme Helligkeit. Hinter der Aluminiumhaut entwickeln sich ebenfalls als Splitlevel die Wohnebenen rund um das gläserne, bambusbewachsene Atrium und lassen vielfältige Blickachsen innerhalb des Hauses zu.

Je zwei Treppenhäuser und zwei Eingänge ermöglichen die Zusammenschaltung unterschiedlicher und unabhängiger Wohnbereiche. Zur Zeit sind in beiden Häusern Einliegerwohungen eingerichtet, die jeweils von den Großeltern bewohnt werden. Trotz, oder wohl gerade seiner Offenheit wegen ein Generationenhaus.

Die unterschiedlichen Materialen der Baukörper: weißer Putz, Ziegelmauerwerk, Lärchenholz und Aluminium korrespondiert über den Kontrast zwischen alt und neu, horizontal und vertikal, massiv und transparent; keine klassische Kölner Hinterhofbebauung, sensibel saniert und erweitert. Ob die gemeinsamen Kontakt- und Spielflächen, in Kombination mit einem kollektiven Grundbesitz ausreichen, um die Entwicklung einer Gemeinschaft zu fördern muss das Projekt in den nächsten Jahren beweisen. Architektonisch jedenfalls, hat es nach anfänglich zähem Ringen mit den umliegenden Anwohner, seinen Platz im bürgerlichen Lindenthal gefunden.


Gregor Steiniger
März 2003

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 59
Baujahr2001
Eigentümerprivat
BauherrBauherrengemeinschaft
ArchitektPablo Molestina, Gruppe mdk köln
Fotos vonCarola Kohler
 

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Überlingerstraße