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Filmtheater Off Broadway



Kunst & Kultur / Freizeit

Filmtheater Off Broadway


Zülpicherstraße 24
50674 Köln
Innenstadt

Das Filmtheater, in dem sich heute das Off Broadway befindet, wurde in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gebaut.
Umgeben von der für die Kölner Neustadt typischen Hinterhofstruktur in Ziegelbauweise wird das Kino durch eine Tordurchfahrt von der Zülpicher Straße aus erschlossen.
Von Kriegsschäden wiederhergestellt und in den achtziger Jahren renoviert, stand 1997 eine grundlegende Sanierung mit Aus- und Umbau an.

Grundgedanke bei der Neukonzeptionierung von Kinosälen, Foyer und Zugang war die Herausarbeitung der Erschliessung "von der Straße bis zum Kinosessel". Den Architekten war es wichtig, die besondere Lage des Broadway im grünen Hinterhof zu betonen; den Besucher vom Alltag durch das Durchwandern verschiedener Zonen zur filmischen Realität zu führen.


Eingebettet in die Geräuschkulisse der lebhaften Zülpicher Straße öffnet sich der schmale und tiefe Hinterhof; am Eingang mit den aktuellen Plakaten und der Leuchtreklame auf das versteckte Kino hinweisend. Wo der Blick früher das undefinierte Ende des Hofes fand, entfaltet sich jetzt das zum Hauptbau des Kinos addierte Volumen aus Stahl, Glas und Holz. Den schlauchartigen Hof verjüngend, ohne den Raum zu drücken, definiert der Anbau klar den Zugang zum Kino und läßt die Blicke durch die gesamte Fassade hinein. Um diese einladende Geste zu erreichen, wurde die Längsfassade zum Hof großzügig geöffnet, so daß nur noch einige notwendige Pfeiler im Innenraum den ehemaligen Verlauf der Aussenhülle markieren.

Die Wechselwirkung zwischen Außen- und Innenraum funktioniert auch andersherum sehr gut: war man füher im sehr engen Vorraum "eingesperrt", so besitzt das Foyer jetzt einen eigenständigen und großzügigen Charakter, der zum Verweilen einlädt und den begrünten Hinterhof zur Geltung kommen läßt. Das Foyer wird seit der Wiedereröffnung auch unabhängig vom Kino durch wechselnde Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen oder einfach als Treffpunkt belebt.

Das in allen Bereichen marode Gebäude musste von Grund auf saniert werden. Es zeigte sich, dass das Gebäude durch Fundamentabsenkungen einsturzgefährdet, das Dach undicht und die Konstruktion durchfeuchtet war. Im Rahmen des geplanten Umbaus sollte der 218 Zuschauer fassende Kinosaal in zwei kleinere Säle aufgeteilt und mit neuesten technischen Möglichkeiten ausgestattet werden. Gleichzeitig musste das Foyer vergrößert und die Sanitäranlagen erneuert werden. Das gesamte Gebäude stand und steht unter Bestandschutz, d.h. Größe, Art und Lage des Gebäudes durften nicht verändert werden. Mitte 1998 begannen die Bauarbeiten, wurden aber kurz darauf wieder eingestellt, da sich zeigte, dass das Gebäude nicht entsprechend den geltenden Regeln der Baukunst gegründet war. Im Zuge einer Bodenanalyse stellte sich heraus, dass das gesamte Gebäude bis zu einer Tiefe von 10 m auf Schutt steht, was eine normale Fundamentierung unmöglich machte. Die Planung wurde komplett überarbeitet und heute steht das Gebäude auf ca. 100 Betonbohrpfählen.

Planung und Ausführung umfassten sowohl sämtliche Baumassnahmen, als auch Möblierung und Einrichtung von Foyer und Kinosälen.
Die Foyererweiterung bzw. Fassadenverglasung besteht aus einer reduzierten, grau lackierten Pfosten-Riegel-Konstruktion, bei der die Riegel im Fusspunkt sowie als optisch durchlaufendes Rundrohr im Traufbereich angeordnet sind. Durch diesen Kunstgriff öffnet sich der Anbau schottweise vom Boden bis in das Dach - dort mit einer geneigten Verglasung.
Sämtliche zu öffnenden Verglasungen werden von klar lackierten Holzrahmen gehalten - ein Detail, das sich nicht überzeugend in das ganze Konzept und die Umgebung eingliedert.
Helle verputzte Wände und ein dunkler italienischer Schiefer als Bodenbelag in allen Räumen (ausser den Kinosälen) bieten eine angenehm zurückhaltende Atmosphäre für die Möblierung und den Theken- bzw. Kassenbereich.
Insgesamt überzeugt das Konzept in seiner Schlüssigkeit bis hin zu einer liebevollen Detaillierung - auch in sonst gerne vernachlässigten Bereichen.

Gregor Steiniger
August 2003


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