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Cologne Oval Offices

Vor langer Zeit war dieser Uferstreifen noch Schwemmland. Vom Fließen des Wassers inspirierte Formen und Funktionen finden sich in den Cologne Oval Offices innen wie außen.
Foto: Markus Bollen



Verwaltung & Büro

Cologne Oval Offices


Gustav-Heinemann-Ufer 72 – 74
50968 Köln Köln
Bayenthal

Genau zehn Jahre sind zwischen der Wettbewerbsentscheidung und dem Einzug der ersten Mieter in die Cologne Oval Offices (COO) vergangen. Im Jahr 2000 hat das Preisgericht des von der DKV und der MEAG ausgelobten Wettbewerbs dem Entwurf des Berliner Büros sauerbuch hutton den ersten Preis verliehen, doch der Bauherr wartete mit dem Baubeginn noch 7 Jahre, bis ein geeigneten Ankermieter gefunden war. Doch sieht man den beiden - nicht ovalen sondern amöbenförmigen - Bürobauten am Bayenthaler Gustav-Heinemann-Ufer die lange Zeit in der Schublade nicht an. Allein der Name erinnert prekär an die späten 90er Jahre.

Am Bayenthaler Rheinufer besetzen die COO einen der von Großkonzernen sehr geschätzten Logenplätze. Trotz der vergleichsweise inhomogen bebauten Umgebung fallen die charakteristisch bunten Rundungen der Berliner Architekten auf - als wollten sie signalisieren, dass so die neue Generation von Bürobauten aussieht.

Auf frühen Entwürfen sind noch vier „Oval Offices“ zu sehen, gebaut wurden davon jedoch nur zwei entlang der Schönhauser Straße. Geschlossen wirkt der Blockrand durch die organisch geformten Baukörper nicht, wohl aber homogen gestaltet und mit schwungvoller Geste einladend.

Die nahe Flusslandschaft formte mit

Aus rotem Herbstlaub und grünen Sommerblättern entwickelten die Architekten zwei Farbpaletten mit je sieben verschiedenen Farbtönen. Die farbig bedruckten Glasklappläden geben den Gebäuden eine sehr individuelle Außenhaut, die ihre Umgebung zwar formal zitiert, aber keine Anpassung sucht. Vom Rheinufer aus betrachtet steht der rote Baukörper vorne, der grüne stadtseitig dahinter. Doch die genaue Anordnung und der Bezug zum städtischen Umfeld sind – entgegen aller planerischen Grundsätze - fast schon vernachlässigbar, so harmonisch wirkt die Einheit des Ensembles in sich.

Auf den ersten Blick scheint es sich um zwei gleiche Baukörper zu handeln, doch Grundrisse und Schnitte zeigt die Unterschiede im Detail. Beide Gebäude haben einen organisch geformten Footprint mit drei ausgeprägten und einer flachen Rundung. In der Gebäudemitte wurde ein annähernd oval geformter Innenhof ausgestanzt. Das zur Zeit leerstehende Hochhaus auf dem Nachbargrundstück ermöglichte auf der Südseite sieben Geschosse, auf der Innenstadtseite sind die COO jedoch nur fünfgeschossig, bieten dort jedoch eine begrünte Dachterrasse mit unverbautem Domblick.

Jeder Baukörper besitzt drei Erschließungskerne, die jeweils zentral in den ausgeprägten Rundungen sitzen und von den Büroflächen umflossen werden. Die insgesamt rund 30.000 qm Bürofläche können nach den Anforderungen der Mieter den Fassadenachsen entsprechend als Zellen- Kombi- oder Großraumbüros eingeteilt werden. Darüberhinaus bieten die sich zu den Kernen hin aufweitenden Flure noch vielfältige Nutzungs- und Gestaltungmöglichkeiten. Geplant sind Arbeitsplätze für ca. 1680 Mitarbeiter. Im Untergeschoss verbindet eine Tiefgarage mit 242 Stellplätzen die beiden Gebäude. Ein weiteres Tiefgeschoss konnte wegen des in Ufernähe erforderlichen Hochwasserschutzes nicht gebaut werden, bis zu einem „Kölner Pegel“ von 11,75 m sind die COO jetzt jedoch hochwassersicher.

Das Thema der flussnahen Landschaft, wie es in Form und Farbigkeit der äußeren Erscheinung des Gebäudes zum Ausdruck kommt, soll sich auch in der internen Struktur wiederfinden: flexible Grundrisse mit geschwungenen Linien, schön gestaltete Treppenhäuser, die an das Innere eines Schneckenhauses erinnern, und nicht zuletzt die bewegten Ausblicke setzen die Bildidee fort.
Die Fassade wirkt nicht nur bewegt, sie ist es wirklich. Für jedes der 2428 blickoffen bedruckten Klappladenpaare berechnet ein Computerprogramm zu jeder Tages- und Jahreszeit die richtige Position und weist einen Motor an, die Läden optimal und individuell auszurichten. Die Automatisierung lässt sich jedoch auch unterbrechen, so dass die natürliche Belichtung und Verschattung der Räume wie es im Erdgeschoss grundsätzlich vorgesehen ist, auch manuell gesteuert werden kann.

Aus zwei 30 m tiefen Brunnenanlagen wird mit einer Unterwasserpumpe pro Stunde bis zu 400.000 Liter Uferfiltrat (mit Grundwasser gemischtes Rheinwasser) hochgepumpt und in die Heiz- und Kühldecken eingespeist. Im Sommer erreicht das Wasser das Gebäude natürlich gekühlt mit einer Temperatur von 14 – 16° C und kann direkt in die millimeterdünnen Rohre der Kühldecken eingeleitet werden. Im Winter wird das Brunnenwasser über das Fernwärmenetz erwärmt um die Räume über die Deckenstrahlungsheizung zu temperieren. Das nach seinem Zyklus durch die Gebäude erwärmte Wasser kann durch einen auf dem Grundstück vorgefundenen Regenwasserkanal direkt zurück in den Rhein geleitet werden. Im Vergleich zu einem konventionellen Gebäude konnte der Primärenergiebedarf der COO durch diese Maßnahmen um 42% auf 105kWh/qm gesenkt werden.

Der Einsatz natürlicher Ressourcen, gekoppelt mit modernen Steuerungssystemen für Raumklima und Lichteinfall, machen die Cologne Oval Offices zu einem umweltverträglich zu betreibenden Gebäude mit Nachhaltigkeitsanspruch. Die EU-Kommission zeichnete sie daher als Kölns erste (und Deutschlands drittes) „GreenBuilding“ aus.

Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen 2009“ wählte die COO zu einem „ausgezeichneten Ort“, weil sie hier belegt sah, dass moderne Bautechnik die Arbeitswelt mit dem Umweltschutz versöhnen könne.

Uta Winterhager
Mai 2011

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Objekt-Daten

Objektnrprojekt # 100
Baujahr2007 - 2010
BauherrDeutsche Krankenversicherungs AG vertreten durch MEAG
Architektsauerbruch hutton, Berlin
Auszeichnungen* "Ausgewählter Ort des Jahres 2009", Kategorie: Umwelt, Die Initiative Deutschland - Land der Ideen (Mai 2009)
* GreenBuilding-Siegel der EU Kommission November 2008
Fotos vonMarkus Bollen, Uta Winterhager
Projektpate(n)MEAG