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Hochwasserpumpwerk Rodenkirchen

Das südlichste der Kölner Hochwasserpumpwerke liegt an der sensiblen Schnittstelle zwischen Stadt und Land. Der Kölner Landschaftsarchitekt Dirk Melzer entwickelte in Zusammenarbeit mit v-architekten ein Konzept, das den Standort mit baukünstlerischen Mitteln aufwertet. Dem Ort geschuldet setzt der Entwurf das Thema »Umfließen« gleich auf mehreren Ebenen um. Differenziert gestaltete Geländekanten bilden eine Schaufront zum Rhein hin. Eine Basalt-Bruchsteinmauer, fasst in großzügigen Schwüngen das Bauwerk an der Uferstraße. In den Neubau des Hochwasserpumpwerks wurde ein Altbau integriert und mit einer Hülle aus plasmageschnittenen messingfarbenen Stahl umhüllt, deren Rapport an das Bild von angeschwemmtem Treibholz erinnert.
Fotografie: Constantin Meyer



Technische Bauten

Hochwasserpumpwerk Rodenkirchen


Ufer-/Grüngürtelstraße
50996 Köln
Rodenkirchen

Köln ohne den Rhein ist undenkbar, so sehr prägt der mächtige Fluss das Bild und das Leben der Stadt. Aber trotz aller Liebe zum Rhein ist Köln ist auch die am meisten durch Hochwasser gefährdete Großstadt Europas.

Nachdem der Rhein gleich zweimal innerhalb von 13 Monaten die Altstadt und die südlichen Stadtteile überflutet hatte, verabschiedete der Rat der Stadt 1996 das Hochwasserschutzkonzept, für dessen bauliche Umsetzung die Stadtentwässerungsbetriebe Köln AöR, kurz StEB verantwortlich waren. Innerhalb von fünf Jahren wurden 65 km Rheinfront durch Dämme, Wälle, Deiche oder - im innerstädtischen Bereich - durch mobile oder fest installierte Schutzwände gesichert, das Kanalnetz ausgebaut, sowie Retentionsräume für den Rhein außerhalb der Stadt geschaffen.

Direkt am Rheinufer mussten sieben neue Hochwasserpumpwerke gebaut werden. Die StEB haben rechtzeitig erkannt, dass der gestalterischer Anspruch ihrer technischen Bedeutung sowie der exponierten und individuellen Lage der Neubauten gerecht werden muss und lobten vier wettbewerbsähnliche Verfahren mit der Zielsetzung aus, dass zwischen Rodenkirchen und Langel eine „Perlenkette prägnanter Pumpwerke entlang des Kölner Rheinufers“ erstehen solle.

Rodenkirchen

Das südlichste der Kölner Hochwasserpumpwerke liegt an der sensiblen Schnittstelle zwischen Stadt und Land. Zusätzlich zur Einrichtung mobiler Schutzwände am Ufer und zur bestehenden Schmutzwasserpumpe musste noch eine weitere Pumpstation gebaut werden, welche umstrittene Eingriffe in die geschützte Uferlandschaft forderte.

Allen Bürgerprotesten zum Trotz mussten dem Tiefbauteil rund 2000 qm Auenwald weichen. Als Reaktion darauf richtete sich die Mehrfachbeauftragung in diesem Fall an sechs Landschaftsarchitekturbüros mit der Maßgabe, die oberirdischen Teile des Pumpwerks nicht als Gebäude, sondern als »gebaute Landschaft« erscheinen zu lassen. Die Planungen des Ingenieurbauwerks waren zum Zeitpunkt der Auslobung bereits so weit fortgeschritten, dass die Teilnehmer mit ihren Entwürfen keinen Einfluss mehr auf die Lage, die Abmessungen und die funktionalen Vorgaben nehmen konnten. Zudem musste das bestehende, zweigeschossige Schmutzwasserpumpwerk gestalterisch eingebunden werden.

Der Kölner Landschaftsarchitekt Dirk Melzer entwickelte in Zusammenarbeit mit v-architekten ein Konzept, das den Standort mit baukünstlerischen Mitteln aufwertet und die verlorene Natur mit adäquaten landschaftsarchitektonischen Maßnahmen ersetzt.

Dem Ort geschuldet setzt der Entwurf das Thema »Umfließen« gleich auf mehreren Ebenen um. Die in der Auslobung geforderte befahrbare Rampe auf das Dach des Pumpwerks steigt von der Rheinseite aus flach an und mündet in einer vollständig begrünten und gestalteten Dachfläche, die jedoch nicht zum Aufenthalt gedacht, sondern den Forderungen der Bewohner des benachbarten Hochhauses geschuldet ist. Zum Auenwald hin fällt das Podest in einer sanften Böschung ab, rheinseitig steil mit einer für den Kölner Uferbau typischen Basaltmauer. Untypisch ist aber nicht nur der dynamische Rückschwung der Mauer, der erst zum gestalterischen Element wurde, als eine Aufstellfläche für den bei Revisionsarbeiten benötigten Kran geschaffen werden musste.

Auch die Qualität der handwerklichen Ausführung der massiven Mauer ist augenfällig, denn die gesamten Ansichtsflächen aus handverlesenen, brotlaibförmigen Basaltlavabruchsteinen tragen die regelmäßige Handschrift eines einzigen Maurers. Ähnlich aufwendig wurden auch das bestehende Schmutzwasserpumpwerk und die Ansaug- und Abluftöffnungen des Generators auf dem Dach des Pumpwerks mit einer messingfarbenen, durchbrochenen Metallfassade ummantelt, deren Rapport an das Bild von angeschwemmtem Treibholz erinnert. Alle notwendigen Öffnungen verschwinden nahtlos in der Endlosschleife des Musters.

Natürlich geht der Bauherr hier weit über das notwendige Maß an Gestaltung hinaus, gewinnt dadurch aber neben dem funktionierenden Hochwasserschutz ein Stück gebauter Landschaft, das sich nicht für seine Präsenz am Rheinufer entschuldigen muss, sondern die Attraktivität des Ortes noch steigert. Deshalb wurde das Kombipumpwerk Rodenkirchen bei der Auszeichnung Vorbildlicher Bauten in NRW 2010 prämiert.
Köln ohne den Rhein ist undenkbar, so sehr prägt der mächtige Fluss das Bild und das Leben der Stadt. Aber trotz aller Liebe zum Rhein ist Köln ist auch die am meisten durch Hochwasser gefährdete Großstadt Europas.

Schon aus römischer Zeit wird von Überflutungen berichtet, doch in Zukunft werden die Hochwasser zunehmend bedrohlicher und häufiger auftreten. Dreimal hat es bereits ein „Jahrhunderthochwasser“ gegeben, als der Rhein die 10-Meter-Marke überstiegen hat: 1926, 1993 und 1995. Nachdem der Rhein gleich zweimal innerhalb von 13 Mona-ten die Altstadt und die südlichen Stadtteile überflutet hatte, verabschiedete der Rat der Stadt 1996 das Hochwasserschutzkonzept in dessen Umsetzung 43o Millionen Euro in-vestiert wurden. Dabei sind die Maßnahmen zur Hochwasserabwehr, zum baulichen Hochwasserschutz, zum besseren Hochwassermanagement und zur Eigenvorsorge sogar auf ein 200-jähriges Hochwasserereignis ausgerichtet: alle Stadtteile sollen bis zu einem Pegelstand von 11,30 m geschützt sein, Bereiche mit sensiblen Nutzungen wie Industrie- und Chemiebetrieben bis 11,90 m.

Verantwortlich für die bauliche Umsetzung des Konzeptes sind die Stadtentwässerungsbetriebe Köln AöR, kurz StEB. Innerhalb von fünf Jahren wurden 65 km Rhein-front durch Dämme, Wälle, Deiche oder im innerstädtischen Bereich durch mobile oder fest installierte Schutzwände gesichert, das Kanalnetz ausgebaut, Pumpwerke ertüchtigt und neu gebaut und Retentionsräume für den Rhein außerhalb der Stadt geschaffen.

Akzeptanz durch Baukultur

Mit diesem Maßnahmenpaket ist es den StEB gelungen einen ausreichenden Hochwasserschutz zu gewährleisten, ohne die Stadt hinter Mauern zu verstecken und ohne das gesamte Rheinufer mit technischen Bauwerken zu besetzen. Denn trotz der potentiellen Gefahr, die der Fluss birgt, soll er auch in Zukunft noch positiv erlebbar bleiben.
Für den Hochwasserschutz der Stadt spielen vor allem die Pumpwerke eine große Rolle. Sie stellen sicher, dass die geklärten Abwasser und das Regenwasser auch bei extrem hohen Pegelständen ohne Rückstau in den Rhein geleitet werden können. Generell be-stehen die Pumpwerke, aus einem Tiefbauteil, das die Pumpen einhaust, und einem Hochbauteil für die elektrotechnische Versorgung. Wie bei einem Eisberg bleibt jedoch der größte Teil des gesamten Volumens im Verborgenen. Beide Bauteile müssen baulich gegen jegliche zu erwartenden Hochwasser geschützt sein.

Die Bauabteilung der StEB, die sich selbst als die Experten für den Tiefbau betrachtet, hat die Hochbauprojekte extern an Architekten vergeben, da mehr als nur eine simple Gebäudehülle zu entwerfen war, und der jeweilige Bau gestalterisch in sein Umfeld eingebunden werden sollte. Die ersten drei der sieben neuen Hochwasserpumpwerke wurden 2003 direkt an Kölner Architekten vergeben. Das Pumpwerk Am Faulbach bauten Schösser Architekten in Zusammenarbeit mit Kazuhisa Kawamura, das Pumpwerk Werthweg wurde an das Büro Lepel & Lepel vergeben, und das Pumpwerk Bremer-havenerstraße, an das Büro Felder.

Obwohl die Bausumme der einzelnen Pumpwerke unter dem Schwellenwert für öffent-liche Bauten lag, der eine Wettbewerbsausschreibung erzwungen hätte, lobte die StEB von 2004 – 2005 wettbewerbsähnliche Verfahren für die vier weiteren Standorte aus. Zur Teilnahme wurden jeweils fünf oder sechs Architektur- bzw. Landschaftsarchitek-turbüros aus Köln oder dem Kölner Umland eingeladen, einen Entwurf zu erarbeiteten. Weil es deutschlandweit in dieser Größenordnung keine Referenzprojekte gab, musste die StEB ihre eigene Zielsetzung formulieren: Es sollte eine „Perlenkette prägnanter Pumpwerke entlang des Kölner Rheinufers“ entstehen, deren gestalterischer Anspruch ihrer technischen Bedeutung und der exponierten Lage gerecht werden sollte.

Die meisten Pumpwerke liegen darüberhinaus in sehr sensiblen Umfeldern, in denen mit Bürgerprotesten oder Auflagen des Landschaftsschutzes zu rechnen war. So sah die StEB in der Mehrfachbeauftragung ein transparentes und öffentlichkeitswirksames Verfahren, das zu einer maßgeschneiderten und wirtschaftlichen Lösung führen würde. Ganz be-wusst wurde die Baukultur hier eingesetzt, um die Bevölkerung über die Akzeptanz des Pumpwerkes für den Hochwasserschutz zu sensibilisieren. Immer wieder tauchen in diesem Zusammenhang auch die Begriffe Markenbildung und Imagepflege auf, doch wäre eine vorsätzliche Landmarkenarchitektur mit den StEB als Bauherr eine gefährliche Gratwanderung.

Als Anstalt des öffentlichen Rechts müssen sie auf die Angemessenheit der Mittel achten, denn die wenigsten Bürger wollen mehr für ihr Abwasser be-zahlen, auch wenn sie dafür ein baukulturell geschätztes Hochwasserpumpwerk be
kommen. So findet sich auch auf keinem der Pumpwerke ein plakatives StEB-Logo, obwohl die Mehrkosten, die durch den ambitionierten Hochbau entstehen, im Verhältnis zu den Gesamtkosten des Gebäudes mit allen technischen Einrichtungen, relativ gering sind.
Dass aus einem hochfunktionalen Technikgebäude ein preisgekröntes Stück Baukultur wird, ist eine seltene Ausnahme. Am Kölner Rheinufer konnte so jedoch die sensible Schnittstelle von Kultur und Natur auf eine sehr zeitgemäße Weise inszeniert werden.


Uta Winterhager
März 2012

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 106
Baujahr2005-2010
EigentümerStadtentwässerungsbetriebe Köln AöR
BauherrStadtentwässerungsbetriebe Köln AöR
ArchitektDirk Melzer Landschaftsarchitekt, v-architekten, Köln
Auszeichnungen*Auszeichnung Vorbildliche Bauten in NRW 2010
*Nominierung Mies van der Rohe Award 2011
Fotos vonConstantin Meyer, Dirk Melzer
 

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