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Galeriehaus ads1a



Kunst & Kultur

Galeriehaus ads1a


An der Schanz 1a
50735 Köln
Niehl

Es ist ungewöhnlich, einem geradezu jugendlichen Industriegebäude aus den späten 1970er Jahren eine neue, kulturelle Bestimmung zu geben. Denn das ehemalige Umspannwerk in Riehl sollte eigentlich noch viele Jahre lang seinen Dienst tun - der überschätzte zukünftige Stromverbrauch machte es jedoch überraschend schnell überflüssig. So schwankte die Besitzerin GEW zwischen einer Verwertung als Lagerraum und einem Abriß, als vier junge Galeristen das Bauwerk für sich entdeckten und aus dem Gehäuse für technische Aggregate ein vielseitig nutzbares Ausstellungsgebäude machten.

Dabei sprach zunächst vieles gegen eine Investition. Das zwischen Hochhäusern und mehrspurigen Straßen errichtete Bauwerk lag fernab der Innenstadt-Galerien mit ihren guten ÖPNV-Anbindungen und der solventen Laufkundschaft. Der Bau selber, monolithisch in Beton gegossen und mit rosa Verschönerungsplatten behängt, entbehrte aller üblichen bauphysikalischen Standards. Außer für notwendige Reparaturarbeiten war bei seiner Errichtung ein längerer Aufenthalt von Menschen nicht beabsichtigt gewesen. So wurde, abgesehen von den im Flachdach angeordneten Lichtkuppeln, auf natürliche Belichtung ebenso verzichtet wie auf eine Heizungsanlage.

Seine äußere wie innere Erscheinung leitete sich aus den Anforderungen der über alle drei Geschosse reichenden Transformatoren ab. Um sie zu kühlen, nutzte man den Kamin-Effekt: im Keller wurde kalte Außenluft angesogen, durch Öffnungen in den Decken an den Transformatoren vorbei nach oben geführt und durch eine offene Lamellenkonstruktion im charakteristischen Pultdach in die Umgebung wieder entlassen.

Um nach seinem Umbau mit dem innerstädtischen Kunstmarkt konkurrieren zu können, mußte das Galeriehaus im Inneren flexibel auf verschiedenste Ausstellungskonzepte reagieren können und mit seiner Außenhülle eine solche Magnetwirkung entfalten, daß Kunden von nah und fern angelockt würden.


Weiter Projekte des Büros b&k+:
->Wohn- und Atelierhaus Am Kölner Brett
->Stavenhof 20
->Fabrikations- und Bürobau Pasteurstraße

Die Umwandlung in ein Galeriehaus erfolgte hauptsächlich durch das Entfernen überflüssiger innerer wie äußerer Gebäudestruktur. Die technischen Aggregate wurden entsorgt und massive Teile der Stahlbeton-Konstruktion herausgefräst. Nur wenige neue Wand- und Deckenelemente mußten ergänzt werden, wobei Texturen und Fehlstellen der ursprünglichen Nutzung bewußt sichtbar blieben.

Die so entstandenen zwei Ateliers in Keller und Dachgeschoß sowie die vier jeweils ca. 150 qm großen Galerieeinheiten im Erdgeschoß und 1. Obergeschoß verfügen trotz räumlicher Gleichwertigkeit über ihre Eigenheiten. So werden großformatige Bilder oder Skulpturen für die Galerieräume im 1. Obergeschoß zunächst in ebenerdigen Kammern deponiert. Aussparungen in ihren Decken ermöglichen nach Entfernen von Gitterrosten dann das Hochhieven der Kunstwerke -mit einer aus der ursprünglichen Nutzung stammenden Laufkatze. Die von den Inhabern individuell bestimmte Raumaufteilung, mit einem frei zugänglichen, offenen Bürobereich oder einem abgeschlossenen "Chefzimmer", ist schließlich auch Ausdruck ihrer unterschiedlichen Charaktere.

Der schlichten industriellen Funktionsarchitektur im Inneren sollte außen durch Hinzufügung eines einzigen, neuen Materials entsprochen werden. Inspiriert durch die vorgefundenen Lichtkuppeln wurden die eingeschnittenen Öffnungen in der Betonhülle durch ungewöhnliche Bauelemente geschlossen. Die ursprünglich für den Bau von Gewächshäusern gedachten, nunmehr vertikal angebrachten Lichtkuppeln stellen das dominierende gestalterische Element des Gebäudes dar und weisen zugleich signalhaft auf seine neue Nutzung hin.
Die Galeristen und Architekten beschränkten sich bei ihrem Projekt nicht allein darauf, ein Umspannwerk in ein Galeriehaus umzubauen. Sie stellten sich ebenso der Herausforderung, die zunächst offensichtlichen Nachteile des Gebäudes, wie baulicher Zustand und abgelegener Standort, in Vorteile zu verwandeln. So entstand hier ein Mikrokosmos des Kunstbetriebs.

Das vergleichsweise große Platzangebot stellt dabei eine Ressource für künstlerische Experimente dar und hilft, das eigene Profil deutlicher herauszustellen. Im Dachgeschoß des Gebäudes etwa wird neuen Ausstellungs- und Förderkonzepten ein Forum geboten: das Wohnatelier dient jungen Künstlern dazu, ihre Arbeit im kleinen Rahmen Insidern und Kuratoren zu präsentieren und sich damit langsam und ohne Druck dem Kunstmarkt zu nähern. Das Keller-Atelier mit seinem Außenbereich hingegen gibt den Galeristen Raum für die gemeinsame Durchführung von Kunstaktionen, Filmvorführungen oder Partys.

Die Kooperation beschränkt sich jedoch nicht allein auf diese Sonderveranstaltungen. So findet alle sechs bis acht Wochen im gesamten Haus eine gemeinsame Vernissage statt - nicht wie üblich am Freitag Abend, sondern am Sonnabend Nachmittag. Auch dieser Teil des Gesamtkonzepts zielt darauf ab, Kunst nicht zwischen Tür und Angel und nach Arbeitsschluß konsumgerecht anzubieten, sondern eine konzentrierte und absichtsvolle Wahrnehmung zu ermöglichen, ganz wie bei einem Museumsbesuch.

Ulrich Grützner
Juli 2003

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 006
Baujahrspäte 1970er Jahre
EigentümerCampana / Gliem / Hammelehle & Ahrens / Schmidt
2. Bauphase 
Baujahr2002
BauherrCampana / Gliem / Hammelehle & Ahrens / Schmidt
ArchitektBernd Kniess architekten stadtplaner
Fotos vonMichael Reisch