Dem igus Firmensitz ermöglicht sein durchgehend modulares System eine schrittweise und unkomplizierte Erweiterung.Foto: Jens Willebrand
Industrie & Handel
igus Firmenzentrale
Spicher Straße 1a
51147 Köln
Porz
51147 Köln
Porz
Wie ein Industriegebäude zugleich Ausdruck einer Unternehmensphilosophie, erfolgreiches Marketing-Instrument und Hilfsmittel zur Optimierung betrieblicher Abläufe sein kann, zeigt die Firmenzentrale der igus GmbH. Der 600 Mitarbeiter starke Familienbetrieb entwickelt, produziert und vertreibt im Spritzgußverfahren hergestellte Maschinenelemente aus Kunststoff sowie Spezialkabel. Das "Sonnensystem" dient der Firma dabei als Organisationsprinzip: der Kunde wird von einer Reihe gleichberechtigter Arbeitsgruppen umkreist und kann bei Bedarf problemlos von einer Gruppe zur anderen wechseln.
Die Beschränkung auf drei Hierarchiestufen - Team, Teamleiter und Geschäftsführung -, sowie der Verzicht auf hierarchische Symbole begünstigen eine unkomplizierte Kommunikation, auch zwischen den Mitarbeitern. Eine entspannte Atmosphäre soll motivieren, die Freude am Lernen fördern und zum sogenannten "Innovieren" anregen.
Die neue igus-Zentrale sollte nicht nur in der Lage sein, das organisatorische und soziale Gefüge der Firma aufzunehmen und weiterzuentwickeln, sondern ebenso ihre technisch-kreative Gedankenwelt gestalterisch zum Ausdruck bringen. Dabei war weder die Entwicklung des schnell wachsenden Betriebs, noch die zukünftigen Verfahren zur Herstellung der etwa 40.000 unterschiedlichen igus-Produkte vorhersehbar. So wurde die Schaffung eines erweiterbaren, extrem flexiblen Raumes "in dem alles überall passieren kann" zum entwurflichen Hauptziel.
1988 erwarb das international operierende Unternehmen ein ca. 40.000 qm großes Grundstück, nur fünf LKW-Minuten vom Flughafen Köln/Bonn entfernt und am Rande eines von der Stadt Köln ursprünglich zur Ansiedlung von High-Tech-Betrieben erschlossenen Industriegebietes.
Die Beschränkung auf drei Hierarchiestufen - Team, Teamleiter und Geschäftsführung -, sowie der Verzicht auf hierarchische Symbole begünstigen eine unkomplizierte Kommunikation, auch zwischen den Mitarbeitern. Eine entspannte Atmosphäre soll motivieren, die Freude am Lernen fördern und zum sogenannten "Innovieren" anregen.
Die neue igus-Zentrale sollte nicht nur in der Lage sein, das organisatorische und soziale Gefüge der Firma aufzunehmen und weiterzuentwickeln, sondern ebenso ihre technisch-kreative Gedankenwelt gestalterisch zum Ausdruck bringen. Dabei war weder die Entwicklung des schnell wachsenden Betriebs, noch die zukünftigen Verfahren zur Herstellung der etwa 40.000 unterschiedlichen igus-Produkte vorhersehbar. So wurde die Schaffung eines erweiterbaren, extrem flexiblen Raumes "in dem alles überall passieren kann" zum entwurflichen Hauptziel.
1988 erwarb das international operierende Unternehmen ein ca. 40.000 qm großes Grundstück, nur fünf LKW-Minuten vom Flughafen Köln/Bonn entfernt und am Rande eines von der Stadt Köln ursprünglich zur Ansiedlung von High-Tech-Betrieben erschlossenen Industriegebietes.
Aus dem eingeladenen Architekturwettbewerb zum Entwurf einer "faszinierenden Landmarke", die nicht zuletzt das Image des bis dahin weitgehend unbekannten Unternehmens heben sollte, ging das Team um Nicholas Grimshaw als Sieger hervor. Ihr Entwurfskonzept wurde schließlich mit nur geringfügigen Änderungen bis zum Jahr 2001 in mehreren Bauabschnitten verwirklicht.
Dabei entstand nicht ein "Public-Relations-Prachtbau", sondern ein Bauwerk, das zugleich fertiges Objekt und Prozeß ist, denn sein durchgehend modulares System ermöglicht eine schrittweise und unkomplizierte Erweiterung.
Zu diesem Zweck entwickelten die Architekten ein interaktives Design, das für notwendige Veränderungen und wachsende Erfahrungen der Firma offen ist. Sowohl innere Funktionen, wie Büros, Kantine, Produktentwicklung- und erprobung, Produktion, Lager und Versand, als auch einzelne Gebäudeelemente, wie Fassadenpaneele, Türen und Fenster können dabei beliebig oft verändert, verfeinert und verbessert werden. Auch kurzfristige Lösungen machen dadurch Sinn, denn etwaige Korrekturen sind unkompliziert und niemals endgültig.
Die vier gelben Pylone des derzeitigen Ausbauzustands stellen so nunmehr die einzige Konstante des Gebäudes dar. Sie sind mit ihren über 30 m Höhe nicht nur das Erkennungszeichen und wesentliche Corporate-Identity-Objekt des Betriebes, sondern zugleich seine "tragenden Säulen". Denn sie machen eine umständliche Tragkonstruktion mit zahllosen internen Stützen überflüssig und verleihen der Fabrik ihre enorme Flexibilität.
Dabei entstand nicht ein "Public-Relations-Prachtbau", sondern ein Bauwerk, das zugleich fertiges Objekt und Prozeß ist, denn sein durchgehend modulares System ermöglicht eine schrittweise und unkomplizierte Erweiterung.
Zu diesem Zweck entwickelten die Architekten ein interaktives Design, das für notwendige Veränderungen und wachsende Erfahrungen der Firma offen ist. Sowohl innere Funktionen, wie Büros, Kantine, Produktentwicklung- und erprobung, Produktion, Lager und Versand, als auch einzelne Gebäudeelemente, wie Fassadenpaneele, Türen und Fenster können dabei beliebig oft verändert, verfeinert und verbessert werden. Auch kurzfristige Lösungen machen dadurch Sinn, denn etwaige Korrekturen sind unkompliziert und niemals endgültig.
Die vier gelben Pylone des derzeitigen Ausbauzustands stellen so nunmehr die einzige Konstante des Gebäudes dar. Sie sind mit ihren über 30 m Höhe nicht nur das Erkennungszeichen und wesentliche Corporate-Identity-Objekt des Betriebes, sondern zugleich seine "tragenden Säulen". Denn sie machen eine umständliche Tragkonstruktion mit zahllosen internen Stützen überflüssig und verleihen der Fabrik ihre enorme Flexibilität.
Auch die über das gesamte Dach verteilten Lichtkuppeln mit einem Durchmesser von sechs Metern, tragen zur Anpassungsfähigkeit des Gebäudes bei. Ihre nördliche Ausrichtung gewährleistet die Versorgung der gesamten Halle mit nahezu studioartigem Tageslicht und verleiht dem Inneren eine "Aura der Großzügigkeit". Die durch den Produktionsprozeß verbrauchte Luft gelangt hier auf natürliche Weise nach außen; zudem schmelzen die Kuppeln bei Erreichen eines kritischen Hitzegrades, etwa im Brandfall, und verhindern damit das plötzliche Kollabieren der gesamten Hallenkonstruktion.
Der Hallenboden ist ebenfalls Teil des allgegenwärtigen Flexibilitätskonzepts: sämtliche Medien gelangen von der Decke aus an jede beliebige Stelle innerhalb des Gebäudes und ermöglichen damit eine individuelle Platzwahl für alle Aktivitäten. Das gilt ebenso für die produktionsbezogenen Tätigkeiten im offenen Hallenbereich, wie für die Verwaltungs- und Entwicklungstätigkeiten, die unterhalb oder in den schallisolierten "Gondeln" untergebracht sind.
Etwa vier Meter über dem Hallenboden auf gelben Beinen stehend, wurden diese Baukörper je nach Bedarf einzeln oder zu größeren Räumen gruppiert aufgestellt. Innerhalb von 14 Tagen lassen sich einige von ihnen demontieren und an anderer Stelle wieder aufbauen - der Zeitaufwand soll sich zukünftig dank einer Luftkissen-Lagerung auf ein Wochenende verringern.
Alle Hallenbereiche verbindet schließlich ein Wegesystem aus leichten Stegen. In Höhe der Gondeln montiert, lassen sich hier sowohl Besichtigungstouren durchführen, als auch größere Distanzen zwischen den Arbeitsgruppen zügig und ohne Störung des Produktionsprozesses überwinden.
Die igus GmbH verdankt dem Gebäude so nicht nur einen immensen Imagegewinn. Auch in der Möglichkeit, auf Kundenwünsche nunmehr enorm schnell und flexibel eingehen zu können, liegt die gute Auftragslage des Unternehmens begründet.
Ulrich Grützner
Juni 2003
Der Hallenboden ist ebenfalls Teil des allgegenwärtigen Flexibilitätskonzepts: sämtliche Medien gelangen von der Decke aus an jede beliebige Stelle innerhalb des Gebäudes und ermöglichen damit eine individuelle Platzwahl für alle Aktivitäten. Das gilt ebenso für die produktionsbezogenen Tätigkeiten im offenen Hallenbereich, wie für die Verwaltungs- und Entwicklungstätigkeiten, die unterhalb oder in den schallisolierten "Gondeln" untergebracht sind.
Etwa vier Meter über dem Hallenboden auf gelben Beinen stehend, wurden diese Baukörper je nach Bedarf einzeln oder zu größeren Räumen gruppiert aufgestellt. Innerhalb von 14 Tagen lassen sich einige von ihnen demontieren und an anderer Stelle wieder aufbauen - der Zeitaufwand soll sich zukünftig dank einer Luftkissen-Lagerung auf ein Wochenende verringern.
Alle Hallenbereiche verbindet schließlich ein Wegesystem aus leichten Stegen. In Höhe der Gondeln montiert, lassen sich hier sowohl Besichtigungstouren durchführen, als auch größere Distanzen zwischen den Arbeitsgruppen zügig und ohne Störung des Produktionsprozesses überwinden.
Die igus GmbH verdankt dem Gebäude so nicht nur einen immensen Imagegewinn. Auch in der Möglichkeit, auf Kundenwünsche nunmehr enorm schnell und flexibel eingehen zu können, liegt die gute Auftragslage des Unternehmens begründet.
Ulrich Grützner
Juni 2003
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