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Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud

Aus Liebe zum Quadrat - die Handschrift von Ungers ist innen und außen lesbar.
Foto: Stefan Müller


Kunst & Kultur

Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud


Obenmarspforten
50667 Köln
Innenstadt

Das Wallraf-Richartz-Museum, Keimzelle der Kölner Museumslandschaft, benötigte nach dem Anwachsen der eigenen Sammlungen sowie der Bestände des Museum Ludwig eine neue Unterkunft. Nach der ersten Station An der Rechtschule (heute Museum für Angewandte Kunst) und der Unterbringung im Neubau von Busmann + Haberer unterhalb des Doms haben die Sammlungen nun im Zentrum der Kölner Altstadt eine dauerhafte Bleibe gefunden. Den 1996 ausgelobten Wettbewerb für einen Neubau zwischen dem sogenannten Rathauspatz und der Kriegsruine St. Alban gewann der Kölner Architekt Oswald Mathias Ungers.

Der Neubau steht auf historischem Grund und ist von zahlreichen architektonischen Zeugen der jahrhundertealten Geschichte dieses Ortes umgeben. Ungers sieht das Kunstmuseum als Teil der via culturalis, die die archäologischen Spuren der Stadtgeschichte zwischen St. Maria im Kapitol und Dom zugänglich machen soll. Ausgrabungen eines römischen Tempels und mittelalterliche Kellergewölbe können im Untergeschoss des Museums besichtigt werden. Auch überirdisch setzt der Neubau sich mit den verschiedenen Zeitschichten des Ortes auseinander und integriert diese mit zahlreichen Sichtbezügen in den Museumsbesuch. Der massive Kubus erscheint als Pendant zum Gürzenich und schließt die Bebauung dieses Altstadtblocks ab.

Das Museum besteht aus zwei Gebäudeteilen: an die Kirchenruine St. Alban schließt der Verwaltungstrakt mit Graphischer Sammlung, Büros, Werkstätten und Stiftersaal mit 300 Sitzplätzen an. Das verglaste Treppenhaus verbindet diesen dreifach gestuften Bau mit dem Kubus. Es greift den Verlauf der Gasse
"In der Höhle" auf und stellt damit eine Verbindung zur Wohnadresse von Stefan Lochner, dem berühmtesten Kölner Maler des Mittelalters, her.

Im Kubus sind im Erdgeschoß das großzügige Foyer, in den drei Obergeschossen die Dauerausstellung und im Untergeschoß Raum für Sonderausstellungen untergebracht. Die Ausstellungsfläche beträgt 3.300 qm, weitere 800 qm stehen für Sonderausstellungen zur Verfügung.

Der strengen und klaren Struktur der Architektur entsprechend erfolgt die Epocheneinteilung nach Geschossen: Jede Ebene organisiert den Rundgang durch die Kabinette um einen zentralen Raum. Die Leichtbauwände sind flexibel einsetzbar, die Technik wurde in den Außenwänden untergebracht, so dass eine Neugestaltung der Raumaufteilung möglich ist. Im ersten Geschoss finden die Tafelbilder der mittelalterlichen Malerei vor Wänden in Terrakotta-Rot einen Platz. Die Malerei des Barock kann im zweiten Geschosse vor Wänden in Veroneser-Grün betrachtet werden, die Gemälde des 19. Jahrhunderts hängen im dritten Obergeschoss auf Carrara-Grau. Mit der Farbgebung haben die Kunstwerke des Wallraf-Richartz-Museums eine unverwechselbare Präsentation erhalten. Die aufwändige Gestaltung als Putzfresko entspricht dem hohen Qualitätsanspruch, mit dem Materialien im gesamten Bau verarbeitet wurden. Auch das dunkel gebeizte und geräucherte Eichenparkett in den Ausstellungsebenen und der Natursteinboden im Foyer unterlagen diesen Anforderungen.
Die Außenwirkung des Museums ist von dem massiven Kubus mit der Fassadengestaltung mit Sandstein aus der Eifel bestimmt. Die Fläche wird von Schiefertafeln unterbrochen, in die der Künstler Ian Hamilton Finlay die Namen der in den Sammlungen vertretenen Künstler eingemeißelt hat.

Die Einladung an die Außenwelt erfolgt durch die transparente Öffnung des Foyers mit Fenstern nach drei Seiten. Auch im Innern unterbrechen Sichtbezüge zur Außenwelt die Betrachtung der alten Meister. Die gestaffelte Fassade des Verwaltungstrakts wurde ebenfalls mit Fenstern versehen, die den Blick auf den Dom ermöglichen. Im Stiftersaal ermöglicht eine große Fensterfront den Blick in die Kirchenruine St. Alban. Fenster an der Nordostecke integrieren in jedem Geschoss Bilder der gegenwärtigen Stadt in den Museumsbesuch.

Lichtdecken schaffen ein gleichmässiges Oberlicht, das an Tageslicht erinnert. Ebenso wie die Bodengestaltung sind die Quadraturen der Decke an dem einheitlichen Rastermaß von 96 cm Kantenlänge orientiert, das O.M. Ungers von der Vierung St. Albans abgeleitet und allen Teilen des Gebäudes zugrundegelegt hat.

Simone Mergen
August 2003

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 041
Baujahr1996-2000
EigentümerStadt Köln
BauherrStadt Köln
ArchitektProf. O.M. Ungers
Fotos vonStefan Müller
BesichtigungÖffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10 – 18 Uhr, Donnerstag: 10 – 21 Uhr Feiertag: 10 – 18 Uhr
 

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