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Galerie Gmurzynska



Kunst & Kultur

Galerie Gmurzynska


Goethestraße 65a
50968 Köln
Marienburg

Aufgrund ihres künstlerischen Schwerpunktes sticht die Galerie Gmurzynska aus den zahllosen Kölner Galerien, Sammlungen und Museen heraus.

Im Gegensatz zum traditionell eher westlich orientierten Kölner Kunstmarkt, präsentiert die Galerie seit ihrer Gründung im Jahre 1965 überwiegend Kunstwerke der osteuropäischen und russischen Avantgarde. Durch Ausstellungen mit Werken von Malevitsch, Rodschenko oder Feininger genießt das Haus national wie international einen ausgezeichneten Ruf. Neben dem Mutterhaus verfügt die Galerie über Ausstellungsräume in einer benachbarten Villa sowie über eine Dependance im schweizerischen Zug.

Bereits 1980 begann die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Architekturbüro Diener & Diener: anläßlich der ART Basel konzipierten sie eine Gmurzynska-Sonderschau über russische Avantgarde-Künstlerinnen. Ein knappes Jahrzehnt später setzte sich die Kooperation mit der Planung eines neuen Galeriegebäudes im großbürgerlichen Stadtteil Marienburg fort.

Freistehende, im englischen Landhausstil errichtete Wohnhäuser aus der Zeit vor dem 2.Weltkrieg prägen das Bild der baumbestandenen, ruhigen Wohnstraßen. Der Galerieneubau sollte sich in diese Struktur einfügen und zugleich deutlich von ihr abgrenzen - ein bereits bei zahlreichen Projekten des Architekturbüros erfolgreich umgesetztes Leitbild.

Die Kuben "mit glatt gehobelten und rot gestrichenen Holzlatten" reihen sich durch ihre ruhige Masse zunächst unauffällig in die sie umgebende Wohnarchitektur ein. Die Reduktion an Formen, Materialien und Details sowie die dominierende rote Farbe - eine Reminiszenz an die hier präsentierten Werke der russischen Avantgarde - verleihen dem Gebäude eine starke Präsenz innerhalb der zumeist eklektischen Nachbarschaft.

Nur wenige Fensterbänder und Lichtschlitze unterbrechen die monochromen Holzfassaden - somit bleibt das Gebäudeinnere für den Passanten zunächst undurchschaubar. Lediglich ein großzügig in den Körper eingeschnittenes Portal öffnet den Bau und markiert den hier "versteckt" angeordneten Zugang zum "Schmuckkästchen".

Die zurückhaltende Gliederung des Äußeren setzt sich im Inneren fort. Hier tritt zugleich die räumliche Organisation der Galerie deutlicher hervor: einer der beiden zweigeschoßigen Baukörper enthält großzügige Ausstellungsflächen, der andere eine Bibliothek, zwei Büroräume sowie drei kleine Kabinette. Die axiale, zunächst streng wirkende Anordnung der Räume löst sich dank der variierenden Proportionen und Öffnungen wieder auf.

Der Außenraum bleibt für den Besucher weitgehend ausgeblendet, denn die Fenster und Lichtöffnungen sind zumeist schmal oder befinden sich in Deckennähe. Abhängig von Tag und Uhrzeit ändert sich sowohl die Lichtstimmung in den Räumen als auch die Beleuchtung der Exponate. Sonnenlicht, das durch die hohen, zum großen Teil nach Süden ausgerichteten Fenster des oberen Ausstellungssaals eindringt, vermag eine nahezu sakrale Stimmung zu erzeugen.

Somit bilden Raum und Licht in spannungvoller Wechselwirkung "den eigentlichen Kontext, in den die Ausstellungsgegenstände eingebettet werden".


Ulrich Grützner
August 2003

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 035
Baujahr1988-90
EigentümerKrystyna Gmurzynska + Mathias Rastorfer
BauherrKrystyna Gmurzynska
ArchitektDiener & Diener, Basel
Fotos vonGalerie Gmurzynska