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Postbank Niederlassung Köln

Das neue Gebäude der Postbankwird geprägt durch die rhythmische Dynamik und das ausgewogene Wechselspiel von Farbe und Material, von Masse und Transparenz, von Architektur und Kunst.
Foto: Jens Willebrand


Verwaltung & Büro

Postbank Niederlassung Köln


Edmund-Rumpler- Straße 3
51149 Köln
Gremberghoven

In der Regel sind Gewerbegebiete auf der "grünen Wiese" gestalterische Wüsten mit allenfalls wachsender Trost- und Einfallslosigkeit. Und doch gibt es - wie bei jeder Regel - Ausnahmen. In Köln findet man ein solch positives Beispiel in dem 15 Kilometer vom Zentrum entfernten „Airport-Businesspark": die von Gatermann + Schossig entworfene und 1998 fertiggestellte Postbank Niederlassung Köln.

Der Bau folgt einer konventionellen Kammstruktur mit einer nördlichen Haupterschließungsachse und fünf nach Süden durchgesteckten Büroriegeln. Rückgrat des Gebäudes, das insgesamt eine Nutzfläche von 16.879 Quadratmetern aufweist, ist die 140 Meter lange Magistrale. Die massive Ausbildung ihrer Nordfront als blau verputzte Lochfassade steht in einem spannungsvollen Kontrast zur leichten, vollständig verglasten Südfassade. Indem die Magistrale die einzelnen Büroriegel horizontal und vertikal verbindet, fungiert sie als Erschließungsstraße. Den "Charakter eines Straßenraums" (Dörte Gatermann) erhält die Magistrale auch durch die Fortführung des Bodenbelags nach außen und durch eine härtere Akustik. Neben der Funktion als Erschließungsachse kommt diesem Hauptriegel als Speicherwand für das passive Energiekonzept und als "Kunstwand" besondere Bedeutung zu.

Die fünf Büroriegel heben sich mit ihren Aluminium-Fassaden schillernd von der Umgebung ab. Die Binnen-Orientierung dieser Riegel bietet den Mitarbeitern Ausblick auf begrünte, halboffene Innenhöfe mit Teichen. Bei der Planung wurde nicht nur die potentielle Erweiterbarkeit der Riegel nach Norden, sondern auch eine mögliche Fremdvermietung dadurch berücksichtigt, dass die Büroriegel auch einzeln betrieben werden können.

Das gesamte Gebäude wird geprägt durch die rhythmische Dynamik und das ausgewogene Wechselspiel von Farbe und Material, von Masse und Transparenz, von Architektur und Kunst. Auf diese Weise demonstriert die Postbank, dass sich auch auf der „grünen Wiese" optimierte Funktionalität und Wirtschaftlichkeit mit anspruchsvoller Gestaltung verbinden lassen.


Weitere Projekte von Gatermann + Schossig Architekten:
->Hafenamt im Rheinauhafen
->Sozialer Wohnungsbau in der Körnerstrasse
->Kindertagesstätte Körnerstrasse
->FrauenMediaTurm

Das passive Energiekonzept der Postbank-Niederlassung Köln folgt einfachen, klassischen Prinzipien. So wird das gesamte Gebäude weitestgehend natürlich belüftet und belichtet. Die Haupterschließungsachse ist nach Norden gut gedämmt. Durch das großzügige Öffnen der Magistrale nach Süden und durch die Ost-West-Orientierung der Büros wird ein Sonnengewinn erzielt. Als Speicher fungieren alle massiven Bauteile.

Die Eigenverschattung der Kammstruktur und ein effektiver Sonnenschutz durch einfache Metallroste und verfahrbare Jalousien verhindern im Sommer das Aufheizen der Räume. Auch die Wasserflächen in den Gartenhöfen sind klimatisch relevant. Im Sommer, wenn die Luft-Temperatur höher ist als die Wassertemperatur, entsteht an der Fassade ein Aufwind. Die abgekühlte Außenluft und die zusätzliche Feuchtigkeit senken die Temperatur. Ein Dachventilator unterstützt die natürliche Thermik.

Im Winter dient die Magistrale der passiven Solarenergie-Gewinnung und reduziert den Heizenergie-Bedarf.
Die Attraktion der Magistrale ist die Wandgestaltung von Thomas Weil. Besonders am Abend, wenn die Magistrale innen hell erleuchtet ist, wird die "Kunstwand" sichtbar: eine nach Süden orientierte Fläche von rund 2.400 Quadratmetern, 140 Meter lang und 17 Meter hoch. Auf dem nackten Sichtbeton hat Thomas Weil, der seit 25 Jahren mit dem geometrischen Ornament arbeitet, die Dynamik der rechtwinkligen Architektur aufgegriffen.

Das Netz aus 8 Zentimeter breiten, rostroten Linien basiert auf dem Achteckornament, das sich wie die Architektur aus Senkrechten, Waagerechten und Diagonalen zusammensetzt. Thomas Weil zu seinem geometrisch-konstruktiven Ornament: "Der Inhalt des Ornaments ist das Spiel mit Symbolen und Zeichen, die in wiederholter Abfolge dargestellt werden. Aus dieser Wiederholung ergeben sich zwangsläufig die Gesetzmäßigkeiten von Rhythmisierung und Proportionalisierung, da nur ähnliche Größen wiederholbar sind. Die Bildsprache reicht vom abstrahierten Abbild bis zum konkreten Zeichen." So wird die Kunstwand der Magistrale zur Projektionsfläche eines lebendigen und beziehungsreichen Dialoges zwischen Kunst und Architektur.


Yola Thormann
August 2003

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 037
Baujahr1995-1998
EigentümerDeutsche Postbank AG
BauherrPostbank Immobilien und Baumanagement AG, Bonn
ArchitektGatermann + Schossig
Auszeichnungen1996 - Photovoltaik in Gebäuden, engere Wahl
1999 - Lichtarchitekturpreis, besondere Anerkennung
Fotos vonJens Willebrand