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KölnTriangle

Das Hochhaus KölnTriangle nahe des Deutzer Brückenkopfs der Hohenzollernbrücke 
Foto: Jens Willebrand



Verwaltung & Büro

KölnTriangle


Ottoplatz 1
50679 Köln
Deutz

Die rechte Rheinseite gilt in Köln gemeinhin als die schlechte Seite, der Mundartkundige bezeichnet sie gerne als „schäl Sick“. Diese Klassifizierung impliziert eine Aufwertung der linken Rheinseite, die mit der (rekonstruierten) historischen Altstadt, den (teilweise rekonstruierten) romanischen Kirchen und nicht zuletzt dem Dom die wichtigsten stadtgeschichtlichen Zeugnisse auf ihrem Territorium versammelt. Das jenseits des Rheins gelegene Deutz – das alte römische Kastell im Feindesland – kann da nur müde belächelt werden. So die gängige Meinung. Dass jedoch gerade Deutz städtebauliche Entwicklungspotenziale bietet, die etwa in der Nähe zum Rhein, in der heterogenen Bebauungsstruktur oder in der Anbindung an den Nah- und Fernverkehr begründet liegen, wird gerne übersehen.

Über die Hohenzollernbrücke ist der Kölner Hauptbahnhof mit dem Bahnhof Deutz verbunden, und dank Fuß- und Radwegen findet auch für Stadtspaziergänger ein Brückenschlag zwischen linker und rechter Seite statt. Am Deutzer Rheinufer findet sich südlich der Bahntrasse ein in seinen Ausmaßen beachtlicher Baublock: Zum Fluss im Westen präsentiert das Hyatt Hotel eine wenig inspirierte Postmoderne, und nach Osten hin wird der Blockrand durch siebengeschossige Bauten geschlossen. Diese an das Hyatt anschließenden Bauten wurden zwischen 1995 und 2004 nach Plänen der Kölner Architekten Gatermann + Schossig errichtet. An der östlichen, zum Ottoplatz gerichteten Fassade wiederholt sich das Portalmotiv des Hyatt Hotels, wodurch die beiden Blockschmalseiten in eine formale Beziehung treten. Dieselben Architekten zeichnen für den Entwurf des zum Block gehörenden Hochhauses – des KölnTriangle – verantwortlich.

Während seiner Planungs- und Bauzeit entfachte ein Streit um den Bau von Hochhäusern in Deutz, der eine zusätzliche Befeuerung durch die im Jahr 2004 von der UNESCO vorgenommene Eintragung des Kölner Domes auf die Liste bedrohter Welterbestätten erfahren hatte. Hintergrund war die mit dem geplanten Bau von insgesamt fünf Hochhäusern als Kranz um den Deutzer Bahnhof einhergehende Befürchtung, die stadtbildprägende Wirkung des Domes könne durch weitere Höhendominanten geschmälert werden. Am Ende des Streits erhielt der Dom seinen unangefochtenen Welterbestatus zurück, und einzig das KölnTriangle ergänzt nun die vormals vom sogenannten „Lufthansa-Hochhaus“ am Kopf der Deutzer Brücke dominierte Silhouette des rechtsrheinischen Stadtteils.

Das KölnTriangle ist den Blockrandbauten nahe der nordöstlichen Ecke eingefügt. Auf dreieckigem, namensgebendem Grundriss wächst es auf 28 Etagen bis zu einer Höhe von rund 103 Metern empor. Der Grundriss ist in der Art eines Reuleaux-Dreiecks variiert und weist konvex gewölbte Außenseiten auf, deren einschalige Glasfassaden im Nordosten und Nordwesten durch Öffnungsflügel rhythmisiert werden. Diese sind wechselweise in jedem zweiten Fassadenfeld angebracht. Im Süden reagiert die Fassade auf die stärkere Sonneneinstrahlung mithilfe eines zweischaligen Aufbaus, durch den eine Hinterlüftung gewährleistet wird.

Für eine formale Beschreibung des Baukörpers lohnt ein Blick in die Architekturgeschichte: In seinem wegweisenden Aufsatz The Tall Office Building Artistically Considered beschrieb der amerikanische Architekt und Theoretiker Louis Henry Sullivan im Jahr 1896 den idealen Aufbau eines Hochhauses, bestehend aus zwei unteren Etagen, die den Sockel bilden, einer unbestimmten Anzahl aufgehender, untereinander gleicher Geschosse und einem besonders betonten Dachgeschoss. Folgt man dieser Beschreibung, die übrigens eng an die klassische Architekturgrammatik angelehnt ist, so stimmt die Fassadengestaltung des KölnTriangle in den beiden letzten Punkten mit den Forderungen Sullivans überein: Die Fassaden der oberen Bürogeschosse sind durchgehend gleich gestaltet, und der obere Abschluss ist durch ein überhöhtes Dachgeschoss und einen niedrigeren Kranz von Glaselementen hervorgehoben.

Im unteren Gebäudeteil allerdings weicht die konsequente Fassadengestaltung auf. Denn die dortigen Geschosse – die im übertragenen Sinn den Sockel bilden – erfahren entgegen klassischer Sehgewohnheiten eine Schwächung: Die ersten sieben Geschosse des KölnTriangle sind in den Blockrand integriert. Der Grundriss nimmt hier eine Kreisform an, wodurch sowohl die Geschoss- als auch die Fassadenflächen verkleinert werden; hier setzt eine erste Irritation ein, denn gerade an der Stelle, an der das Auge den „stärksten“ Punkt des Hauses erwarten würde, findet sich – zumindest optisch – der schwächste. Im darüberliegenden Bereich des Übergangs von Blockrand zu Hochhaus springt die Fassadenebene noch weiter zurück, so dass mit den zwölf Rundstützen die eigentliche Tragkonstruktion des Gebäudes nach außen gekehrt ist; dies führt zu einer zweiten Irritation, denn dort, wo eine materielle Dominanz des aufstrebenden Baukörpers erwartet wird, ist er – wiederum optisch – erneut geschwächt.
Das Innere des KölnTriangle ist über zwei Eingänge zugänglich. Der Hauptzugang vom Ottoplatz aus führt über ein Foyer, das sich jenseits der inneren Fassade zu einem öffentlichen Innenhof weitet. Vom Foyer aus sind fünf Aufzüge, über welche die einzelnen Etagen gezielt angesteuert werden können, wie auch das Treppenhaus zu erreichen. Aufzüge, Treppenhaus und Nebenräume sind in einem kreisrunden Kern untergebracht, der zugleich die statische Funktion der Gebäudeaussteifung übernimmt. Ein zweiter Zugang erfolgt von der nördlich verlaufenden Straße aus. Hier offenbart sich eine durchaus bemerkenswerte Besonderheit des Bürohochhauses: Vom nördlichen Zugang aus ist die Dachterrasse erreichbar, die einen großartigen Rundblick über Köln zu bieten hat. Diese ergänzt den im Blockinneren angeordneten Hofraum um eine weitere Spielart eines öffentlichen Raums – eben eine Plattform auf dem Dach des Hochhauses.

Die Erschließung der (nicht öffentlich zugänglichen) Büros erfolgt über die Kerne, die auf jeder Etage zentral im Gebäude liegende Vorräume ausbilden. Die Etagen können jeweils in zwei Mieteinheiten unterteilt werden; auch ist aufgrund der Führung der Treppenanlage ein Zusammenschluss von jeweils zwei Bürogeschossen zu einer Einheit möglich. Zwischen der Mantelwand des Kerns und den eigentlichen Büroräumen, welche entlang der Fassaden angeordnet sind, verläuft ein umgehender Flur, der von eingebauten Leuchten indirekt beleuchtet wird und zusätzlich durch Oberlichter in den Bürotrennwänden natürliches Licht erhält. Der Zuschnitt der Büroräume variiert je nach Nutzungsanforderung, und auch der Innenausbau kann nach Wunsch der Mieter individuell gestaltet werden. Die beiden obersten Etagen sind aus der Büronutzung ausgeklammert; sie können für Events angemietet werden.

Das KölnTriangle steht schon allein aufgrund seiner Höhe als Landmarke im rechtsrheinischen Deutz, die auf Entwicklungspotenziale dieses Stadtteils hinweist. Das Potenzial liegt dort im angemessenen Wachstum und in der Modernisierung. Während die von RTL bezogenen Messehallen ihre Modernität nach innen wenden und im Äußeren den Bruch mit der alten Nutzung zu überspielen versuchen, setzt das Glashochhaus ein eindeutiges Zeichen. Dass es vom linksrheinischen Ufer aus gesehen und bestenfalls als Initial der Stadtentwicklung verstanden werden kann, ist nur gut.

Rainer Schützeichel
Oktober 2011

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