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Wohnbebauung an der Uferstraße

Durch die Staffelung erhielten die Wohnungen großzügige Freiflächen zum Fluss.
Foto: Jens Willebrand


Wohnen

Wohnbebauung an der Uferstraße


Uferstraße/Ecke Barbarastraße
50996 Köln
Rodenkirchen

Wohnen und Leben am und mit dem Fluss ist das Thema der von Johannes Schilling entworfenen und 2002 fertiggestellten Wohnbebauung an der Uferstraße in Köln-Rodenkirchen. Der Neubau, für den das 1933/1934 erbaute, alte Haus Nacken abgerissen wurde, erfüllt die Auflage des Stadtkonservators, sich stilistisch an die „Weiße Moderne" des Neuen Bauens anzunähern.

Wie die anderen Wohnhäuser an der Rheinpromenade ist auch das neue Haus Nacken ein freistehender, von einem Garten umgebener Einzelbau. In den Dimensionen hebt sich der Bau mit seinen vier Geschossen und einer Nutzfläche von rund 500 Quadratmetern jedoch deutlich von der bescheideneren Nachbarbebauung ab. Was vom gegenüberliegenden Ufer wie ein Gebäude erscheint, erweist sich von der Promenade aus als eine in vier Geschosse gestaffelte, differenzierte Bauskulptur.


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Das Garagengeschoss gibt sich im Gegensatz zu den drei darüber liegenden Wohngeschossen zur Uferstraße hin massiv und bietet so einen ausreichenden Hochwasserschutz. Die vier Eigentumswohnungen, die jeweils eine Wohnfläche von 120 bis 140 Quadratmetern aufweisen, sind ähnlich und doch unterschiedlich ausgebildet: Während in der rechten Gebäudehälfte zwei eingeschossige Wohnungen untergebracht sind, nimmt die linke Hälfte eine Maisonette-Wohnung auf. Darüber liegt als Riegel ein Penthouse. Die Erschließung der Wohnungen erfolgt über eine breite Freitreppe, die vom Rheinufer hinauf führt.

Die unter einem Dach zusammengeschlossenen Wohnungen sind von größtmöglicher "privater Nachbarschaft" (Johannes Schilling) geprägt. Staffelung, Versprünge und Zwischenräume ermöglichen ein hohes Maß an Privatheit und Eigenständigkeit der einzelnen Wohnungen. Darüber hinaus erhielten die Wohnungen durch die Staffelung großzügige Freiflächen zum Fluss. Auch auf der Gartenseite, zu der sich die Schlafräume orientieren, weisen alle Wohnungen Balkone oder Terrassen auf.

Das Wohnen spielt sich auf der Flussseite des "Terrassenhauses" ab: Durch weitgespannte Fensterflächen in die Wohnräume einbezogen, wird die belebte Flusslandschaft zur abwechslungsreichen Wohnkulisse.
Der Abriss des 1933/1934 von Hans Schumacher (1891 – 1982) für den Rechtsanwalt Julius Nacken erbauten Wohnhauses war umstritten. Für den Erhalt des Hauses hat nicht nur eine Bürgerinitiative gekämpft, auch die Tages- und Fachpresse widmete sich ausführlich der nicht aufzuhaltenden Zerstörung des alten Hauses Nacken. Vielfach – und bis vor kurzem auch an dieser Stelle – beruhte die Argumentation der Abriss-Kritiker auf der irrtümlichen Annahme, das alte Wohnhaus habe zum Zeitpunkt des Abrisses unter Denkmalschutz gestanden. Ein Grund hierfür war wohl, dass die Stellungnahme des Kölner Stadtkonservators vom Juni 1999 zur denkmalrechtlichen Situation nicht lautstark genug geäußert und somit von der Presse nicht richtig aufgenommen wurde. Die Geschichte des alten Hauses Nacken soll deshalb hier anhand der Darstellung des Stadtkonservators noch einmal nachgezeichnet werden.

Das alte Haus Nacken lag im Bereich eines ursprünglich großen historischen Parkgrundstücks am Rodenkirchener Rheinufer, das zwischen 1929 und 1934 mit einer Gruppe von sieben Wohnhäusern bebaut wurde. Während das von Adolf und Wilhelm Quebe erbaute Haus zum Typ des eher konservativen Bauens der 1920er Jahre gehört, sind die anderen sechs Objekte deutlich von der legendären Stuttgarter Weißenhofsiedlung angeregt. Die von den Architekten Jan Op Gen Oorth, Theodor Merrill und Hans Schumacher entworfene Häusergruppe nimmt mit ihren kubischen Baukörpern die Ästhetik des Neuen Bauens auf. Wie ein Lehrpfad zeigte die siebenteilige Häuserreihe zeigte „den Aufstieg und Untergang der Moderne“. So markierte das alte Haus Nacken durch Details wie stehende Fensterformate mit Läden oder Geländer aus Vertikalstäben den Übergang zur traditionalistischen Bauweise unter dem nationalsozialistischen Diktat.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Obergeschoss des Hauses Nacken vollkommen zerstört und nicht wieder aufgebaut. Nach dem Krieg erfolgten Änderungen im Grundriss und in den Fensteröffnungen. Dennoch wurde der Bau – wie auch die anderen sechs Wohnhäuser – im Mai 1992 als Einzeldenkmal in die Denkmalliste der Stadt Köln eingetragen. Jedoch wurde dieser Eintrag bereits nach zwei Monaten im Juli 1992 wieder gelöscht, da der Eigentümer Widerspruch erhoben hatte. Bei einem Ortstermin zeigte sich daraufhin, dass das Haus – so der Kölner Stadtkonservator – nicht viel mehr als „eine fragmentierte und nur unvollständig wiederaufgebaute ehemalige Kriegsruine“ darstellte.
Das alte Haus Nacken war also nur für sehr kurze Zeit ein Baudenkmal. Den Abriss des Hauses mag mancher heute bedauern. Der „Lehrpfad“ aber ist nicht wirklich unterbrochen, zeigt das neue Haus Nacken doch, wie stark die Ästhetik des „Neuen Bauens“ auch im 21. Jahrhundert nachwirkt.

Yola Thormann
August 2003

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 039
BaujahrFertigstellung 2002
BauherrDr. G. Nacken, Köln
ArchitektSchilling Architekten, Köln
Fotos vonJens Willebrand, Köln; Archivbilder von Stadtkonservator
 

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