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EL-DE-Haus

Ausstellungselemente
Foto: Henryk Urbanietz, Aachen


Kunst & Kultur

EL-DE-Haus


Appellhofplatz 23-25
50667 Köln
Innenstadt

Kein Neubau, sondern ein Umbau gehört zu den wichtigsten Neuerungen in der Kölner Museumslandschaft der späten 1990er Jahre. Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln im EL-DE-Haus konnte nach dem Umbau von Peter Kulka 1997 eröffnet werden. Bis dahin war ein weiter Weg zurückgelegt worden. Das Gebäude wurde Anfang der 1930er Jahre von Leopold Dahmen, einem Kölner Goldwaren- und Uhren-Großhändler errichtet. Dahmen begann an der Ecke Appellhofplatz/ Elisenstraße den Bau eines von J.J. Erberich geplanten Wohn- und Geschäftsgebäudes, dessen starre neoklassizistische Fassadengestaltung dem Stil der neuen Machthaber entgegenkam. Noch während des Rohbaus mietete die Gestapo das Gebäude 1935 an und richtete dort ihre Hauptstelle für den Regierungsbezirk Köln mit Büroetagen und einem Häftlingstrakt im Keller des Gebäudes ein. Nach 1945 wurde das im Krieg nur leicht beschädigte Haus unmittelbar von städtischen Dienststellen weiter genutzt und durch Anbauten vergrößert.

Erst seit 1979 forderten mehrere Initiativen eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Gebäudes und eine Aufarbeitung seiner NS-Vergangenheit. Daraufhin wurde mit der wissenschaftlichen Dokumentation der erhaltenen Inschriften in den Zellen und der Arbeit an einer NS-Dokumentation begonnen. 1981 konnte im ehemaligen Hausgefängnis der Gestapo im Keller eine Gedenkstätte eingerichtet werden.



Zehn Jahre später beschloß der Rat der Stadt Köln die Umgestaltung von zwei Stockwerken zu einem Dokumentationszentrum zur Geschichte des Nationalsozialismus in Köln. Mit der Planung wurde der Kölner Architekt Peter Kulka beauftragt, der zusammen mit dem Ausstellungsdesigner Gerd Fleischmann aus Bielefeld ein Konzept entwickelte. Das Gebäude selbst soll als zentrales Originalobjekt der historischen Ausstellung inszeniert werden. Der Keller und die beiden Büroetagen sind voneinander getrennt. Die Zellen mit den Inschriften verdeutlichen ersteren als Ort des physischen Terrors, während die Flure, die Büroräume und die Eingangssituation mit der Pförtnerloge als Ort des bürokratischen Terrors der Gestapo lesbar werden. Im Bereich der Ausstellung sind die Bürotüren mit den Oberlichtern und die Außenwände mit den Fensterfronten weitgehend unverstellt geblieben, um die Architektur des Hauses auch von innen erkennbar zu machen. Den Weg durch die Ausstellung ermöglichen Durchgänge zwischen den Büros entlang einer Achse. Sonderausstellungsraum, Bibliothek, Medien- und Seminarraum und der Verwaltungsbereich sind in neugestalteten Funktionsbereichen in den nach 1945 entstandenen Gebäudeteilen untergebracht.

Auch die Wandgestaltung in der Ausstellung und im Eingangsbereich entspricht dem Konzept der Inszenierung des Hauses als Original. Die Wände wurden bis auf den Putz freigelegt. Dabei blieben zutage tretende Details wie Wandsafes oder Wandfliesen in den ehemaligen Sanitärbereichen erhalten. Wände, Fenster und Heizungskörper sind in unterschiedlichen Farbabstufungen mit einer Lasur überzogen. So entsteht ein oberflächlich homogener Eindruck, unter dem aber die alte Bausubstanz durchscheint. Der blickdichte Anstrich auch der Fenster soll die Konzentration auf den Innenraum und die Ausstellung fördern. Nur an inhaltlich wichtigen Stellen werden Bezüge zur Außenwelt hergestellt. Text- und Bildtafeln sind weitgehend einige Zentimeter vor die Wände gehängt oder auf gläsernen Stellwänden in den Räumen angebracht. Der Fußboden stellt die Verbindung zur Gedenkstätte im Kellergeschoß her. Die ausgegossene Bitumenmasse ist an einigen Stellen aufgerauht. Dadurch entstandene Stolpersteine auf dem Weg durch die Ausstellung gehören zum Konzept. Denn die BesucherInnen erwartet kein leichter Museumsrundgang. Die sehr reduzierte Präsentation von wenigen zentralen Bildern und Texten, Filmen oder Hörbeiträgen pro Themeneinheit überläßt dem Besucher selbst die Auswahl und Tiefe der Auseinandersetzung und widersetzt sich einer emotionalisierenden Wirkung.
In einem weiteren Umbauschritt soll in den nächsten Monaten auch die Situation im Keller entsprechend der Ausstellungsgestaltung in den oberen Stockwerken verändert werden. In den Keller baute die Gestapo nach der Übernahme des Gebäudes zehn Zellen, sanitäre Einrichtungen und Wasch- und Versorgungsräume ein. Die Wandinschriften, die Zellentüren, Gittertüren an der Kellertreppe und Überreste einer Waschrinne und einer Desinfektionsanlage sind noch erhalten. In einer Erweiterung der bisherigen Ausstellung sollen auch der Versorgungstrakt, die Aufenthaltsräume der Gestapobeamten, ein Gepäckaufbewahrungsraum und der Zugang zum Innenhof, wo die Gestapo in den letzten Kriegsmonaten Hinrichtungen durchführte, einbezogen werden. Im Tiefkeller befanden sich eine weitere Verhörzelle und ein Tiefbunker.

Dieser Ausstellungsbereich konzentriert sich auf die Organisation und Verwaltungsstruktur der Gestapo einerseits und den Alltag im Hausgefängnis andererseits. Hierzu sind einige Objekte, die in den Zellen gefunden wurden, ausgestellt. Da die Zellen selbst aus konservatorischen Gründen nicht zugänglich sind, können Abbildungen der Inschriften mit Übersetzungen an den Flurwänden aus der Nähe betrachtet werden. Diese Text- und Bildtafeln werden überarbeitet, durch ein Eisenträgersystem mit Stahlseilen vor der Wand befestigt und so dem Ausstellungsdesign in den beiden oberen Stockwerken angepaßt.

Somit wird das NS-Dokumentationszentrum im EL-DE Haus dann beide Bereiche, den Ort des bürokratischen und den des physischen Terrors der Gestapo, in einer einheitlichen Gestaltung präsentieren. Das Gebäude als zentrales erhaltenes Original der NS-Zeit steht im Kontext einer zunehmenden Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in Köln und ist ein Ort des Gedenkens wie auch der Diskussion in der Erinnerungslandschaft der Stadt.

Simone Mergen
April 2003

Weiterführende Literatur:
- Köln im Nationalsozialismus. Ein Kurzführer durch das EL-DE-Haus, hg. vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Köln 2001.



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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 033
Baujahr1932
EigentümerStadt Köln
2. Bauphase 
Baujahr1997
BauherrStadt Köln, Dokumentationszentrum
ArchitektProf. Peter Kulka, Köln
Auszeichnungen2000 - Museum Award of the Year 2000
2001 - BDA-Preis NRW
Fotos vonHenryk Urbanietz, Aachen
 

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