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Technikhof Kalk

Bunte, die Fassade durchstoßenden Baucontainern sind äußeres Zeichen für die konzeptionelle Idee des Gesamtkomplexes: jede einzelne Firma erhält ihr persönliche Signet.
Foto: Lukas Roth


Industrie & Handel

Technikhof Kalk


Dillenburger Straße 71-97
51105 Köln
Kalk

Inmitten teils verlassener, teils weiterhin genutzter Produktionsstätten der Firma Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) gelegen, sticht der Technikhof Kalk mit seinem außergewöhnlichen Nutzungskonzept aus der Masse anderer umgenutzter Fabriken heraus.

Die in den 1930er Jahren errichteten Gebäude verloren nach Verlagerung der KHD-Traktorenfabrikation ins bayerische Lauingen 1996 ihre Funktion. Mit Hilfe von Mitteln aus dem "Landesprogramm für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf" verwandelte sich das mit handhabbaren Ausmaßen gesegnete Montagewerk daraufhin zwischen 1998 und 2001 in eine Komposition aus Gewerbehof und Dienstleistungszentrum. Die starke Durchmischung der hier gezielt angesiedelten Firmen-Neugründungen aus dem sekundären und tertiären Sektor sollte für eine stabile wirtschaftliche Situation des Gesamtobjekts, einen firmenübergreifenden Austausch und somit für Synergie-Effekte sorgen.

Damit den jungen Firmen hohe Mietkosten erspart und unmittelbar nutzbare Räume angeboten werden konnten, wurde beim Umbau auf eine Luxussanierung ebenso verzichtet wie auf die Möglichkeit, die Gewerbeeinheiten in ihrer Größe verändern zu können. Statt dessen ist die Bandbreite der Einheiten so groß, daß sich die Mieter ein ihren Ansprüchen genügendes Objekt auswählen können. Um den sehr unterschiedlichen Nutzern dennoch soviel Freiheit wie möglich zu gewähren und die industrielle Geschichte des Komplexes zu bewahren, hielten sich die Architekten in ihrem Gestaltungswillen zurück. Sie konzentrierten sich viel mehr auf den Entwurf weniger neuer, vom Bestand bewußt abgegrenzter Elemente. Diese dienen dazu, das Konzept der erwünschten Offenheit und Zugänglichkeit und damit des Miteinanders aller Firmen zu fördern und nach außen sichtbar zu machen.

So wurde im ersten Bauabschnitt die im nördlichen Teil gelegene ehemalige Montagehalle zunächst in 200 - 600 qm große Einheiten für produzierendes Gewerbe unterteilt. Ausgestattet wurden sie mit an Industrievorbildern orientierten Isolierglasfenstern, großen Rolltoren sowie Büro- und Sanitärblöcken. Zur sogenannten Privatstraße hin, tauchen diese Blöcke in Form von bunten, die Fassade durchstoßenden Baucontainern auf. Sie stellen nicht nur einen Blickfang des Technikhofes dar, sondern sind das prägnanteste äußere Zeichen für die konzeptionelle Idee des Gesamtkomplexes: jede einzelne Firma erhält durch das persönliche Signet des bunten Containers ihre eigene Identität, "veräußert" einen Teil ihres Inhalts, steht durch die Aufreihung der insgesamt 17 Container aber innerhalb eines größeren Zusammenhangs.
Im zweiten Bauabschnitt schließlich wurde der direkt an der Dillenburger Straße liegende dreigeschossige Gebäuderiegel in 50 - 900 qm große Büroeinheiten für Dienstleistungsbetriebe unterteilt. Auch hier paßten die Architekten die neue Raumstruktur zurückhaltend an die bestehenden baulichen Verhältnisse an: die Backsteinfassade und die massiven Betonstützen und -unterzüge bleiben auch weiterhin die dominierenden gestalterischen Elemente.

Bei den Erdgeschoß-Einheiten zeigt sich das Konzept von Offenheit, Zugänglichkeit und Flexibilität etwa darin, daß sie sowohl von der Dillenburger Straße als auch von der Privatstraße aus zugänglich sind. Eingestellte Sanitär- oder Regalblöcke unterteilen die Großräume in unterschiedlich große Zonen oder grenzen Einzelbüros vom übrigen Raum ab.

Die mit mehr Tageslicht versorgten oberen Geschosse wurden zumeist in Einheiten mit Einzelbüros unterteilt. Im 1. Obergeschoß nutzten die Architekten kreativ den Raum unterhalb der in zwei Metern Höhe schwebenden Unterzüge: einerseits werden hier die Büros voneinander getrennt, andererseits die Fläche durch den Einbau von Regalwänden optimal ausgenutzt. Die unterschiedlich breiten Flure des 2. Obergeschosses verdeutlichen mit ihrer flexiblen Nutzung als Konferenzraum oder Präsentationsfläche schließlich einmal mehr, daß intelligente Raumkonzepte für junge Unternehmen wichtiger sind, als die Schaffung einer repräsentativen Hülle.

Ulrich Grützner
Juli 2003

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 022
Baujahrca. 1930
EigentümerAmt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln
2. Bauphase 
Baujahr1998 - 2001
BauherrAmt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln
ArchitektArchitekturBüro Felder
Fotos vonLukas Roth