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Bürogebäude Gereonswall

Konsequent bezieht das neue Bürohaus seine Umgebung nicht mit ein, sondern entwickelt seine eigene räumliche Charakteristik und innere Logik.
Foto: Jens Willebrand


Verwaltung & Büro

Bürogebäude Gereonswall


Gereonswall 75
50670 Köln
Innenstadt

Eine Besonderheit, die nicht häufig vorkommt: Die Bauherrn sind zugleich die Architekten des eigenen Bürogebäude. Idealzustand und Bürde gleichermaßen, denn das Haus wird die Architektursprache und die Philosophie des Büros ausweisen und überprüfbar machen.

Im Spannungsfeld zwischen lieblosen Nachkriegsbauten, vierspurigen Verkehrsschneisen und Resten der alten Stadtmauer entstand ein langgestreckter einladender Baukörper aus Glas, Stahl und Beton. Das Grundstück, einer der typischen Kölner "Zwischenorte" war im Mittelalter Teil des "Kümpchenshof" und vor dem zweiten Weltkrieg mit einem Gründerzeithaus bebaut. Danach wurde es als unbefestigter Parkplatz genutzt.

Konsequent bezieht das neue Bürohaus seine Umgebung nicht mit ein, sondern entwickelt seine eigene räumliche Charakteristik und innere Logik. Und noch eine Besonderheit weist das Gebäude auf: das Erdgeschoss ist frei von Büronutzungen und soll, zumindest temporär, öffentlichen Nutzungen zur Verfügung stehen.

Die erste Veranstaltung, "Kyotobar", anlässlich von plan02 wird wohl auch weiterhin namensgebend für das Gebäude sein und Nichteingeweihte einen Barbetrieb anstelle eines Architekturbüros vermuten lassen. Der Name nimmt Bezug auf Kölns japanische Partnerstadt, die auch das Denkmal auf dem Platz vor dem Gebäude stiftete.


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Entstanden sind 4 übereinander geschichtete Ebenen in Stahlbetonskelettbauweise, deren Rasterfelder sowohl in der Vertikalen als auch in der Horizontalen wahlweise mit Glas oder zweischaligem Sichtbeton ausgefacht wurden. An den ausgestanzten "Fehlstellen" entwickelt sich ein Wechselspiel zwischen offenen und geschlossenen Flächen, Außen- und Innenraum.

Luft und Verbindungsräume lassen durch die ausgesparten Deckenfelder ein Raumkontinuum entstehen. Der Innenraum treppt sich über drei doppelgeschossige Lufträume ab und ermöglicht Durchblicke in der ganzen Tiefe des Hauses. Steht man vor dem Haus so kann der Blick nahezu ungehindert durch das gesamte Gebäude bis in die weitesten Ecken des Hauses wandern ohne das eigentliche Ausmaß des Hauses zu erkennen. So ist von außen kaum ablesbar, was im Inneren zu einem spektakulären Raumerlebnis wird: Durch die interne Topographie von Binnenräumen, Ebenen und doppelgeschossigen Lufträumen ist eine Bürolandschaft entstanden, die beim Durchqueren nicht groß aber geräumig wirkt. Offenheit, das Thema auch im Inneren. Zugunsten einer freieren Raumnutzung wurde sowohl auf horizontale wie auch auf vertikale Abtrennungen verzichtet. Bis auf den längseitig minimierten Kern und den Sanitärbereich fehlen Zwischenwände gänzlich.

Trotz aller Offenheit sind durch das geometrisch strenge Konstruktionsraster klar strukturierte Räume, durchhaus auch im herkömmlichen Sinne, entstanden. Arbeitsinseln, in denen sich je nach Projekt-Auftrag Projektgruppen bilden und einrichten. Die einzelnen Raumzonen können demnach ebenso gut als Arbeitsräume, Chefzimmer und als Besprechungsraum genutzt werden.






Die modulare Geometrie der Konstruktion, drei Rastereinheiten auf insgesamt vier Geschossen, durchdringt das Haus vom Gesamtkonzept bis ins kleinste Detail, dabei sind die Entwurfsinhalte im Innern wie im Äußern eindeutig. Strukturiert und geprägt wird der Charakter des Hauses von den architektonischen Grundelementen: Decke, Stütze, Wand und Boden.
Diese Bestandteile, behandelt mit einem besonderen Maß der Abstraktion, sprechen eine klare durchgängige Formensprache, die nicht zuletzt zur großen räumlichen Einheit des Gebäudes beiträgt.

Einfachheit bedarf einer exakten Detailplanung und Ausführung. Gefertigt in zweischaliger Sichtbetonweise wurde die Fenstergrundkonstruktion und die gesamte Vorinstallation in die Betonschalung des Rohbaus eingelegt. So gibt es weder Fußleisten noch Steckdosen. Die Innenböden sind durchgängig als Installationshohlraumböden mit aufgeschraubten Eichenholzdielen ausgeführt.
Identische Gestaltung auch im Ausbau der Raumteile: Halbhohe Stahlregale strukturieren und trennen räumlich die einzelnen Arbeitszonen von einander, dabei dienen die Büroregale nicht nur der Lagerung und Aufbewahrung sondern gleichzeitig als Brüstungselement zu den Lufträumen. Unterstrichen wird der fließende Charakter des "Einraumhauses" auch durch ein ausgefeiltes Lichtkonzept, an der Rückseite der Regale verschwinden Neonröhren hinter satinierten Glasscheiben. Sodaß es außer Arbeitsplatzleuchten auch keiner weiteren Lichtquellen bedarf.

Kontinuität der Geschichte: über die Straße hinweg das Büro des Vaters, Hans Schilling, direkt an der Stadtmauer gebaut ein Nachkriegsbau. Hüben wie drüben selbstbewusst und Ortsbezogen und darüber hinaus eine eindeutige Visitenkarte.



Barbara Schlei
August 2003



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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 032
Baujahr2002
EigentümerArchitekturbüro Schilling
BauherrUlrike Schilling
ArchitektSchilling Architekten, Köln
Auszeichnungen2003 - Kölner Architekturpreis
2004 - Architekturpreis NRW
2005 - Anerkennung zum Deutschen Architekturpreis
2007 - Nominierung „Nike für den besten architektonischen Gesamtausdruck"
Fotos vonJens Willebrand
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