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Victoria-Ensemble

Beeindruckend baut sich vor dem Betrachter ein Gebirge aus Glas auf - dennoch leicht und elegant.
Foto: Rainer Mader


Verwaltung & Büro

Victoria-Ensemble


Sachsenring 81-85
50677 Köln
Innenstadt

Es ist keine Störung der eigenen Wahrnehmung, wenn man vor dem Victoria-Ensemble steht und denkt, den gestrigen geselligen Abend doch besser vorher beendet zu haben. Da kippt doch was... was eigentlich nicht sein kann, da die Bauvolumen des Ensembles doch geradezu euklidischer Herkunft zu sein scheinen.

Beeindruckend baut sich vor dem Betrachter ein Gebirge aus Glas auf - dennoch leicht und elegant. Drei Baukörper bilden das Ensemble; ein transparenter Doppelzylinder als Blickfang - gemeinsam mit den anderen Baukörpern präsentiert auf einem flachen Tablett aus hellem Granit mit flächenbündigem Wasserbecken - bildet das Entree. Als Prospekt erhebt sich dahinter das große, quadratische Glasvolumen, das bis zur Lothringer Straße reicht. Der rechtwinklig zum Ring stehende Riegel aus schwarzem Granit markiert den Abschluss zur Nachbarbebauung.

Der Doppelzylinder und gerade das vermeintlich rechtwinklige Glasvolumen sind strenggenommen keine solchen, da sie sich beide im Umfang verjüngen: der eine nach unten, der andere nach oben - nur der aufrechte, massive schwarze Block spielt dieses Spiel nicht mit.

Spannung und Raum werden nicht nur im Binnenbereich des Ensembles aufgebaut; die unmittelbare Nachbarschaft verlangt ebenso nach respektvoller Behandlung.
Der selbstbewusste schwarze Riegel stellt sich klar dem Langbau von Egon Eiermann (Bauleitung seinerzeit: O.M. Ungers) entgegen, um zusammen mit dem zweiten Großvolumen aus Glas den Raum für den Zwillingszylinder zu bilden und auf der gegenüberliegenden Seite der heterogenen Struktur des Institut Francais (Wilhelm Riphan) Luft zu lassen.

Nutzer der Büroräume sind neben Anwaltskanzeleien ein großer US-Energiekonzern.

Der Zwillingszylinder (oder Doppelturm) bezieht seine Gestalt nicht aus rein formalen Gedanken, sondern bildet eine Ableitung der umgebenden Stadtgeschichte. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Verlauf der historischen Stadtmauer mit ihren erhaltenen Fragmenten. So zitiert der Doppelturm das Bild des Stadttors, ordnet sich durch die Fassade eindeutig seiner Gebäudefamilie zu und bildet den Auftakt zu dem großen, transparenten Glaskubus im Hintergrund.

Der gläsern umhüllte Kubus gibt in seiner Mitte einen hellen und geräumigen Patio frei, der Tageslicht hinab bis ins Untergeschoss mit Schulungsräumen sowie einer farbig gestalteten Edelgarage sendet.
In diesem Bauteil befinden sich die Bürozonen und ein großer Lichthof im Inneren. Da die tragenden Wände gelöst von der Außenwand im Inneren des Gebäudes stehen, ermöglicht dies, die Stahl-Glas-Fassade leicht nach außen zu neigen und als Konvektionsraum zu nutzen, um Heiz- bzw. Kühlenergie zu sparen.

Als Nachbar zum Langbau von Egon Eiermann und in der Flucht des großen Glaskubus stehend, bildet die schwarz ummantelte Bürohausscheibe den einzigen Bau mit einer klassischen Lochfassade. Dies allerdings mit flächenbündig eingesetzten, quadratischen Fenstern nebst aufwendigem Edelstahlrahmen.

Unterstützt wird die Dramaturgie der fallenden, kippenden, stürzenden und aufeinander zulaufenden Gebäudelinien und -kanten durch die absolute Reinheit der Bauwerke: keine störenden Traufen, Sockel oder Regenrinnen trüben das Bild der eleganten Gebäude. Die Materialien sind reduziert und kraftvoll eingesetzt - mit Zitaten zum jeweiligen Nachbarn.
Vollendet wird diese Inszenierung durch eine sich zur Nachbarschaft abgrenzenden Geste: alle drei Körper sind der gemeinsamen Bodenplatte messerscharf aufgesetzt.

Gregor Steiniger
September 2003

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 052
Baujahr1996
EigentümerVictoria Lebensversicherung AG
BauherrVictoria Lebensversicherung AG
Architektvan den Valentyn Architektur
Auszeichnungen2000 - Kölner Architekturpreis
Fotos vonRainer Mader
 

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