BAUWATCH Impressum Kontakt Sitemap koelnarchitektur.de

Das Zeitcafé im Kölner Hauptbahnhof

Soviel Domblick wie möglich: Der zierliche Baukörper durchbricht die Glasfront der Eingangshalle von 1957, die sich mit elegantem Schwung zum Dom hin öffnet.


Freizeit

Das Zeitcafé im Kölner Hauptbahnhof


Trankgasse 11
50667 Köln
Innenstadt

Mit dem Umbau des Kölner Hauptbahnhofs zur Einkaufsmall mit Gleisanschluss bezog Anfang 2002 das Zeitcafé die 60 Quadratmeter Fläche des einstigen Blumenladens. Damit liegt es direkt unter der Bahnhofsuhr aus blauen Leuchtröhren.

Das gastronomische Konzept nimmt auf den markanten Zeitmesser Bezug und führt die Tradition des Standortes fort. Denn der Blumenladen war jahrzehntelang DER Treffpunkt des Hauptbahnhofes. Der zierliche Baukörper durchbricht die Glasfront der Eingangshalle von 1957, die sich mit elegantem Schwung zum Dom hin öffnet.

Gemäß den Auflagen des Denkmalschutzes folgt der Korpus des Zeitcafés exakt der Vorgängerarchitektur. Ziel war es, ein Café mit so wenig Wandfläche wie nötig und so viel Domblick wie möglich zu schaffen. Selbst die Dachfläche des Pavillons sind mit seitlichen Glasbahnen versehen, Leitungen und Punktlichtkörper sind mittig in einer weißen Gipskartondecke untergebracht.

Wie die Decke gliedert sich der gesamte Raum in drei Bahnen. Das gilt auch für die Glasfronten, die sich zur Domplatte und zum Bahnhofsinneren öffnen. Sie sind mittig mit Schiebetüren versehen. In beide Richtungen ist das Café Durchblick und Durchgang in einem. Auf der Domseite führt eine Wendeltreppe hinab und erschließt Lagerflächen im Kellergeschoss. Dem Glasbau vorgelagert ist eine Zone mit Außengastronomie.

Die Ausstattung nimmt das Dreierschema auf und gliedert sich in Ausschank, Durchgang und einer Sitzbank aus schwarzem Leder, die über die gesamte Länge des Pavillons reicht. Davor sind zehn Tische und ebenso viele Bahrhocker angeordnet. Die Tische sind als Zwillingstische angelegt. Sie greifen den Farb- und Materialmix des Interieurs auf. Zwei Holzquadrate mit einem kleineren Innenquadrat aus poliertem schwarzen Granit sind durch eine schmale Metallfläche verbunden und ruhen auf Stützen aus mattiertem Edelstahl.

Das Schwarz der Sitzpolster und der Tischplatten und das Dunkelbraun des Wenge-furnierten Mobiliars dominieren den Raum farblich. Dennoch wirkt er licht, wozu auch die indirekte Beleuchtung, die in Sockelhöhe den Durchgang erhellt, beiträgt. Das klare Raumkonzept und die Verwendung klassischer Formen verleihen dem Innenraum wohltuende Ruhe. Die sanfte Lichtführung sorgt für eine angenehme Atmosphäre. So wirkt das Zeitcafé sachlich, aber nicht kühl.
Drei kleine Dreiecke dynamisieren die schlichte typografische Gestaltung des Logos. Es ist allgegenwärtig: Auf der Kleidung der Angestellten, der Angebotskarte, den Bierdeckeln und als Leuchtwerbung über den beiden Zugängen. Die Speisenkarte enthält Sinnsprüche und Zitate zum Thema Zeit und informiert zum Beispiel darüber, dass eine Minute die durchschnittliche Zeit ist, die das Blut benötigt um im Ruhezustand einmal durch den Körper zu zirkulieren.

Die Mischung aus Café und Barkonzept trägt dem Standort Rechnung und lockt nicht nur Bahnhofsnutzer sondern auch Passanten. So findet das vielfältige Spiel mit der Zeit seinen Kontrapunkt in der Einladung zum Verweilen. Trotz des unvermeidlichen Trend-Angebots von Coffee-to-go, wirkt es damit auch angenehm zeitlich – wie ein Relikt aus der Ära, als man seinen Kaffee noch mit Muße im Sitzen zu trinken pflegte.


Petra Metzger
August 2003

Zurück

Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 048
Baujahr2002
EigentümerStockheim Hbf-Köln GmbH
BauherrStockheim Hbf-Köln GmbH
ArchitektHAGATEC GmbH & Co. KG / Dipl.-Ing. Gerhard Kaltwasser
Fotos vonPeter Leenders; hagatec
Besichtigung7 Uhr bis 22 Uhr