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OGTS Cäsarstraße

Der Neubau bindet seine Umgebung mit der Ausbildung von Wegen und Plätzen zu einem sinnfälligen Ganzen zusammen
Foto: Rainer Mader



Forschung & Bildung

OGTS Cäsarstraße


Cäsarstraße 21
50968 Köln
Bayenthal

Wie so oft in Köln ist das Quartier, in dem sich die Maria-Sibylla-Merian-Schule findet, ein heterogenes Konglomerat verschiedener Zeiten, Stile und auch Moden. Sanierte und nicht sanierte Altbausubstanz wechselt sich ab mit Nachkriegszeilenbau und jüngeren Großbauten. Die Cäsarstraße, an die sich der Altbau der Schule unmittelbar anschließt, durchquert es von Westen nach Osten. Von Durchqueren aber kann genau genommen schwerlich gesprochen werden. Denn ein recht ungestalteter (immerhin baumbestandener) Platz – dessen Ausdehnung durch kaum mehr als durch Poller, Gehwegsplatten und Bordsteine markiert wird – trennt die Straße in zwei Teile.

Der Platz, der vielleicht angemessener als Vorplatz bezeichnet werden sollte, markiert den Ort der Schule. Wie ihr Quartier stellt sie ein über die Zeit zusammengefügtes, heterogenes Gefüge dar: Südlich der Cäsarstraße liegt der Altbau, nördlich von ihr ist die Sporthalle zu finden, und wiederum nördlich der Halle bildet der vom Architekten Gernot Schulz entworfene Neubau der Offenen Ganztagsschule den Abschluss der Schulbauten. Von einem Ensemble zu sprechen scheint unangebracht, denn kein Bau gleicht dem anderen, und nicht zuletzt verhindert die Entfernung der zu beiden Straßenseiten aufgestellten Bauten den optischen Zusammenschluss.

Dennoch: Dieser Unordnung eine Ordnung eingeschrieben zu haben ist die Leistung des Neubaus. Obschon er sich weder in der Form noch im Material dem Bestehenden wirklich angleicht, stellt er eine Art verwandtschaftliche Beziehung her. Er ist ebenso flach gedeckt und mit Klinker verkleidet wie sein direkter Nachbar, die Turnhalle, wenngleich Farbigkeit und Höhe voneinander abweichen. Und von seinem Eingang aus betrachtet schließt sich gar die Umgebung zu einem sinnfälligen, nahezu städtischen Ganzen zusammen: Der Blick entdeckt Plätze und Wege, die den Schulhof ordnen. Er sieht einen intimen, vom Straßenraum abgewandten Hof, einen weiteren Hof zwischen Neubau und Sporthalle sowie einen großen, zur Straße hin offenen Spielgarten. Der Neubau schafft, obwohl er als eigenständiger Baukörper auftritt, eine Referenz, die stark genug für eine Ordnung des diffusen Umfelds ist.

Im Äußeren mutet das Gebäude beinahe skulptural an: Einschnitte an Nord- und Südfassade gliedern den langen Baukörper und verweisen auf Erschließungszonen, nicht zuletzt auf den Eingang. Die mal niedrigen, mal hohen Fenster verstärken das Bild des Herausgeschnittenen, wenn auch die liegenden Formate das Fassadenmaterial sogleich als Blendmauerwerk entlarven. Gelbe Vollklinker außen und Riemchen der selben Farbe innen bilden das Wandkleid. Die hohe Präzision, mit der sie verarbeitet worden sind, spiegelt auch im Detail den Ordnungsgedanken, dem das Gebäude im städtebaulichen Maßstab folgt.

Innen dient eine zweigeschossige Halle als Verteiler und zugleich öffentlichster Teil des Gebäudes. Von hier aus sind zwei Mehrzweckräume im südlichen Gebäudeteil zugänglich, die sowohl als Betreuungsräume als auch für Veranstaltungen genutzt werden können. Den Räumen ist am Kopf des Gebäudes eine Küche angegliedert. Ähnlich wie bei den Raumfolgen des Schulhofs findet auch im Inneren eine hierarchische Abfolge von Plätzen und Wegen statt: Im Nordosten weitet sich die langrechteckige Halle zu einer Nische, in der ein Waschtisch aufgestellt ist. Wollte man das Innere als Stadtraum lesen, so könnte man hier von einem intimen Platz mit Brunnen sprechen. Doch neben der symbolischen Konnotation dient der kleine Raum ganz praktischen Zwecken: Die Kinder können hier ihre Jacken ablegen und nach dem Mittagessen gemeinsam Zähne putzen; das Banale nicht banal aussehen zu lassen ist eine weitere Leistung des Neubaus.

Der Weg ins Obergeschoss führt über zwei Treppenhäuser. Deren Boden ist mit gelben Klinkern belegt, welche die Wandbekleidung in die Horizontale fortführen und die Räume der vertikalen Bewegung von jenen der horizontalen – Flure und Halle – unterscheiden. Dank des wechselnden Materials, das den Plattenbelag des Schulhofs in Erinnerung ruft, vermitteln die an den Köpfen des Gebäudes liegenden Treppenhäuser zugleich zwischen Innen und Außen.

Die Klassenräume sind überwiegend im Norden angeordnet. Von dort aus öffnet sich der Blick auf eine Festwiese, die durch den Neubau nur minimal verkleinert wurde, und auf die Mathiaskirche, die einen Mittelpunkt des Quartiers bildet. Im Inneren offenbart sich auch die Logik der verspringenden Fensterhöhen, die der Außenfassade ihren Stempel aufprägt: Sie erklärt sich aus der verschiedenen Augenhöhe kindlicher und erwachsener Betrachter. Das Äußere – die Stadt – bleibt im Gebäude als formale Referenz auf Wege und Plätze wie auch als optische Bezugnahme präsent.

In dieser Lesart können die Klassenräume selbst als Häuser entlang der Straße verstanden werden. Ihre Adressen bilden sie durch ihre unterschiedlichen Farben aus. So gibt es grüne, rote, blaue und orangefarbene „Haustüren“, die sich im Inneren der Klassenräume als Einbauelemente herausstellen, die zugleich Waschtische aufnehmen. Die bewegten Wandflächen der Flure erfahren in den Klassenräumen eine Beruhigung, denn dort sind die Wände weiß verputzt. Der Kreativität der Kinder tut dies keinen Abbruch, wie eine Vielzahl kunterbunter Zeichnungen beweist; die Kinder nehmen ihre Räume ganz individuell in Beschlag.

Das vielschichtige Wechselspiel von Innen und Außen gibt der Schule ihre besondere Qualität. Das lärmende Durcheinander im Äußeren wird nicht totalitär, aber doch bestimmt geordnet. Das Innere spiegelt diese Dualität von Ordnung und Freiheit – recht gute Voraussetzungen für eine Schule.

Rainer Schützeichel
Juli 2011

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 101
Baujahr2008-2009
EigentümerStadt Köln
BauherrStadt Köln, vertreten durch die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln
Architektgernot schulz : architektur
Fotos vonRainer Mader