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Juweliergeschäft Ehinger-Schwarz

An Stahlseilen aufgehängte Scheiben aus ungefärbtem Beton beherbergen die ausgestellten Objekte.
Foto: Tomas Riehle


Industrie & Handel

Juweliergeschäft Ehinger-Schwarz


Neumarkt 1 c
50667 Köln
Innenstadt

Das denkmalgeschützte Gebäude aus den 30er Jahren wurde nach Kriegszerstörungen wiederaufgebaut. Das Erdgeschoss beherbergt zwei Ladenlokale und dazwischen eine Passage, die das Gebäudeinnere erschließt. Die linke Seite diente über Jahrzehnte als Ausstellungsraum der Domgalerie. 1992 entstand hier das Juweliergeschäft der Firma Ehinger-Schwarz nach einem Entwurf von Reinhard Angelis.

Es handelt sich um einen langgestreckten Raum, wobei Eingangstür und Innenaufteilung so angeordnet sind, dass die Raumbreite betont wird. Zwischen zwei Schaufenstern, die im Inneren eine asymmetrische Rundung bilden, liegt der Eingang.

Man betritt den Raum nicht im rechten Winkel, sondern folgt der Raumdiagonalen. Linkerhand der Tür setzt sich das Schaufenster über einem Betonsockel als Vitrine fort. Gegenüber befindet sich eine halbhohe Verkaufstheke. Das Entrée ist in blau gehalten. Die farbliche Gestaltung des sonstigen Verkaufsraums ist sehr zurückgenommen. Es dominieren Naturtöne: grau, beige und sand.



Vier Stahlprofile führen unterhalb der Deckenkonstruktion aus Metallgittern von Wand zu Wand. Sie durchschneiden den Raum in einer Schräge. Die Profile tragen die an Stahlseilen aufgehängten Scheiben aus ungefärbtem Beton.

In diese sind Rechtecke eingeschnitten. Darin werden - durch Glasscheiben geschützt - die Kleinode präsentiert. Ein integriertes Beleuchtungssystem setzt den Schmuck in Szene.

Die neun Betonvitrinen sind nicht nur origineller Präsentationsort. Sie erfüllen zudem eine räumliche Funktion, denn sie unterteilen die Ladenfläche.

Die schwebenden Blöcke bilden einzelne Kojen und schaffen einen intimeren Rahmen für Verkaufsgespräche. Betonsockel mit Glasplatten bilden Verkaufstische; davor laden schlichte Sessel zur Begutachtung der Schmuckstücke ein.

Die unbehandelten Betonscheiben sind als Raumteiler flexibel nutzbar, denn sie hängen an verschiebbaren Metallgleitern. So lassen sich unterschiedliche Raumwirkungen erzielen, je nachdem, in welchem Winkel und in welcher Anordnung sie fixiert werden. Die Stellung der Betonvitrinen lässt sich von Hand verändern. Die Umgruppierung wird immer dann vorgenommen, wenn die neuen Schmuckkollektionen vorgeführt werden.
Der Verkaufsraum erhält durch die Betonscheiben seinen eigenwilligen und unverwechselbaren Charakter. Sie verleihen dem Ladenlokal etwas archaisch, höhlenartiges. Die glatte Oberfläche zeigt bei näherer Betrachtung Risse und Lufteinschlüsse. Diese Störungen sind belassen, denn sie tragen zur beabsichtigten Wirkung bei.

Der Raum bezieht seinen Charme aus den Gegensätzen. Die Betonplatten mit den Objektkästen kontrastieren Rohes und Ungeschliffenes mit Filigranem. Hier der matte, unbehandelte Beton, dort die fein gearbeiteten, glänzenden Kleinode aus Gold, Perlen und Edelstein.

Die kantigen Blöcke stehen zudem in Kontrast zu der Rundung des Eingangsbereiches. Ihre Schwere wird konterkariert durch die schwebenden Anbringung. Das spannungsreiche Konzept dieses Juwelierladens geht auf. Raum- und Licht- und Schmuckinszenierung greifen ineinander, so dass das eine die Wirkung des anderen steigert.

Petra Metzger
September 2003

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 056
Baujahr1992
EigentümerEhinger-Schwarz GmbH + Co KG
BauherrEhinger-Schwarz GmbH + Co KG
ArchitektReinhard Angelis Büro für Architektur + Gestaltung
AuszeichnungenKölner Architekturpreis, Anerkennung
Fotos vonTomas Riehle
 

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